Kerpen - Erneut Gleisblockade der Hambachbahn

Erneut Gleisblockade der Hambachbahn

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Umweltaktivisten haben am Mittwoch erneut die Gleise der von RWE betriebenen Hambachbahn bei Kerpen blockiert. Drei Personen waren morgens an der Strecke, wie ein Polizeisprecher auf dapd-Anfrage sagte.

Kerpen. Am Rande des Braunkohletagebaus Hambach spitzt sich die Lage zu: Nur Stunden nach der Räumung einer Schienen-Blockade hat sich Mittwochmorgen ein Umweltaktivist an die Schienen der sogenannten Hambachbahn gekettet, über die Kohle aus dem Tagebau zu den Kraftwerken Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem transportiert wird.

Für die Aktion wurden Rohre und Beton verwendet, die Schienen untertunnelt. Zwei weitere Aktivisten hatten sich aneinander gekettet und ebenfalls auf die Schienen gelegt.

Die Szene erinnert an den Protest gegen die Castor-Transporte: Drei Männer liegen auf Isomatten, teils unter Decken, einer versteckt sein Gesicht hinter einem schwarzen Tuch. Zwei weitere Männer sitzen quasi als Betreuer vermummt auf den Gleisen. Mittags wurden die fünf Aktivisten von mindestens 100 Polizisten eingekesselt, die das Gelände unter allen Umständen vor weiteren Blockierern, Helfern und Journalisten abschirmen wollten.

Zu diesem Zeitpunkt war es schon nahezu unmöglich, auch nur in die Nähe der Aktivisten zu gelangen. Auch weil ein vom Tagebaubetreiber RWE-Power engagierter Security-Service auf den Straßen zum Forst hin alles zurückwies, was sich zum Ort des Geschehens hin aufgemacht hatte.

Augenzeugen berichteten von einem Großeinsatz der Polizei. Gegenüber unserer Zeitung wollte die für den Einsatz zuständige Polizeibehörde Rhein-Erft-Kreis „keine Angaben” über ihr Vorgehen und die Anzahl der eingesetzten Beamten machen, betonte Sprecherin Bianca Bungart. Gegen 13 Uhr wurde ihr Kollege Anton Hammer in einer Hinsicht jedoch konkreter: „Eine technische Einsatzeinheit ist vor Ort, Schweißgeräte sind da, es werden jetzt die Schienen durchgeschweißt.”

Mehrfach war es unserer Zeitung zwischenzeitlich möglich, mit den Aktivisten vor Ort zu telefonieren. „Wir wollen den Widerstand gegen den Braunkohleabbau vorantreiben”, teilte einer unter anderem mit. Und vor dem Hintergrund, dass RWE am 15. August ein sogenanntes Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik in Neurath in Betrieb nimmt, betonte der Aktivist: „Da wird mit der Ministerpräsidentin gefeiert. Für uns ist das alles andere als ein Grund zu feiern.” Gegen 14.15 Uhr waren schließlich die Schienen durchtrennt, etwa eine Stunde später repariert. Die fünfköpfige Gruppe sei zum Staatsschutz nach Köln gebracht worden, teilte die Polizei am Abend mit. Den Mitgliedern wird unter anderem Hausfriedensbruch und Nötigung vorgeworfen.

Rund 90 Aktivisten hatten schon am Vortag die Gleise stundenlang bis zur Räumung besetzt. Der Widerstand der Braunkohlegegner konzentriert sich zurzeit auf Hambach, der als größter Tagebau in Europa gilt. Und so tummeln sich dort derzeit zwei weitere Gruppen von Umweltschützern.

Da ist zunächst das Klimacamp bei Kerpen-Manheim. Dessen Mitglieder protestieren noch bis kommenden Sonntag mit Aktionen gegen die Braunkohle-Verstromung. Sie veranstalten Workshops und bieten Führungen zum Abbaugebiet an. Zehn Großzelte und 60 bis 70 kleine Zelte auf einer Obstwiese in der Nähe des Kerpener Stadtteils geben ein eindrucksvolles Bild ab.

Am vergangenen Wochenende gab es eine Fahrraddemonstration zum Braunkohleabbaugebiet, die Aufsehen erregte. „Täglich kommen neue Leute aus ganz Deutschland und Holland an”, sagte Sprecherin Dorothee Häußermann. Dabei betonte die 38-Jährige, die Schienen-Blockade finde ganz unabhängig vom Klimacamp statt. Gleichwohl sei man mit den Blockieren solidarisch.

Solidarisch zeigt sich auch eine zweite von RWE geduldete Gruppe junger Naturschützer, die im Hambacher Forst seit drei Monaten ein Stück Wald besetzt, ebenfalls in Form eines Camps. Mehrere Dutzend Männer und Frauen haben sich nördlich von Kerpen-Buir überaus häuslich eingerichtet. Sie haben Baumhäuser gebaut, die mit Seilbrücken verbunden sind. Außerdem haben sie aus Holz Versammlungsräume, hygienische Anlagen und eine Küche errichtet.

Doch nicht mehr lange: Denn im Herbst, so die RWE-Pläne, sollen die Braunkohlebagger anrollen, dann soll der Forst Geschichte sein. Zumindest bis dahin geht der Protest weiter.
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