„Erste Erde Epos“: Raoul Schrott stellt neues Buch vor

Von: Dietmar Engels
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Raoul Schrott hat in der Mensa des Stiftischen Gymnasiums aus seinem gerade erschienen Buch „Erste Erde Epos“ gelesen – und unglaublich viel erzählt. Foto: Dietmar Engels

Düren. Es macht großen Spaß, Raoul Schrott zuzuhören. Um einen blöden Kalauer zu verwenden: Es ist keineswegs Schrott, was der Schriftsteller vorträgt. In der Mensa des Stiftischen Gymnasiums stellte er jetzt seinen erst seit ein paar Wochen erhältlichen „Wälzer“ (so der Autor selbst) „Erste Erde Epos“ vor. Und die Besucher hingen förmlich an seinen Lippen – so spannend und unterhaltsam trug der Autor vor.

Die Abendveranstaltung war als Lesung und Gespräch angekündigt worden. Das stellte sich zum Teil als falsch heraus, was beim Publikum keineswegs weinerliche Enttäuschung sondern helle Begeisterung hervorrief. Schrott ließ sein vor ihm liegendes Buch die meiste Zeit geschlossen und hielt stattdessen einen beeindruckenden freien Vortag über seine Motivation, den weiten Bogen vom „Urknall“ bis zur heutigen Zeit zu spannen.

Ohne auch nur einen Notiz- oder Spickzettel zu benötigen zog Schrott die anwesenden Bücherfreunde in seinen Bann. Im Saal war es mucksmäuschenstill, während Schrott sprach. Und das tat er ohne jede noch so kleine Unterbrechung fast eineinhalb Stunden lang.

Mehrfach fragte Schrott freundlich in die Runde, ob es jetzt langsam genug sei. Leiser allgemeiner Protest gegen das „Friedensangebot“ ließ ihn augenzwinkernd resignieren: „Also gut, Sie haben es nicht anders gewollt“, scherzte der Autor, und machte weiter. Seine Stimme klingt mindestens so angenehm, wie sein sympathisches Erscheinungsbild es vermuten lässt. Der unverkennbare österreichische Beiklang tut ein Übriges.

Nach der Schilderung dieser reinen Äußerlichkeiten könnte man annehmen, Schrott wolle damit von möglichen inhaltlichen Schwächen ablenken. Wer jedoch schon etwas von dem gefeierten Autor gelesen hat, weiß, dass dieser „Verdacht“ völlig jeder Grundlage entbehrt. Schrott bereitet „trockene“ Themen wie in diesem Fall die Erd- und Menschheitsgeschichte so auf, dass seine Leser hingerissen sind.

Wissen und Forschung

Nun gut, wird sich mancher Leser dieses Artikels fragen, was hat er denn nun zum Besten gegeben? Die (aus dem Internet schamlos geklaute) Antwort könnte so aussehen: „‚Erste Erde Epos‘ ist der Versuch eines modernen Epos in einer Zeit, in der aufgrund immenser Wissensbestände, unzähliger Forschungsdisziplinen und des Verlusts klarer religiöser Ankerpunkte die Gattung ‚Epos‘ unmöglich scheint. Schrott stellt die Frage nach der humanen Tragweite unseres Wissens von der Welt und ihrer Entstehung. Dabei können Poesie und Bilderreichtum der Dichtung das anschaulich und emotional erfahrbar machen, wovon die Wissenschaft in abstrakter Terminologie redet.“

Es soll Menschen geben, die so eine Passage wiederholt lesen müssen, um dem Sinn auf die Spur zu kommen, vorausgesetzt, man schafft es, die unverzichtbaren Elemente eines in Deutsch geschriebenen Satzes in der Wortfülle zu finden und richtig einzuordnen. Lassen wir das also. Einfach ausdrückt: Raoul Schrott, der sich seit der Jugendzeit für die Naturwissenschaften und ihre Erkenntnisse brennend interessiert, versteht es in seinem neuen Werk wieder trefflich, zum Teil völlig unterschiedliche wissenschaftliche Ansichten unter einen Hut zu bringen. Er nimmt seine Leser (und Zuhörer) mit auf eine äußerst spannende und erkenntnisreiche, etwa 14 Milliarden Jahre währende Reise.

Dass der in „seinem“ Stiftischen Gymnasium sehr beliebte Deutsch- und Geschichtslehrer Dr. Achim Jaeger bereits diverse Literaturgrößen nach Düren locken konnte, ist auch ein Verdienst der Kulturstiftung der Stadtwerke. Die lässt für solche Projekte nämlich das nötige Kleingeld springen.

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