Wollersheim - Erinnerung an das furchtbare Schicksal jüdischer Bürger

Erinnerung an das furchtbare Schicksal jüdischer Bürger

Von: bel
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Albert Grein (l.) und Helmut Nagelschmidt enthüllten die Gedenktafel an der Ecke Zehnthof-/Zuckerstraße in Wollersheim. Foto: bel

Wollersheim. Einige wenige Wollersheimer Bürger erinnern sich noch an die jüdische Familie Schmitz/Kamp, die einst im Haus Nr. 37 an der Ecke Zehnthofstraße/Zuckerstraße gewohnt hat. Andere kennen ihre Geschichte aus Erzählungen. Jetzt, nach fast 70 Jahren, stellten der Geschichtsverein und die Dorfgemeinschaft Wollersheim gegenüber dem Haus der Familie eine Gedenktafel auf.

Auf ihr ist zu lesen, dass die jüdischen Mitbürger seit dem 19. Jahrhundert angesehene Einwohner des Ortes waren. Insbesondere ihr in Berichten und Erzählungen überliefertes soziales Engagement wird gewürdigt. Doch dann schlug die Nazi-Diktatur zu.

„In der dunklen Zeit, als die Nazis Deutschland in ihren Klauen hatten, traf die Familie Kamp wegen ihres Glaubens ein furchtbares Schicksal“, steht auf der Gedenktafel, die der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Albert Grein, und Helmut Nagelschmidt von der Dorfgemeinschaft am Ostersonntag enthüllten.

Emil Kamp zitiert

Vater Alexander Kamp und seinem Sohn Josef gelang die Flucht nach Südamerika. Doch die Töchter Juliane und Karoline Kamp gingen mit sechs Millionen Glaubensbrüdern den Leidensweg in ein polnisches Konzentrationslager, in dem sie 1944 starben.

Albert Grein erinnerte auch an Emil Kamp, einen Verwandten der Familie, dem ebenfalls die Flucht nach Südamerika gelungen war. Neben der Gedenktafel stehend zitierte Grein einige Textstellen aus dem Buch „Man nannte mich auch Emilio“, das Emil Kamp geschrieben und ihm im Jahr 1999 mit Widmung geschenkt hatte. Kamp erinnerte in seiner Schrift an die Repressalien, die er von Mitbürgern und vor allen Dingen von der damaligen Stadtverwaltung Nideggen erdulden musste. Doch die Gedanken Emil Kamps klingen nicht verbittert. Obwohl viele seiner Familienangehörigen ermordet wurden, schlägt er in seinen Texten, besonders in einem Gedicht, versöhnliche Töne an. Man müsse den Hass überwinden, ist der Tenor der Schrift. Emil Kamp starb im Jahr 2000 im Alter von 92 Jahren.

Warum die Gedenktafel? Die Bürger von Wollersheim geben auf der Tafel die Antwort: „Lasst uns tapfere und wehrhafte Demokraten sein, damit das in Deutschland nie mehr geschehen kann!“

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