Nideggen - Esperanto: Sprache, aber auch Lebenseinstellung

Esperanto: Sprache, aber auch Lebenseinstellung

Von: Sandra Kinkel
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Die deutsche Esperanto-Jugend hat ihren Sitz in diesem Haus an der Rosenfelder Straße in Berlin-Lichtenbusch. Unser kleines Foto zeigt die Esperanto-Fahne. Foto: Stock/Steinach
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Alfred Schubert vom Deutschen Esperanto-Bund spricht seit 35 Jahren Esperanto. Foto: Sandra Kinkel

Nideggen. Auf den Gängen der Jugendherberge in Nideggen erklingt eine fremde Sprache. Menschen verschiedener Altersgruppen plaudern munter miteinander. Es wird viel gelacht. Englisch, Französisch oder Spanisch ist es nicht, was die Leute sprechen. Das einzige Wort, das ich zwischendurch verstehen kann, ist „Duschgelo“.

Eine Woche lang treffen sich auf Einladung des deutschen Esperanto-Bundes 45 Männer und Frauen aus ganz Deutschland, Belgien, Russland, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden in Nideggen, um ihre Liebe zur Kunstsprache Esperanto zu leben. Fünf Teilnehmer möchten diese 1887 von einem einzigen Menschen erfundene Sprache neu lernen, alle anderen können sich auf Esperanto bestens verständigen. Neben einem Anfängerkurs gab es bei der Esperanto-Woche in Nideggen Ausflüge und Vorträge – alles in Esperanto versteht sich.

Alfred Schubert aus Weilheim in Oberbayern ist 57 Jahre alt und hat schon 1980 seine Liebe zu Esperanto entdeckt. „Ich habe Anglistik und Romanistik studiert und bin sprachlich sehr interessiert. Mein Vater konnte Esperanto, und vor 35 Jahren habe ich einen Kurs gemacht.“

Esperanto lässt sich schnell lernen, Schubert glaubt sogar, dass man diese Sprache zehnmal schneller beherrscht, als andere Fremdsprachen wie Englisch oder Französisch. Schubert: „Esperanto ist eine auf Kommunikation optimierte Sprache. Der Wortschatz ist relativ klein, die Grammatik sehr einfach. Durch Wortanhänge kann man deren Bedeutung verändern. Schubert nennt ein Beispiel: „‚Varm‘ heißt warm und mit der Vorsilbe ‚mal‘ wird es zu kalt. Hängt man hinten ein ‚eg‘ dran, heißt es ‚sehr warm‘. Das ist logisch und lässt sich sehr leicht lernen.“

Unregelmäßige Verben oder komplizierte Deklinationen – in Esperanto absolute Fehlanzeige. Die Endung „ilo“ steht für Werkzeug und „Compuilo“ heißt wörtlich übersetzt „Rechenwerkzeug“. „Das ist so ähnlich wie das deutsche Wort Rechner für Computer“, sagt Schubert. Es gibt Originalliteratur und Zeitungen in Esperanto, regelmäßig finden weltweite Treffen der Anhänger dieser Sprache statt, so wie eben über den Jahreswechsel in Nideggen.

„Esperanto ist aber viel mehr als nur eine Sprache“, erklärt Alfred Schubert. „Esperanto hat auch einen geistigen Hintergrund. Es geht darum, dass Menschen ohne Sprachschwierigkeiten friedlich und vernünftig zusammenleben.“ Nicht nur deshalb wünscht Schubert sich, dass heute viel mehr Menschen diese Sprache sprechen würden.

„Die vielen Flüchtlinge beispielsweise“, sagt er, „könnten sehr viel schneller Esperanto als Deutsch lernen. Das würde aber natürlich voraussetzen, dass auch mehr Deutsche unsere Sprache beherrschen würden.“ Warum sich Esperanto als einheitliche Weltsprache nicht wirklich durchsetzen konnte, kann Schubert nur schwer beurteilen. „Nach dem Ersten Weltkrieg war Esperanto in der Arbeiterbewegung sehr verbreitet und wurde viel gesprochen. Danach ist dann der politische Widerstand sehr stark gewachsen.“

Im Zweiten Weltkrieg sei Esperanto in den meisten Ländern verboten worden. „Es hat sogar Leute gegeben, die aufgrund ihrer Vorliebe für diese Sprache ins Konzentrationslager mussten. Danach wurde es sehr schwierig, die Sprache nach vorne zu bringen.“

Übrigens kann Schubert sich durchaus vorstellen, dass noch einmal ein Neujahrstreffen der Esperanto-Freunde in Nideggen stattfindet. „Dieses Treffen gibt es schon seit 30 Jahren“, sagt er. „Und wir wechseln den Raum. Aber an Orte, an denen alles gepasst hat, und wo wir uns sehr wohlgefühlt haben, kommen wir gerne zurück. Und das war in Nideggen durchaus der Fall.“

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