Er wollte retten, was noch zu retten ist

Von: Stephan Johnen
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Mit Blitzlicht, ohne Büchse: Armin Püttger-Conradt (rechts) und Rolf Terkatz präsentieren Teile der Kameraausrüstung Schillings´. Foto: Johnen

Düren. Das Leben schreibt die schönsten Geschichten, heißt es. Oft genug sind es aber auch die traurigsten. Mehr als 30 Jahre lang hat der Biologe und Publizist Armin Püttger-Conradt sein Leben dem Schutz des Nördlichen Weißen Nashorns im Kongo gewidmet. Noch als Student stieß er mit Professor Bernhard Grzimek („Serengeti darf nicht sterben”) eine weltweite Kampagne an.

Zu Beginn dieses Jahres, das offiziell von den Vereinten Nationen zum Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen wurde, hat Püttger-Conradt die traurige Gewissheit ereilt, dass das Nördliche Weiße Nashorn in seinem angestammten Lebensraum ausgestorben ist.

Oder besser formuliert: ausgerottet wurde, von Menschenhand. Wie viele andere Arten auch. Vor dieser Entwicklung hatte ein Vorgänger und Vorbild Püttger-Conradts aus Gürzenich schon vor 100 Jahren gewarnt: Carl Georg Schillings.

Vom Abenteurer zum Bewahrer

Um die Jahrhundertwende reiste der betuchte Gentleman in die damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika (das heutige Kenia). Zunächst als passionierter Jäger und - man darf es so sagen - als Tourist; später im Dienste der Wissenschaft und im Auftrag der Museen.

Der Bedarf an ausgestopften Giraffen, Elefanten und anderen Tieren aus den „exotischen Ländern” war riesig - ebenso die Chance auf ein gutes Geschäft. „Doch schon bei seiner zweiten Reise ist Schillings klargeworden, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Populationen drastisch reduziert haben”, berichtet Schillings-Experte Rolf Terkatz vom Trägerverein des Dürener Stadtmuseums.

Dort wird ein Großteil des Nachlasses aufbewahrt - und ausgestellt. Über die Biografie „Bwana Simba - Der Herr der Löwen” ist auch Armin Püttger-Conradt auf das Museum und die Schillingssammlung aufmerksam geworden.

Carl Georg, der anders als sein Bruder, der Komponist, Dirigent und Opernintendant Max von Schillings, in Düren kaum bekannt ist, erkannte, dass gehandelt werden muss.

Er formulierte bereits im Januar 1901 einen Entwurf für ein Tierschutzgesetz in den deutschen Kolonien. Aus dem Abenteurer und Jäger wurde ein Forscher und Entdecker - ein Naturschützer.

„Er war ein Vorreiter des Naturschutzes im Kaiserreich”, resümiert Rolf Terkatz. Schillings korrespondierte mit den amerikanischen Präsidenten Wilson und Roosevelt, er verfasste Manifeste, protestierte gegen „Massenmord” an Tieren wegen modischer Accessoires wie Pfauenfedern.

Und er betrat Neuland, als er Gewehr gegen Kamera tauschte. In der Tierfotografie - er spezialisierte sich auf Nachtaufnahmen - setzte er Maßstäbe. Sein Buch „Mit Blitzlicht und Büchse” wurde ein Bestseller. Schillings ließ die Tierwelt erfahrbar werden, ohne ausgestopfte Exemplare. Seine Bilder und Bücher gingen um die Welt.

So war es auch ein Werk von von Schillings, über das der damalige Student Armin Püttger-Conradt stolperte. „Der Mann war ein Pionier”, sagt der Biologe - und der Pionier fasziniere ihn damals wie heute.

Die „Ehrfurcht vor dem Leben” und die Notwendigkeit, sich einen vermeintlichen Luxus wie Naturschutz zu gönnen, sind Botschaften, die einst Schillings und heute Püttger-Conradt verkünden.

Der Biologe aus Elmshorn, der in Afrika auf Schillings Spuren wandelte, ist in diesem Jahr viel im Kreis Düren unterwegs, hält Vorträge in Schulen, blättert im Stadtmuseum in den Originalmanuskripten Schillings.

Seine Besuche an Schulen nutzt er auch, um über die tragische Geschichte des Nördlichen Weißen Nashorns zu berichten. Einst von Kongo und Uganda bis in den Tschad und den Sudan verbreitet, gab es zuletzt nur noch wenige Tiere im Kongo.

„Der Bürgerkrieg hat ihr Schicksal besiegelt”, bedauert Püttger-Conradt, der einst als Wissenschaftler für die Regierung in Kinshasa arbeitete. In einem Schutzgebiet hatten die letzte Tiere die Jagd der Menschen auf das seltene und kostbare Horn überlebt. Das ist nun Geschichte.

Mit dem Bürgerkrieg brachen auch die Schutzstrukturen zusammen. Vier Nashörner aus einem tschechischen Zoo wurden im vergangenen Jahr in Kenia ausgewildert. „An einem Platz, an dem sie nie gelebt haben. Aber so haben die Tiere Afrika zumindest noch einmal gesehen”, schätzt Püttger-Conradt die Chance, eine Population aufzubauen, als gering ein.

„Ich kann nicht genug hervorheben, um welch unendlichen Reichtum einer großen und herrlichen Tierwelt es sich da handelt, und ich möchte meine Stimme erheben, um alle, die Macht in Händen haben, zu veranlassen, zu retten und zu erhalten, was noch zu retten ist!”

Diese Zeilen hat Schillings 1905 verfasst. Sie haben an Aktualität offenbar nichts verloren.

Vorträge über Artenschutz

Der Biologe und Publizist Armin Püttger-Conradt hat als Student eine weltweite Rettungsaktion für die Nördlichen Weißen Nashörner in Gang gesetzt.

Püttger-Conradt lebt in Elmshorn, hält aber auch an Schulen im Kreis Düren Vorträge.

Er ist zwecks Terminabsprache zu erreichen unter Telefon 0175/4476032.

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