Düren - Eleganz statt plumper Erotik: „Tangomania”

Eleganz statt plumper Erotik: „Tangomania”

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Mit mitreißenden Soli und eindrucksvollen Duetten trumpfte die Ballettschow „Tangomania” im Haus der Stadt auf.

Düren. Ein brasilianischer Ballettmeister inszenierte den argentinischen Nationaltanz, das Ballett des Theaters Hagen setzte seine Ideen um, und schon wurde der Tango-Abend im Haus der Stadt zur „Tangomania” und die Aufführung für das Publikum zur „Tango-Manie”.

Frenetischer Beifall, Bravorufe, die Zuschauer waren elektrisiert von der Wechselwirkung der Musik und den Tanzschritten und entließen das Ensemble erst nach vielen Zugaben.

Schon der Auftakt der Tanzshow war bemerkenswert. Die Protagonisten kamen einzeln auf die Bühne, nachdem ein spanisches Gedicht verklungen war. Ein wenig wurde der Vorhang gelupft, Musik setzte ein, und man sah von den tanzenden Paaren nur die Beine, bis dann der Blick auf eine Tangobar freigegeben wurde. Ein wenig kühl wirkte das Bühnenbild, doch umso feuriger die Tänze die geboten wurden.

Fernab aller Klischees

Es wurde ein Abend fernab aller Klischees, die man ansonsten mit Tango verbindet. Statt plumper Erotik mit der so manche Tangorevue Kasse macht, setzte Choreograf Ricardo Fernandes auf Eleganz, ließ seine Akteure barfuß, im traditionellen Tangoschuh oder auch seine Tänzerinnen in Pumps über die Bühnenbretter wirbeln.

Die Zuschauer erlebten, was Tango ausdrückt, welches Lebensgefühl dahinter steckt, tauchten ein in eine Gefühlswelt von heißblütig, schmachtend und leidenschaftlich bis hin zu melancholisch, sanft und leidend, aber auch temperament- und hingebungsvoll. Die Tänzerinnen und Tänzer tanzten den Tango mit seinen vielfältigen Möglichkeiten, Verzierungen und Verzögerungen.

Es war eine tänzerische Reise durch die verschiedenen Tanz- und Musikstile - vom Tango Argentino über Tango Nueva, dem Milonga bis hin zum wummernden Elektro-Tango. Klassischer und zeitgenössischer Tanz wurden zu einer gepfefferten Bühnenshow zusammengefasst mit ansprechenden oder mitreißenden Soli, eindrucksvollen Duetten oder blendenden Dreier-Kombinationen und Quartetten.

Ganz besonders stark waren die Momente, in denen das 14-köpfige Ballett gemeinsam tanzte. Nie glitten die Tanzszenen mit klassisch-eleganten Schwüngen, Drehungen und Hebefiguren sowie anmutigen Bewegungen und verwirrenden Schrittkombinationen in „Verruchtheit” ab, sondern brachte dem Publikum die Bedeutung des Tanzes näher und bauten Vorurteile ab. Ein Abend für Voyeure war es nicht.
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