Eröffnungsrevue der „SWD-Kommedy-Abende“ bietet rasante Show

Von: Hannes Schmitz
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Anspruchsvolles wie witziges Bühnenfeuerwerk: die niederländische Gruppe „Intrmzzo“. Foto: Schmitz
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Blickfang: Silvia Doberenz.
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Verkniffen: Chin Meyer.

Düren. Eine rasante Show bot die Eröffnungsrevue der „SWD-Kommedy-Abende“ im ausverkauften Haus der Stadt. Die Dürener Stadtwerke und das Komm hatten im übertragenen Sinne ein Kabarett - Buffet aufgeboten, auf dem Canapés voller Witz und Bissigkeit, Heiteres und Turbulentes, Clownerie und Musikalität angerichtet waren.

Serviert wurde die komödiantische Speisenfolge von einer kabarettistischen Delikatesse aus dem Sauerland, die aber gar nicht sauertöpfisch daher kam. Lioba Albus war die neue Moderatorin der Eröffnungsveranstaltung, die mit ihrer Spitzzüngigkeit verblüffte und das Publikum auf charmante Art um den Finger wickelte. In ihrem Alter ego als Mia Mittelkötter entpuppte sie sich als Fachfrau für alles. Sie griff auf satirische Weise Alltagssituationen auf und überspitzte typische gesellschaftliche Verhaltensweisen und mit treuem Blick und mit klaren Worten einfache Lebensweisheiten von sich gibt („Ist die Haut faltig, hat man mehr Bewegungsfreiheit“). Und natürlich hatte sie die Männer im Blick, vor allem ihren eigenen, „der nach seiner Verrentung nur noch auf der eigenen Bio-Gasanlage sitzt.

Furios präsentierte sich René Steinberg auf der Bühne, flutete den Saal mit seinem Redeschwall, ein quirliger Zeitgeist auf der Bühne, der feststellte: „Das Hamsterrad sieht nur von innen aus wie eine Karriereleiter.“ Lautstark forderte der Komiker unter den Kabarettisten „Gebt dem Unsinn das Kommando“ und baute seine schrägen Ideen und aberwitzige Gedanken zu einem Fest des Nonsens auf, wenn er als Sarkozy in der Rolle eines Louis de Funes um seine Wiederwahl „kämpft“. Ein Beitrag, der nicht zu enden schien...

Nicht desto weniger, der überwiegende Teil der Zuhörer genoss die Wortkaskaden und die Beweglichkeit des Protagonisten, wenn er eine flotte Sohle aufs Parkett legte. Das schafften auch „Intrmzzo“, Vokalartisten aus den Niederlanden, die ein ebenso anspruchsvolles wie witziges Bühnenfeuerwerk zündeten. Vom Kunstlied bis zum Bee Gees Hit „Stayin‘ alive“ hatten sie „alles drauf“ mit ihren schier unglaublichen Stimmbändern. Eine starke Leistung, die man auch Jens Neutag und Chin Meyer attestieren konnte. Sie brachten die politischen Töne ins Programm, schöpften im satirischen Sinne im Vollen.

Da war Angela Merkel für Jens Neutag „die Lady Gaga aus der Uckermark, keiner will sie mehr, aber alle wählen sie“. Deutlich definierte er in seinem „Deutschland Syndrom“, so sein Programm, wenn für seine Landsleute Anarchie herrscht, und zwar, wenn „Altpapier im Restmüll“ ist. Er entlarvt die Ehemänner als Pappenheimer, die „ein amourösen Abenteuer nicht ablehnen, aber die Beziehung nicht aufgeben, weil sie sonst selbst den Müll herunter tragen müssten.

Chin Meyer kam als Steuerfahnder auf die Bühne und begab sich bissig, charmant und spontan auf die Spuren des Geldes. Das Finanzamt wollte er modernisieren und daraus eine „cash agency“ machen. Er erinnerte an Osama bin Laden, als dieser vor Jahren ankündigte, „alle Schläfer zu wecken, worauf in den Finanzämtern Panik ausbrach.“ Genüsslich sezierte er das Wirtschaftssystem mit seinen Absurditäten, bot einen Crashkurs in Sachen „fauler Papiere“, wusste was wahre Science Fiction ist – die Steuererklärung – und hatte noch einen Seitenhieb parat: „Ökos leben länger und sind auch noch immer schlecht gelaunt“. Das war im Publikum keiner, als nach über drei Stunden der Bühnenvorhang sich unter riesigem Applaus der Zuhörerschaft schloss.

Da war längst vergessen, dass Silvia Doberenz zwar vor allem figürlich, als die äußerste Stoffhülle fiel, vor Bewusstseinserheiterung sorgte und „Armleuchter zu Erleuchteten“ machen wollte. Sie wirkte bei allem körperlichen Einsatz auf der großen Bühne verloren, war aber zumindest für die Augen der Männer ein richtiger Blickfang.

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