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„Ernährung im Kriegszustand“: Kastanienpüree und Kriegspfannkuchen

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Mitarbeiter des Stadtmuseums sammelten im Burgauer Wald schon einmal „Rohstoffe“ für die kommende Ausstellung, die sich mit den Essgewohnten der Menschen zur Zeit des 1. Weltkriegs beschäftigte.

Düren. Früher aßen die Menschen andere Dinge als heute. Diese Tatsache ist wenig überraschend. Doch wenn man sich einmal näher mit Gerichten von vor rund einhundert Jahren beschäftigt, stößt man mitunter auf so manches Rezept, das damals als Delikatesse galt, nun jedoch gemeinhin Gänsehaut verursacht. Wer würde sich schon heutzutage über ein Murmeltierragout freuen, und wem würde beim Gedanken an Maikäfersuppe das Wasser im Mund zusammenlaufen?

Doch in Kochbüchern aus dem späten 19. Jahrhundert findet man zahlreiche Rezepte dieser Art, und außerdem Hinweise, dass diese Gerichte nur zu besonderen Gelegenheiten gekocht wurden. Sie waren also etwas ganz Besonderes und denen vorbehalten, die sich so etwas leisten konnten.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, veränderte sich das Leben aller Menschen, egal ob arm oder reich. Wie stark – das lässt sich auch an den Kochbüchern und Rezepten aus dieser Zeit ablesen. Plötzlich musste man vielfach ohne Fleisch, ohne Fett und ohne Eier auskommen, und einige Lebensmittel erhielt man nur noch gegen Lebensmittelmarken.

Kaffee aus Getreide

Doch die pfiffige Hausfrau griff zum Sparkochbuch und bereitete Eis und Kriegspfannkuchen ohne Eier oder Kaffee aus Getreide oder Bucheckern. Statt Kartoffelbrei gab es Kastanienpüree, und Pilze und Wildkräuter sammelte man selber im Wald.

Von den Schlachttieren – sofern vorhanden – wurde fortan alles verwertet, denn man konnte es sich nicht leisten, etwas wegzuwerfen. So entstanden Rezepte für so wohlklingende Gerichte wie „Braune Knochensuppe“, „Lungenmus“, „Ochsenmaulsalat“, „Fleischreste-Pudding“ oder „Rindszunge in brauner Tunke“. Kranken und Genesenden bereitete man einen heißen „Rindfleischtee“ zu und Seife stellten die Menschen selbst aus eventuell anfallenden und ungenießbaren Fettresten her.

Der Einfallsreichtum und die Sparhinweise der Männer und Frauen kannten keine Grenzen. Doch all diese, heute ein wenig skurril anmutenden Bemühungen, den vielerorts herrschenden Hunger zu bekämpfen, sollen nicht darüber hinweg täuschen, wie groß die Not der Menschen trotz Ersatz-Produkten, Sparrezepten und Wildsammlungen wirklich war: Man kann es heute kaum noch nachempfinden, doch alleine in Deutschland starben zwischen 1914 und 1918 etwa 800.000 Menschen an Hunger und Unterernährung.

„Rohstoffe“ gesammelt

Das Thema „Ernährung in Kriegszeiten“, Verwaltung des Mangels, aber eben auch die dadurch erzwungene Kreativität wird ein Schwerpunkt der Ausstellung „Heimatfront“ zum Ersten Weltkrieg in Düren sein, die im April 2014 im Stadtmuseum eröffnet wird. Mitarbeiter des Stadtmuseums waren sogar im Burgauer Wald unterwegs, um „Rohstoffe“ für die Ausstellung zusammeln.

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