Endspurt am feurigen Blitzmeiler in Düttling

Von: Gudrun Klinkhammer
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Innerhalb von nur acht Tagen brannte der Meiler in diesem Jahr ab. Köhlermeister Gerd Linden (links) und seine Helfer ernteten jetzt die Kohle und packten sie in Fünf-Kilo-Säcken ab. Foto: Gudrun Klinkhammeri

Düttling. „Das ist in diesem Jahr ein sehr flotter Meiler“, staunt Gerd Linden derzeit nicht schlecht. Am Mittwochmorgen schaufelte der Chef des Meilerplatzes in Düttling gemeinsam mit seinen Helfern fleißig schwarze Kohle in braune Packtüten. Etliche Säcke konnten in den vergangenen beiden Tagen bereits gefüllt werden.

Linden: „Der vierte historische Holzkohle-Meiler brannte durch den Sturm, den wir an Pfingstdienstag erlebten, viel schneller ab als in den Vorjahren.“ Nicht innerhalb von zehn Tagen, sondern binnen einer Woche verwandelte sich das Holzgebilde in einen beachtlichen Kohlehaufen.

Gerd Linden schildert noch einmal die Stunden des erlebten Unwetters, immer noch zeigt sich auf seiner Haut beim Erzählen eine Gänsehaut. Linden: „Wir hatten hier wirklich richtig Angst, so etwas haben wir noch nicht erlebt.“ Auf der einen Seite bangte das Köhler-Team am Meilerplatz während des Unwetters darum, dass die Fichten aus dem angrenzenden Wald nicht auf den Meiler kippten.

Auf der anderen Seite kämpften sie mit großen Stichflammen. Aus den Rauchlöchern schlugen während des Sturms Flammen, einen halben Meter lang. Linden: „Wir benetzten den Meiler während des Sturms kräftig mit Wasser, so gut es ging. Als dann der Regen kam, war die größte Gefahr vorbei.“

Die geballte Energie, die der Meiler in diesen Stunden erfuhr, brachte sein Innenleben zeitlich enorm nach vorne. Das Unwetter schadete der Qualität der Kohle nicht. Im Gegenteil, Acht bis zehn Tonnen beste Kohle werden in diesen Tagen geerntet, das ergibt rund 1800 Säcke á fünf Kilogramm. „Füchse“, wie die rötlich schimmernden Buchenholzstücke heißen, die im Bauche des Meilers nicht komplett verkokelten, fanden der Köhlermeister und seine Helfer nur wenige.

Immer in Schichten wird das schwarze Produkt dem Meiler entnommen. Der qualmende Berg wird dafür geöffnet und rasch wieder verschlossen. Sobald Luft an das Gebilde kommt, fängt das Material Feuer und verbrennt, was nicht gewollt ist. 24 Stunden bleiben die heißen Blöcke dann erst einmal liegen. Sind sie abgekühlt, werden sie verpackt.

Heute, am Donnerstag, 19. Juni, wird am Düttlinger Meiler ab 10 Uhr der „Tag der Schwarzen Männer“ gefeiert. Linden: „An diesem Tag fällt alle Last von uns ab.“ Die geerntete Holzkohle wird zum Verkauf angeboten. Die Hälfte der Produktion ist allerdings schon reserviert. Im vergangenen Jahr war das „Schwarze Gold“ innerhalb von drei Tagen komplett ausverkauft.

Am „Tag der schwarzen Männer“ sind Kaltblutpferde in Düttling vor Ort, zudem werden Handwerker wie ein Bronzegießer ihr Können zeigen.

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