Endet die Zeit der kostenlosen Plastiktüte auch in Düren?

Von: Sarah Maria Berners
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Plastiktüte
Die Zeit der kostenlosen Plastiktüte endet – auch in Dürener Modegeschäften. Symbolbild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Düren. Die Plastiktüte hat viele Fans und viele Feinde. Die einen finden die Tüten bei ihren Shoppingtouren unheimlich praktisch, die anderen sehen die Umweltbelastung in der Produktion und die Gefahren, die Tüten in der Natur für Tiere bedeuten.

Politisches Ziel ist es, die Zahl der Plastiktüten zu reduzieren, ab April sollen Plastiktüten daher kostenpflichtig werden. Im Supermarkt kosten sie schon lange Geld. In Modegeschäften sollen die Tüten künftig auch bezahlt werden. Aktuell liegt der Tütenverbrauch bei 71 pro Einwohner, laut einer EU-Vorgabe muss er bist 2025 auf 40 sinken. Wie viel die Tüten kosten, dürfen die Händler selbst festlegen. 20 Cent werden aktuell allerdings als Mindestpreis diskutiert. Wir haben uns im Handel umgehört: Was müssen die Dürener künftig für Tüten zahlen? Wie bewerten die Händler diese Vorgabe?

„Wir haben schon jetzt überwiegend Papiertüten und werden diese in Zukunft noch verstärkter nutzen“, sagt Renate Minartz vom gleichnamigen Modegeschäft. Dr. Stephan Thomas vom Schuhhaus Habrichs sieht die Umstellung kritisch: „Ich glaube nicht, dass alle Kunden besonders viel Verständnis dafür haben, wenn sie für 160 Euro Schuhe gekauft haben und wir ihnen dann 20 Cent für eine Tüte berechnen“, kommentiert er. Auf der anderen Seite kämen schon jetzt zahlreiche Kunden mit eigenen Tragetaschen in das Geschäft oder würden aus eigenem Antrieb auf die Plastiktüten verzichten.

Thomas kritisiert, dass die Politik an der falschen Stelle ansetze. „Wenn es darum geht, die Ressource Erdöl zu schonen, dann machen die Plastiktüten des Einzelhandels in Deutschland einen nicht nennenswerten Anteil aus“, kommentiert Thomas. Anstelle der nun praktizierten Lösung fände Thomas ein generelles Verbot von Tüten besser, weil dies eindeutig sei und der „Schwarze Peter“ und die Verantwortung nicht bei jedem Händler liege. Der Handelsverband Deutschland hatte sich jedoch für eine freiwillige Selbstverpflichtung ausgesprochen.

Keine einheitliche Regelung

Und wie geht das Stadtcenter künftig mit den Tüten um? „Eine einheitliche Regelung dazu gibt es bei uns nicht. Dies obliegt jedem Geschäft selbst, beziehungsweise. der einzelnen Geschäftsführung unserer Mieter“, sagt Center-Manager Daniel Böttke. „Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn sich der Handel und die großen Handelsketten Gedanken um eine entsprechende Müllvermeidung machen. Der Wochenmarkt hat es mit der Papiertüte ja vorgemacht. Allerdings wird ‚die gute, alte Plastiktüte‘ in naher Zukunft wohl kaum gänzlich verschwinden“, ist Böttke überzeugt. Dafür sei der tägliche, praktische Nutzen zu groß. „Allerdings begrüße ich persönlich die Regelung der separaten Vergütung für Plastik-Tragetaschen und hoffe das sich der Trend, die Tendenz zur recycelbaren Einkaufstüte weiter durchsetzt.“

Im „Saturn“ in Düren gibt es schon seit dem 1. Juli 2014 keine kostenlosen Tüten mehr. Was vorher reichlich vorhanden war, wurde aus Umweltschutzgründen gestrichen. In Düren startete die Elektronikmarktkette eine Art Pilotprojekt, mittlerweile sind andere Märkte gefolgt. „Das war für unsere Kunden anfangs eine große Umstellung. Diese Phase war auch für die Mitarbeiter an den Kassen nicht immer leicht“, sagt Nicole Kamphausen, Assistentin der Geschäftsleitung. Unter anderem hätten diese darauf verwiesen, dass es in Supermärkten bereits selbstverständlich sei, dass Tüten verkauft werden.

Manche Kunden hätten kein Verständnis gehabt und der Firma vorgeworfen, sich zusätzlich an den Kunden bereichern. „Dabei haben wir das Geld von Anfang an an den BUND gespendet“, erklärt Kamphausen. Die Tüten kosten zwischen 5 und 30 Cent. Anfangs sei so noch ein großer Betrag zusammengekommen. „Mittlerweile haben wir eine Reduzierung der Tüten um fast 100 Prozent“, resümiert Kamphausen. Die Kunden hätten sich mittlerweile an die neue Situation gewöhnt, viele hätten gemerkt, dass es für viele Einkäufe keiner Tüten bedarf. „Und damit ist das Ziel Umweltschutz erreicht“, sagt Kamphausen. Wie Stephan Thomas weist auch sie darauf hin, dass die Geschäfte beim Einkauf der Tüten mit dem Kaufpreis bereits einen Beitrag zur Entsorgung entrichten.

Die Galeria Kaufhof äußert sich nicht zu den künftigen Preisen für Tüten, weist aber auf deren Bedeutung als Werbeträger hin.

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