Eröffnung der „SWD.KOMMedy.Abende“: Viel Biss, Witz, Heiterkeit

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
11153804.jpg
„Senkrecht & Pusch“, ein bayerisches Komiker-Duo, das der Anarcho-Komödie hold war. Foto: Hannes Schmitz
11153795.jpg
Henning Schmidtke war die Entdeckung des Abends. Ein Wortkünstler und Klaviervirtuose.
11153801.jpg
Barbara Ruscher stellte sich auf intelligente Art dem Zeitgeist mit skurrilen Songs.
11153355.jpg
Auch Gernot Hassknecht stand auf der Dürener Bühne.

Düren. Henning Schmidtke war in Galaform bei der Eröffnungsrevue der „SWD.KOMMedy.Abende“ und stellte den vermeintlichen „Star“ der Show, Gernot Hassknecht, ein wenig in den Schatten. Jedenfalls wenn es nach der Gunst des Publikums ging.

Der Musik-Kabarettist entfachte Beifallsstürme, der Wüterich auf dem Bühnenparkett ritt seine Masche und wurde mit freundlichem bis starkem Beifall belohnt.

Den gab es auch für das bayerische Komiker-Duo „Senkrecht & Pusch“, das Rheinländer mit seinem Humor-Psyscho-Drama fröhlich machen wollte, aber recht schwer in die Puschen kam, in denen die agile Barbara Ruscher steckte, die charmant, cool und intelligent daher kam und sich staubtrocken mit Veganern auseinandersetzte. Sie hat für sich die Lösung gefunden und stimmte ihrer Freundin zu, die meinte: „Ich esse nur Tiere aus Massentierhaltung. Ich finde es voll fies, glückliche Tiere zu schlachten.“

Glück strahlte Schmidtke nach seinem umjubelten Auftritt aus. Das Publikum hatte einen Künstler erlebt, der sich nicht nur als Sprachakrobat erwies, sondern als Klaviervirtuose und Sänger, der mit einer bunten Vielfalt an Themen glänzte. Die „heile Welt“ der Kinder- und Fahrtenlieder zerpflückte er genüsslich und zeigte das Bedrohliche der Texte in starken Heavy Metal- Klängen. Er parodierte, persiflierte, karikierte. Und aus seiner Kehle stiegen Laute auf, die gesangsmäßig an Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen erinnerten, die seit über 40 Jahren zwar Stars wären, aber in den heutigen Casting-Shows keine Chance mehr hätten, wie er mit Dieter-Bohlen-Stimme zum Besten gab.

Er erinnerte an alte Musiksendungen von Ilja Richter, der sich vor seinem Publikum noch verbeugte, und dachte an seinen Bruder, der seinen „Wehrdienst ableistet. Als Lehrer an einer Hauptschule“. Für die Pädagogen hatte er einen besonderen Tipp, wie Goethe und der „Erlkönig“ an die Schüler zu bringen sei. Die Ballade als Rap mit zeitgemäßen Text.

Als „Harmoniebeauftragte“ präsentierten sich „Senkrecht & Pusch“, zwei skurrile Typen, die auf Musik und Slapstick setzten. Eher Schmunzeleffekte im ersten Teil und Lacher nach der Pause, als der Auftritt Züge einer Anarcho-Komödie annahm und in der Zuspitzung der Szenen fast an eine Farce erinnerte.

Barbara Ruscher hatte etwas „Bodenständiges“. Eine aparte Erscheinung, die nicht auf den Mund gefallen war, dem Jugendwahn trotzte („Wenn dich die Falten stören, dann mach das Licht aus“), sich über „Schwermetall in Haien“ aufregte, „weil die Surfer ihre Piercings nicht raus nehmen“ und mit stoischer Ruhe ihren „Veganer-Rap“ absolvierte, bei dem der Kürbis zur Trommel und zwei Möhrchen zu Schlagstöcken mutierten. Die Kölnerin sang vom „traurigen Mann am Grill, der seine Wurst nicht selbst gejagt hat“, streute Frivoles ein und wusste eines ganz genau: „Veganer sterben nicht, sie verwelken.“

Und dann kam er! Giftete, schimpfte, stichelte, tobte und brüllte, was die Stimmbänder hergaben. Er regte sich über Alles oder Nichts auf, hatte Politiker im Visier und die Frauen. Gernot Hassknecht war in seinem Element und gab sein Credo bekannt: „Sprich, wenn du wütend bist, es wird die schönste Rede, die du bereust.“ Ein paar Seitenhiebe zur „Heute-Show“, ein paar Textbrüche – nicht immer schien er voll in der Spur zu sein – kaschierte geschickt und animierte das Publikum zu einem Wut-Training: „Augen weit aufreißen, an die Farbe Rot denken, hektisch atmen und dann schreien!“

Das Publikum machte mit beim Hassknecht‘chen „autoaggressiven Training“ und brüllte im Saal, was das Zeug hielt. Sicherlich auch eine Entspannungsübung, um dem leicht enttäuschenden Auftritt doch noch etwas Positives abzugewinnen.

Begonnen hatte der Abend mit Bruno Schmitz, der schon einmal anklingen ließ, was Kölner Stunksitzungen an höherem Blödsinn und politischem Kabarett so an sich haben. Ein kurzweiliger Auftritt im ersten Teil und trotz des fetzigen „Troggs“-Song „Wild Thing“ kein wildes Ding in einer Bauern-Rolle.

Stadtwerke und Komm hatten ein Programm zusammengestellt, das jede Menge Witz, Biss und Heiterkeit bot. Musik-Kabarett war ein gelungener Bestandteil des Abends, geschickt gemischt mit politischen Lästereien und Nonsens-Ausflügen. Moderiert wurde der Abend von Lioba Albus, die sich als „Mia Mittelkötter“ aus „der Empathie Wüste Ehe“ weg geschlichen hatte, um im ausverkauften Haus der Stadt etwas zu erleben. Für das Publikum war es neben dem Wiedersehen, das Wiederhören von Altbekanntem.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert