Hergarten - Europäische Teamarbeit am Düttlinger Kohlenmeiler

Europäische Teamarbeit am Düttlinger Kohlenmeiler

Von: Bruno Elberfeld
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Wer braucht schon Streichhölz
Wer braucht schon Streichhölzer? Daniel Linden, Hans Donks (von links) und Gerd Linden (rechts) lassen sich von Moderator Michael Lammertz (Mitte) über die Geschichte der Eisennägel aufklären. Foto: Elberfeld

Hergarten. Alle zwei Jahre wird der beschauliche Ort Düttling ein kleines Stückchen bekannter in der Region. Denn alle zwei Jahre bringt das Köhlerteam um Gerd Linden und seine Mitarbeiter einen Kohlenmeiler fachgerecht und nach alter Väter Sitte zum Glühen.

Bereits zum dritten Mal war es am Wochenende nun soweit, wurde der Meiler entzündet. Und Peter Boje, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Heimbach, erteilte den rheinischen Ritterschlag: „Im Rheinland ist alles, was zum dritten Mal passiert, Tradition!”

In diesem Jahr hatten Gerd Linden und seine Mitstreiter eine neue Idee, wie sie wohl den Meiler spektakulär und geschichtsträchtig unter einem europäischen Gedanken anzünden könnten. Streichhölzer und Feuerzeuge sind beim Linden-Team verpönt. War es vor zwei Jahren noch das olympische Feuer aus der griechischen Gaststätte „Olympisches Feuer” in Roggendorf, entzündet mittels eines Parabolspiegels, so war es dieses Mal eine europäische Zusammenarbeit.

Im vergangenen Jahr nahmen die Düttlinger Köhler an einem Köhlertreffen in den Dolomiten teil. Sie besichtigten ein Nagelmuseum. Die Nägel waren vor Jahrhunderten beim Schiffsbau verwendet worden, und mit ihnen lassen sich vortrefflich Funken schlagen. Die Düttlinger Köhler brachten einen gut 50 Zentimeter langen Nagel aus dem Jahr 1786 mit in die Eifel. Wie es der Zufall wollte, wohnt und arbeitet seit 1964 in Gemünd ein Italiener aus diesem Teil der Dolomiten, heute als das Tal der Eismacher (Forno di Zoldo) bekannt, Ezio del Longo.

Die moderne Technik hatte das Schmieden der Eisennägel, die meist für den Schiffsbau verwendet wurden, überflüssig gemacht. Ezio del Longo überreichte weitere 30 Nägel an Schmiedemeister Norbert Trösch aus Udenbreth. Auf einem Feld bei Düttling fand Trösch einen passenden Feuerstein. Als Zunderersatz verwendete er Rohrkolbenwolle. Und richtig: Schon nach wenigen Versuchen und einem Wechsel der langen Nägel brannte die Wolle lichterloh. Mit ihr entzündete Daniel Linden trockene Holzscheite. Diese wurden auf den Meiler geschafft.

Doch bevor die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen aus Aachen die brennenden Scheite oben auf dem Meiler mitten in den Kohlenmeiler schaufeln durfte, sprach Pfarrer Hans Donks aus Heimbach den Segen über den Meiler und seine Macher, über Gerd Linden und sein Team, sowie die vielen Menschen, die sich das spannende Spektakel in Düttling nicht entgehen lassen wollten.

Michael Lammertz, Fachgebietsleiter des Nationalparkforstamtes Eifel, moderierte recht ausführlich und wortgewandt das Anzünden des Meilers. Er stellte die Beteiligten vor und interviewte sie. Stolz klang bei allen Rednern durch, dass an diesem Tag unter dem Motto „Ein kleiner Europäer erwacht” Düttling ein Stückchen zum Mittelpunkt Europas wurde. Stolz waren die Erbauer des Meilers, der Inhaber der Gaststätte „Olympisches Feuers”, Georgios Tselekidis, der das Feuer auf den Meiler tragen durfte, sowie Ezio del Longo, der Italiener mit Wohnsitz in Gemünd, der die vielen Nägel beschafft hatte.

Am Pfingstsonntag wurde nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Meilers das erste große Meilerfest gefeiert. Zwei weitere werden folgen (siehe Infokasten). Fronleichnam schließlich ist die Holzkohle fertig. An Verkaufsstellen kann diese dann in Säcken abgefüllt gekauft werden. Grillgut, das über dieser Kohle gegrillt wurde, soll einen unvergesslichen Geschmack haben. Und wie erkennt man eigentlich, ob Holzkohle gut ist? Köhler Gerd Linden weiß es: „Eine gute Holzkohle muss wie Glas klingen!”
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