Düren - Entwidmung: Der letzte Gottesdienst in St. Bonifatius

Entwidmung: Der letzte Gottesdienst in St. Bonifatius

Von: Alina Miebach
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Der letzte Gottesdienst in St. Bonifatius. Danach wurde die Kirche entwidmet. Foto: Alina Miebach
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„Wir sind unendlich traurig“: Viele Gläubige tun sich schwer mit dem Gedanken, dass sie ihre Kirche aufgeben müssen. Foto: Alina Miebach

Düren. Zum letzten Mal läuteten am Samstag die Glocken der St. Bonifatius Kirche im Dürener Osten. Zum Entwidmungsgottesdienst waren Anwohner, Kirchgänger, Sternsinger und Messdiener erschienen, um sich von ihrem heiligen Ort im Stadtteil zu verabschieden.

Schon vor der Eingangstür brachten einige Menschen ihre Gefühle zum Ausdruck. Mit einem Banner mit der Aufschrift „Wir sind unendlich traurig“, standen – trotz Blitzeis und Minustemperaturen – Luzie Kornmann mit Familie und Freunden vor der Treppe der St. Bonifatius Kirche. „Ich bin sehr traurig über die Entwicklung, die unsere Kirche gemacht hat. Ich denke hier vor allen Dingen an die Kinder“, sagte Kornmann. Sie gibt Mathematik- und Deutschunterricht an einer Schule und verweist auf die nächsten Generationen. „Wir sind mit dieser Kirche groß geworden. Meine Enkelkinder werden es nie können.“

Feierlicher Einzug

Nach einem feierlichen Einzug mit einer erstaunlich hohen Anzahl von Messdienern, leitete Hans-Otto von Danwitz zusammen mit Kinderheimleiter Raymund Schreinemacher den Gottesdienst zur Entwidmung. Für ihn war es die fünfte dieser Art in seiner Laufbahn.

Neben zwei Kirchen, die dem Tagebau weichen mussten, entwidmete er auch St. Peter Julian und St. Cyriakus, die nun als Grabes- und Auferstehungskirche dienen. Aber auch von Danwitz war es anzusehen, dass es ihm nicht leicht fiel, diesen neuen Weg einzuschlagen. Verschiedene Gruppen und Personen rund um die Kirche hatten sich dazu entschieden, noch ein paar persönliche Gefühle und Erinnerungen in die Kyrie mit einfließen zu lassen.

Achim Willmer, der als Kommunionhelfer tätig ist, findet passende Worte: „Ich wurde als Kind in dieser Kirche getauft, habe die erste heilige Kommunion hier empfangen, wurde hier gefirmt, habe geheiratet und bin nun Messdiener. Die vorherigen Planungen von Wohnungen oder einer Skater-Halle in der Kirche waren – im Gegensatz zur aktuellen Planung einer Kindertagesstätte – keine vertretbaren Vorstellungen aus Sicht der Gläubigen.“

Anwohner und Besucher bezeichneten diese Entwicklung als „Lebendige Kirche von morgen“ und bauen auf den Geist Gottes. Eine Mutter sagte: „Ich habe viele schöne Gottesdienste hier erlebt, mit meinen Kindern. Einerseits ist dieser Ort mit viel Segen verbunden, andererseits kann ich auch die Not der Eltern verstehen, deren Kinder in Zukunft hier in der Kindertagesstätte einen Platz finden werden.“

Raymund Schreinemacher, Kinderheimleiter des gegenüberliegenden St. Josef Kinderheims, bedauerte ebenfalls, dass „dieser heilige Ort“ nun geschlossen werde. „Für Mitarbeitern, Schwestern und unseren Kindern war sie jeden Tag ein Ort der Einkehr und Ruhe und half der Glaubensvermittlung.“

Stellvertretend für alle Messdiener äußerte sich Dennis Kwasny, der schon als Kind der Kirche St. Bonifatius beiwohnte: „Die ganz besondere Atmosphäre in unserer Kirche bleibt in unserer Erinnerung erhalten. Auch wir als Messdiener werden uns weiterhin treffen, um unsere Gemeinschaft zu erhalten.“ Das Datum der Entwidmung war nicht zufällig gewählt. Ganz im Rahmen der Taufe des Herrn verlief der Gottesdienst am Ende der Weihnachtszeit.

Auch die Worte des neue Bischofs des Bistums Aachen, Helmut Dieser, wurden von von Danwitz weitergegeben: „Der Bischof sagt, ihr sollt als Gemeinschaft weiterhin existent sein, zusammen bleiben und an das Taufereignis denken. Christ sein geht nicht allein, Christ sein geht nur gemeinsam. Durch Gottes Begleitung könnt ihr neue Zuversicht gewinnen. Er wird bei euch sein, auch wenn sich das Äußere verändert, denn Gott selbst ist Zukunft.“

Nach der Eucharistiefeier wurde das Dekret zur Entwidmung verlesen. Das im November unterschriebene Dokument brachte eine lange Schweigepause mit sich. Auch das anschließende Orgelspiel ließ manche Tränen fließen. Im Anschluss konnte jeder die Räumlichkeiten der Kirche beäugen. Ein letztes Mal durch die Bankreihen zu flanieren, blieb allen Anwesenden sicherlich für immer im Gedächtnis.

Der Förderverein St. Bonifatius hatte bereits vor dem Gottesdienst eine Stellungnahme zu der Entwidmung abgegeben und sie als „großen Fehler“ bezeichnet. „Die 4000 Katholiken der Gemeinde St. Bonifatius brauchen einen der Größe der Gemeinde angemessenen Sakralraum“, hieß es in dem Schreiben. Kritisiert wird zudem, dass sich die katholische Kirche weitgehend aus diesem Stadtteil verabschiede, obwohl es ein junger Stadtteil mit wachsender Bevölkerung sei.

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