Erdbeeren und Spargel warten auf die Sonne

Von: Sarah Maria Berners
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Vor allem den Aprikosen von Landwirt Walter Franken machen die Temperaturen zu schaffen. Birnen-, Pflaumen- und Apfelbäume kommen mit dem Wetter gut zurecht. Foto: Berners
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Noch ist es zu kalt, um Kartoffeln zu setzen. Foto: stock/Niehoff

Kreis Düren. „Über Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe, kann ich mich nicht aufregen“, sagt Heiner Lövenich vom gleichnamigen Spargelhof in Gürzenich. Wetter sei eben Wetter. Auch wenn es für die Landwirtschaft wahrlich besser sein könnte, sieht Heiner Lövenich zwar nicht erfreut aber gelassen aufs Thermometer. „Ich muss ja doch damit leben“, sagt er.

Der Landwirt wartet darauf, dass der Spargel wächst, die gekeimten Kartoffeln und die Salatpflanzen darauf, endlich in die Erde zu kommen. „In normalen Jahren wären sie dort schon seit zwei bis drei Wochen“, erklärt der Boicher Obst- und Gemüsebauer Walter Franken. Jetzt hoffen die Landwirte, dass die Setzpflanzen keinen Schaden nehmen, und sie warten. Sie müssen.

„Düngen, Pflanzenschutzmittel aufbringen – das alles geht nicht, weil es nachts noch friert und weil es zu trocken ist“, sagt Ackerbauberater Heinrich Brockerhoff. Es gebe einen deutlichen Vegetationsrückstand von zwei bis drei Wochen, erklärt der Fachmann und fügt mit Blick auf den Wetterbericht hinzu: „In den kommenden zehn Tagen wird sich das nicht wesentlich ändern, der Rückstand wird größer. Zwar hätten die ersten Landwirte angefangen, die Zuckerrüben zu sähen, keimen könnten sie aber nicht, kaputt gehen schon. Der Raps hätte für gewöhnlich schon Stiefelhöhe, lasse sich jetzt aber an Sandalen messen.

Auch auf den Wiesen fürs Vieh tue sich nichts und das Getreide sei bislang kaum gewachsen. Brockerhoff und die Landwirte erwarten daher weniger Halme pro Quadratmeter. Schwarz sehen sie deswegen aber noch nicht: „Wenn wir Glück haben, kann die Natur das etwas kompensieren.“ Dann könne es viele Körner pro Ähre oder schwere Körner geben. Brockerhoff rät den Bauern, alles zu vermeiden, was die Pflanzen stresst. Der Patient brauche Ruhe. „Für uns spielt das Wetter verrückt“, sagt Brockerhoff. Tags bekämen die Pflanzen vor allem an den vergangenen sonnigen Tagen den Impuls „Wachse“, in der frostigen Nacht heiße es: „Wachse nicht“. „Aber Jammern hilft nicht“, sagt Brockerhoff.

Der lange Winter gefällt auch den Blumen nicht: „Die Tulpen sind stark geschädigt und die Pfingstrosen werden erst viel später blühen“, schildert der Boicher Walter Franken. Vor einigen Jahren hat der Landwirt Aprikosen und Pfirsichbäume gepflanzt, „weil es immer wärmer wurde“. In diesem Jahr haben die Aprikosen schwer zu kämpfen, viele Knospen sind erfroren. Um die heimischen Obstsorten hingegen steht es gut. Die hatten es im vergangenen Jahr schwer, als es früh warm und dann wieder frostig wurde. Auch die ersten Knospen der Erdbeerpflanzen sind befroren, „dabei schmecken die Früchte dieser Blüten besonders gut“, sagt Franken. „Heimische Erdbeeren gibt es sonst Ende April. Das wird jetzt aber sicher zwei, drei Wochen später.“ An Neuanpflanzungen sei derzeit nicht zu denken. Weil später viele Produkte in kurzer Zeit auf den Markt kommen könnten, fürchten manche Landwirte bereits eine für sie ungünstige Preisentwicklung.

Der lange Winter stellt die Landwirte aber auch vor organisatorische Herausforderungen: Weil sie jetzt viele Arbeiten liegenlassen müssen, steht nachher alles auf einmal an. „Davor graut‘s mir schon ein bisschen“, sagt Lövenich. Problematisch sei die Situation auch für die Erntehelfer. Eigentlich sollten sie vor Ostern anreisen. „Denen fehlen jetzt ein paar Wochen. Sie hatten schon alles organisiert“, sagt Lövenich.

Mit verschiedenen Folien können die Spargelbauern die Saison eigentlich ein wenig verlängern. „Dieser Effekt fällt in diesem Jahr weg“, sagt Lövenich. Weit nach hinten schieben lasse sich die verspätete Spargelzeit nicht. Die Pflanzen müssten schließlich Kraft für das kommende Jahr sammeln. Ein ganz anderes Problem haben die Zulieferer des Saatgutes: Weil dieses noch auf den Höfen steht, gehen ihnen die Kisten aus, in denen sie jetzt eigentlich schon die nächsten Pflanzen sähen würden.

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