Düren - Englischsprachige Kindergartengruppe in Düren geplant

Englischsprachige Kindergartengruppe in Düren geplant

Von: Stephan Johnen
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In der Grundschule, wie hier die KGS St. Joachim in Düren, ist Englisch Alltag. Eine englischsprachige Kita-Gruppe wäre in Düren Neuland. Foto: sj

Düren. Die Welt spricht Englisch. Englisch ist die Sprache der Wissenschaft, der Informatik und des Weltmarkts. „Die Bedeutung dieser Sprache wird in Zukunft eher zunehmen denn abnehmen“, betont Thomas Floßdorf. Daher könne es zumindest nicht schaden, diese Sprache möglichst früh zu erlernen, also im Kindergarten.

Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und die CDU-Fraktion haben einen Antrag gestellt, mit dem sie ein neues Angebot für die Eltern in der Stadt Düren schaffen möchten: Floßdorf plant die Einrichtung einer englischsprachigen Kitagruppe für das Jahr 2014/15. Zunächst eine, im Erfolgsfall seien weitere Gruppen durchaus vorstellbar.

„Kinder lernen im Alter von drei bis fünf Jahren sehr einfach Sprachen. Das sogenannte Sprachenfenster ist in diesem Alter offen“, erklärt Floßdorf. In der Vergangenheit sei viel in die Sprachförderung an Kitas investiert worden. „Aber es gab keine Förderung für Kinder, die sprachlich besonders begabt sind. Ein moderner Kindergarten sollte beides leisten“, findet er. Kindergärten, die englischsprachige Gruppen anbieten, seien meist „in privater beziehungsweise kommerzieller Trägerschaft“, fährt Floßdorf fort. Ein solches Angebot in einer Dürener Kita sei für die Eltern finanzierbar – und sogar im ersten Jahr frei. Seine Vorstellung: Träger sollen sich um eine solche Gruppe bewerben. Der Alltag läuft überwiegend in englischer Sprache ab. „Die Kontinuität des Lernens ist mit dem Englischunterricht in der ersten Klasse der Grundschule gewährleistet“, sagt Floßdorf.

„Für einsprachige Eltern ist dieses Vorhaben durchaus vorstellbar“, schätzt Annette Dornhöfer, Leiterin der Katholischen Grundschule St. Joachim in Düren, das Vorhaben ein. Allerdings gebe es gerade in Düren viele Kinder, die bereits zweisprachig aufwachsen. „In diesem Alter noch eine dritte Sprache ins Spiel zu bringen, halte ich nicht für gut“, sagt die Pädagogin. Mit Blick auf die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung „Delfin 4“ zeige sich, dass zunächst die Sprachförderung im Kindergarten Vorrang habe. „Die Kinder sollten erst Deutsch und in zweisprachigen Haushalten zusätzlich ihre Muttersprache als Grundlage lernen und sicher beherrschen.“

Oftmals sei der aktive Wortschatz zu gering. Aus diesem Grund werde in der Grundschule St. Joachim auch erst im zweiten Halbjahr mit dem Englischunterricht begonnen, dann aber zweistündig. Möglich wäre es auch, ab dem ersten Halbjahr je eine Unterrichtsstunde zu geben. „Aber viele Kinder sind noch nicht soweit“, sagt Englischlehrerin Anne Lorreck. Generell stellten sich während des Unterrichts „gute Erfolge“ ein. „Die Kinder gehen unbefangen auf die neue Sprache zu, wir versuchen, möglichst nur Englisch mit ihnen zu sprechen“, sagt Anne Lorreck.

War der Englischunterricht an Grundschulen anfangs eher von Abzählreimen und Liedern geprägt, gebe es mittlerweile offizielle Lehrpläne und Klassenarbeiten – und vor allem auch Lehrer, die Englisch als Fremdsprache studiert haben. Das Problem, das einst die Schulen hatten, werde es an den Kindergärten auch geben: Fachkräfte müssten erst entsprechend ausgebildet werden. Und Muttersprachler für den Englischunterricht gebe es nicht allzu viele in Düren. Generell gelte: „Kinder sollten nicht überfordert werden. Wenn sie zu viele Sprachen auf einmal lernen, neigen sie zu dazu, ein Mischmasch zu reden“, gibt Schulleiterin Annette Dornhöfer zu bedenken.

„Ich kann nur unterstützen, dass Kinder bilingual erzogen werden“, sagt Gisela Baumsteiger, Leiterin der Kita St. Anna in Düren, im Namen aller Kitas der Pfarre St. Lukas. Aber auch sie befürchtet, dass Englisch im Kindergarten eine Überforderung sein könnte. „Wir reden ja nicht über den spielerischen Umgang mit Sprache. Für mich wäre eine englischsprachige Gruppe gleichzusetzen mit Unterricht“, sagt sie.

Hauptaufgabe des Kindergarten sei es mehr denn je, die sozialen Kompetenzen der Kinder zu stärken und zu fördern, bei ihnen das Lust aufs Lernen zu wecken beziehungsweise sie aufs Lernen und die Schule vorzubereiten. Dazu gehöre auch das Erlernen von „gutem Deutsch“. „In vielen Familien wird nur noch wenig miteinander geredet, es fehlen Rituale wie das Gespräch beim Abendessen“, bedauert sie. Sprachförderung sei daher oftmals zunächst Grundlagenarbeit.

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