Es scheint, als wär‘s der echte Heinz Erhardt

Von: Hannes Schmitz
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Pomade im Haar, schwarze Brille, linkisches Gehabe – und dazu bissiger Wortwitz: Thorsten Hamer als Heinz-Erhardt-Double brachte den Humor aus den 50ern und 60ern ins Haus der Stadt. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Man hätte auf den ersten Blick fast an eine Reinkarnation glauben können: pomadisierter Seitenscheitel, die berühmte schwarze Brille, Mimik und Gestik, linkisches Gehabe, die Statur, schlackernde Arme, hektisches Atmen und immer wieder „Noch ‚n Gedicht“. Es schien, als ob der Erzkomödiant Heinz Erhardt auf die Bühne im Haus der Stadt zu einer Reise durch „seine“ Komik-Vergangenheit zurückgekehrt war.

Doch es war Thorsten Hamer von der Kammeroper Köln, der auf so frappierende Art den „Humoristen des Wirtschaftswunders“ imitierte. Eine Kopie, ein Double, das sehr nahe an das Original herankam und das Geschriebene im großen „Heinz Erhardt Buch“ auf eine unnachahmliche Art auf der Bühne darstellte.

Temperament und bissiger Witz verließen die Bühnenrampe, überfluteten ein Publikum, das an den Sprachwürsten des genialen Komikers genussvoll nagte, Sprachabsurditäten wie „Ich war am Hintern verkommen. Äh, am Kommen verhindert“ oder „Da sitzen Sie Cognac, äh, rum“ ertrug, und erlebte, wie Klassiker von Goethe und Schiller genüsslich an die „Humorwand“ gefahren wurden.

Die beliebtesten Sketche

Der Protagonist auf der Bühne hat den spitzbübischen Humor des beliebten Komikers der 50er und 60er Jahre verinnerlicht und brachte dessen spielerisch leichten Umgang mit der deutschen Sprache erstklassig herüber.

Ein Abend mit dem Ensemble der Kammeroper Köln, der Lachgarantie bis zum Abwinken garantierte, voll Wortwitz und Satire, als die beliebtesten Geschichten, Lieder und Sketche von Heinz Erhardt vorbeirauschten.

Die Palette des Programms reichte vom „König Erl“ über „Fräulein Mabel“ und dem „großen weißen Vogel“ bis zu den Geschichten von „Ritter Fips“.

Das Publikum hatte grenzenlosen Spaß und staunte zwischen kullernden Lachtränen, wie zeitlos die Gags und Pointen von einst noch heute sind, die der „Meister der Wortspiele“, in denen auch kritische Bonmots steckten, dichtete.

Ihren Charme haben diese Geistesblitze bis heute nicht verloren. Wie ein Wirbelwind brauste Erhardt-Darsteller Thorsten Hamer durch das Werk des großen Komödianten der Nachkriegszeit, der sich selbst das Du angeboten hatte. „Ich fand das Siezen albern.“ Seine Leistung war exzellent. Er gab einen Erhardt ab, der sich zwischen platter Imitation und respektvoller Parodie bewegte. Nahezu perfekt war sein Vortrag mit den gewollten Verdrehungen und Versprechern, die bewussten kleinen Pausen, das Spiel mit dem Publikum.

Ein Zettel in seiner Rocktasche war sein Stichwortgeber und mit seinem schauspielerischen Talent brachte er sich manchmal selbst aus der Fassung. Zum Vergnügen des Publikums, das an seinen Lippen zu kleben schien, wenn die frechen Sprüche kamen oder er Erhardts chauvinistische Pfeile in Richtung des weiblichen Geschlechts abschoss. Aber auch mal humorvolle: „Frauen – sie sind die Juwelen der Schöpfung, man muss sie mit Fassung tragen.“

Oder einen Deut deutlicher als Mann der 50er Jahre in Richtung Jungfräulichkeit und nichtehelichen Kindern: „Zeig‘ mir mal dein Muttermal, dann zeig‘ ich dir deinen Vater mal“ oder: „Will einer eine Jungfrau frei‘n, sollt er nicht so penibel sein.“ Es gehörte dazu, um Erhardt als Kind seiner Zeit darzustellen. Das Publikum nahm es mit Humor und bewunderte das komödiantisches „Schnellfeuergewehr“ auf der Bühne, das schnell und rasant seine Witze und Pointen abschoss – Thorsten Hamer war der Dreh- und Angelpunkt dieser Revue.

Unterhaltung pur wurde geboten, wozu Sängerin Annika van Bebber und Sänger Ben Drnec mit beitrugen, die mit Schlagern aus den 50er und 60er Jahren die plüschige Atmosphäre lebendig werden ließen, in der Erhardt auf der Bühne und im Film seine großen Erfolge feierte. Sie machten aus den Oldies wunderbare Schnulzen. Da wünschte sich Heintjes „Mama“ von Freddy Ouinn „Junge, komm bald wieder“ und man lernte: „Kalkutta liegt am Ganges“, und dass „Pigalle“ eine Mausefalle ist.

„Babysitter-Boogie“

Schließlich war da noch Dana Cebulla, die als Hausmeisterin und nicht immer textsicher für den szenischen Rahmen sorgte und köstlich als Schnuller-Baby im „Babysitter-Boogie“ brabbelte. Und nicht zuletzt Pianistin Esther Scharmann. Doch dann war es mit der Fröhlichkeit vorbei, als Torsten Hamer, von den Zuhörern längst erwartet, das tragische Gedicht „Die Made“ rezitierte, in dem ein Specht „die kleine fade Made ohne Gnade“ verschlingt.

Das Publikum hielt es mit Heinz Erhardt, der zum Applaus gerne sagte: „Danke für das Geräusch.“ Und es ging sehr geräuschvoll im voll besetzten Saale zu.

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