Erneut ein schmerzlicher Einschnitt für Sozialverbände

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Für Sascha Steinmann (22), Zivildienstleistender beim DRK-Kreisverband Düren, dauert die Dienstzeit insgesamt noch neun Monate. Die geplante Verkürzung auf sechs Monate hält er nicht für besonders sinnvoll. Foto: Vallata

Düren. Allem Anschein nach kommen einigermaßen harte Zeiten auf die Sozial- und Wohlfahrtsverbände in Deutschland zu. Die Pläne der neuen schwarz-gelben Regierung, die Wehrdienst- und damit auch die Zivildienstzeit ab 2011 von neun auf sechs Monate zu verkürzen, mag die betroffenen jungen Männer nicht unbedingt unglücklich stimmen.

Den Paritätischen Wohlfahrtsverband und mit ihm viele andere soziale Organisationen allerdings umso mehr.

Für Corinna Beck, Geschäftsführerin der Kreisgruppe, ist der am Dienstag angekündigte Ausstieg des Paritätischen aus dem Zivildienst deshalb nur folgerichtig: Bereits die jüngste Verkürzung der Dienstzeit im Jahre 2002 sei „ein schmerzlicher Einschnitt” für den Verband gewesen.

Man müsse bei all dem bedenken: Da Zivildienstleistende ohnehin erst eingearbeitet und unterrichtet werden müssten, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen könnten, lohne sich dieser Aufwand im Verhältnis zur Dauer des Beschäftigungsverhältnisses kaum mehr. „Die Kontinuität fehlt”, bringt es Beck auf den Punkt. Und Kontinuität sei gerade bei der der Behindertenhilfe von großer Bedeutung. Denn: „Es geht hier um Beziehungsarbeit”, betont die Geschäftsführerin. „Wenn da jetzt alle halbe Jahre ein Wechsel stattfindet, ist das nur schwer zumutbar.”

Nicht zu ersetzen

Eine bedingte Alternative zu den Zivildienstleistenden sieht Beck im freiwilligen sozialen Jahr. „Dafür interessieren sich viele Schüler, wenn sie noch nicht genau wissen, was sie beruflich machen wollen oder die Zeit bis zum Studienbeginn überbrücken müssen.” Der Haken: Die Kosten für diese freiwilligen Kräfte sind höher, rund 300 Euro pro Monat. Auch mit Ehrenamtlern oder Geringverdienern könne man die Zivis kaum ersetzen.

Georg Steffens, Zivildienstbeauftragter des DRK-Kreisverbandes, hebt die soziale Kompetenz hervor, mit der viele Zivildienstleistende „von Hause aus” ausgestattet seien. Und da sei es fraglich, ob Aushilfskräfte mit derselben Motivation an die Sache herangingen. Elmar Jendrzey, stellvertretender Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Düren-Jülich, sieht auf Dauer keine Möglichkeit, Zivildienstleistende zu beschäftigen, falls die Dienstzeit tatsächlich verkürzt wird.

Zurzeit beschäftigt die Caritas im Kreis Düren 40 Zivis. Sascha Steinmann hat noch drei Monate als Zivi vor sich, sechs liegen hinter ihm. Eine Verkürzung der Dienstzeit hält der 22-Jährige für unsinnig: „Dann hätte man sich gerade gut eingearbeitet und müsste schon wieder gehen.”
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