Ergreifendes „WirrWarr” auf der Theaterbühne

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Die Oberstufenschüler des Wirteltor-Gymnasiums zeigten ihr schauspielerisches Talent.

Düren. Anspruchsvoll und ergreifend hat die Obestufentheatergruppe „WirrWarrTheater am Wirteltor” das Stück die „Zwilling - alle Gewalt geht vom Spielplatz aus” von Friedrich Maximilian Klinger auf die Bühne gebracht.

Unter der Leitung des ehemaligen Schülers Raimund Rosarius standen im Saal der Fabrik für Kultur und Stadtteil gleich drei Aufführungen auf dem Programm.

Die Idee eine Theatergruppe zu gründen sei aus der Not heraus gebore, erklärt Rosarius, da es keine Theater-AG für die Oberstufe gebe. Die Proben hatten im April begonnen. Der Impuls, ein Stück aus der Epoche des Sturm und Drangs zu wählen, ging von dem Wettbewerb „Schüler spielen Sturm und Drang - das ZDF filmt” nimmt am Wettberwerb teil und hat somit die Chance, nach Ludwigsburg eingeladen zu werden und einen Filmmitschnitt des Stücks zu gewinnen.

Rosarius hat es geschafft, den Text auf die heutige Zeit anzupassen. Dabei wurde der Fokus auf die psychologische Brillanz des Trauerspiels gelegt. Denn typisch für den Sturm und Drang ist es, dass nicht die Handlung im Vordergrund steht, sondern die psychischen Konflikte der Protagonisten.

Ruhelos und rasend

Guelfo und Ferdinando sind Zwillinge wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der wutgeladene, ruhelose und rasende Guelfo argumentiert mit den Fäusten, jede Handlung ist Ausdruck unkontrollierbarer Emotion. „Es war nicht leicht, sich in die Rolle des Guelfos zu finde”, erklärt Marc Buchna. Ferdinando, gespielt von Max Schoeller, gilt als der Kluge und Reife. Der Konkurrenzkampf der Brüder hat bereits während der Kindheit begonnen. Aus der Allusion: „Alle Gewalt geht vom Volke aus” entstand der Untertitel des Stücks: „Alle Gewalt geht vom Spielplatz aus”.

Das komplexe Geschwister-Drama fokussiert die um sich greifende Gewalt der haltlos kranken Familie, die sich in Konflikten mit der Elterngeneration und im Geschwisterhass äußert.

Guelfo fühlt sich benachteiligt und gibt Ferdinando an allem Schuld. Sein Vetter und einziger Freund Grimaldi, gespielt von Christian Grundei, die dunkelste Gestalt der Tragödie ist völlig zerfressen von Melancholie. „Ich weiß selten was ich selbst will” lautet seine Devise. Guelfo und Grimaldi isolieren sich immer mehr von der Familie. Guelfo ist besessen von dem Gedanken, dass Ferdinando nicht der Erstgeborene sein könne, diese Idee nimmt Besitzt von all seinem Denken. So kommt es zu dem tragischen Ende, dass Guelfo Ferdinando ermordet.

Anerkennung und Empörung

Guelfo erhält von seinem Vater (Manuel Schumacher) keinerlei Anerkennung. Der Alte Guelfo ist empört über das Verhalten seines Sohns. Im Gegensatz dazu wird Guelfo von der Liebe seiner Mutter Amalia (Meike Bühl) überschüttet.

Dr. Galbo, gespielt von Simon Schlang, untersucht den kranken Guelfo, der Kamilla (Sonja Schnittmann), Ferdinandos Verlobte, liebt.

Während des gesamten Trauerspiels reden die Charaktere aneinander vorbei und befriedigen letztlich die eigenen vielgestaltigen Triebe. Nichts wird bewusst verarbeitet, niemand versetzt sich in die Lage des Anderen. Themen die heutzutage eine große Rolle in der Gesellschaft spielen.

Den Bezug zur Aktualität hat Rosarius auch durch Anspielungen auf die Studentenunruhen der 60er Jahre bis hin zum Deutschen Herbst 1977 geschafft. Die Inszenierung Rosarius hat gezeigt, dass anspruchsvolle Trauerspiele, wie die Zwillinge von 1776, nie den Bezug zur Aktualität verlieren.
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