„Es ist die Hölle, die reine Hölle”

Von: Franz Sistemich
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Eine Stele am Soldatenfriedhof bei Hürtgen erinnert an den deutschen Leutnant Friedrich Lengsfeld, der am 12. November 1944 tödlich verwundet wurde, als er einen schwer verletzten US-Soldaten retten wollte.

Hürtgen. Er wollte Leben retten. Und starb selbst bei dem Versuch, in der Hölle des Hürtgenwalds ein Zeichen menschlicher Größe zu setzen. Ein Stele vor dem Eingang des Soldatenfriedhofs zwischen Hürtgen und Germeter erinnert an deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld. Er hörte am 12. November 1944 die Hilferufe eines schwer verwundeten amerikanischen Soldaten.

Lengsfeld zögerte nicht nicht. Er wollte dem Feind im Niemandsland des Minenfeldes rund um die „Wilde Sau”, das die Deutschen Richtung Germeter angelegt hatten, helfen. Lengfeld bezahlte seinen Versuch mit dem Leben. Er wurde tödlich verwundert. 50 Jahre später stellten Veteranen der 4. US-Division eine Stele auf, um an die selbstlose Tat des deutschen Leutnants zu erinnern.

Zu sehen bekommen die Wanderer, die am Sonntag, die dritte historisch-literarische Wanderung der Konjejung Stiftung, der Rureifel Touristik und unserer Zeitung mitmachen. Um 13 Uhr beginnt die vier Kilometer lange Wanderung am Parkplatz Brandenburger Tor in der Nähe des Soldatenfriedhofs.

Nach den ersten Metern treffen die Wanderfreude und Geschichtsinteressierten auf eine Erste-Hilfe-Station der Amerikaner, von der 1944 allerdings auch die Toten abtransportiert wurden. Weiter führt der Weg zu einer Aussichtsstelle ins Wehebachtal und auf die Rabenheck, wo der Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway zur Waffe gegriffen haben soll.

Über den 17-Kurvenweg erreichen die Wanderer die Brücke über die Weiße Wehe. Besonders der Bachlauf war im Herbst 44 von den Deutschen stark vermint worden. Paul Boesch, einer der Kompanie-Führer der 8. US-Division, gab zwei Stellen des Wanderweges, Namen, die an die verlustreichen Kämpfe jener Tage erinnern: das „Death Valley” und die „Purple Heart Hollow”.

Zurück führt der Weg über den Aussichtspunkt „Drei Eichen” und vorbei an Schützenlöchern, von denen eines vermutlich der Gefechtsstand von Paul Boesch war.

Empfehlenswert sind zwei Abstecher vom Brandenburger Tor: Der Weg zum Soldatenfriedhof führt entlang der Ausgangslinie des Angriffs von Boeschs Kompanie auf Hürtgen. In einer Senke lag der deutschstämmige Amerikaner über 48 Stunden in Deckung vor deutschem Feuer, ohne dass ihm eine Einheit der US-Armee zur Hilfe kam. Dafür erhielt er einen Funkspruch, zwei Soldaten zum Urlaub nach Paris abzukommandieren.

Auf der anderen Seite des Weges befindet sich „Wilde Sau”. Dieser uralte Forstdistrikt gab dem deutschen Minenfeld den Namen. Besichtigt werden kann auch der Unterstand des deutschen Hauptmannes Brückner. Dessen Pionier- Bataillon erlitt schreckliche Verluste.

Die Schrecken des Krieges im Hürtgenwald fasste ein Offizier der 28. US-Division zusammen: „Es ist die Hölle, die reine, unverfälschte Hölle - das ist das einzige Wort dafür: die Hölle! .... Und Jerries, überall hartnäckige und entschlossene Jerries.”

Wenn die Leser der Dürener Zeitung sich am Sonntag, 1. Februar, ab 13 Uhr auf die vier Kilometer lange Wanderung ab dem Wanderparkplatz Brandenburger Tor begeben, folgen sie den Spur von Paul Boesch.

Der deutschstämmige Kompanie-Führer gehörte zur 8. US-Division, die im November1944 Hürtgen einnehmen sollte.

In seiner Erinnerung „Road to Huertgen, Forest in Hell” beschreibt er auch die Absurditäten des Krieges im Hürtgenwald.

Ende November stürmte die ausgemergelte Division Hürtgen, einige Tage später Bergstein.

Boesch war eigentlich Zivilist, war einer der ersten US-Wrestler, ehe er Berufssoldat wurde und in der „Hölle des Hürtgenwalds” landete.
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