Einzelhandelskonzept: Viele vermissen den Drogeriemarkt vor Ort

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Seit dem Schlecker-„Aus“ fehlt vielen Bewohnern der Gemeinde Merzenich ein Drogeriemarkt in unmittelbarer Nähe. Foto: Jörg Abels
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Ein Wahrzeichen der Gemeinde: der Merzenicher Wasserturm.

Merzenich. Ob sich die Bürger in ihrer Gemeinde wohl fühlen, hängt ganz entscheidend davon ab, ob sie sich „vor Ort“ mit dem versorgen können, was man im Alltag so braucht. Dem Einzelhandel kommt in einer Kommune eine besondere Bedeutung zu. Das hat sich auch beim „Kommunalcheck“ unserer Zeitung gezeigt.

Fast alle Merzenicher Bürger, die sich daran beteiligt haben, bemängeln, dass es zu wenige Geschäfte gibt. Viele vermissen in ihren Anmerkungen insbesondere einen Drogeriemarkt. Einige zeigen sich mit dem „Geschäftsbesatz“ aber auch zufrieden – die Ansprüche sind halt unterschiedlich.

Was fehlt und von den Menschen gewünscht wird, das weiß man in Merzenich jetzt sehr genau: Bürgermeister Peter Harzheim hat bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) ein Einzelhandelskonzept in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse die nötigen Grundlagen für die weiteren Planungen liefern. „Wenn man alle wichtigen Dinge in einer Gemeinde selbst regeln will, kann sich leicht so etwas wie ,Betriebsblindheit‘ einstellen. Der Blick von außen kann einem die Augen öffnen. Deshalb nehmen wir bei den zentralen Fragen die externe Hilfe von Profis in Anspruch“, sagt der Bürgermeister, der die Einwicklung des Einzelhandels in der Gemeinde zur „Chefsache“ erklärt hat.

Rund 1000 von der GMA entwickelte Fragebögen hat die Gemeindeverwaltung an Bürger und Geschäftsleute verschickt. Rund 400 (also 40 Prozent) davon sind zurückgekommen – ein ausgesprochen guter Wert, wie die GMA-Projektleiter in ihrer Auswertung feststellen. Oft beteiligten sich an solchen Umfragen weniger als 20 Prozent.

Was fehlt also in Merzenich? Ganz oben auf der Wunschliste steht – wie beim „Kommunalcheck“ – ein Drogeriemarkt. Wie fast alle ländlichen Gemeinden leidet auch Merzenich unter der „Schlecker“-Pleite. Ersatz zu finden, ist nicht leicht. Harzheim: „Natürlich haben wir in dieser Sache schon etliche Gespräche geführt. Etwas Konkretes ist dabei leider noch nicht herausgekommen.“

Ein Drogeriemarkt ist in der heutigen Zeit ein „Zugpferd“, von dem letztlich auch die übrigen Geschäfte zur Deckung des täglichen Bedarfs profitieren. Freilich muss auch das Umfeld stimmen. Die ganz Großen der Branche geben sich nicht mit kleinen Geschäftslokalen zufrieden. 800 Quadratmeter Verkaufsfläche in einem Unterzentrum wie Merzenich erlaubt die Landesplanung.

Im geplanten „Merz-Park“ am Uerlingsweg zwischen dem Hauptort und dem künftigen neuen Morschenich soll nach dem Willen von Verwaltung und Rat ein kleines Geschäftszentrum entstehen. Eins hängt da mit dem Anderen zusammen: Gerne würde die Caritas im „Merz-Park“ ein Objekt mit altersgerechten Wohnungen verwirklichen – das aber nur, wenn im nahen Umfeld die entsprechende Infrastruktur geschaffen wird. Weitere Wünsche aus der Bevölkerung: Mehr Gastronomie, einen weiteren Lebensmittelmarkt und Modegeschäfte (in Merzenich gibt es in diesem Bereich nur 100 Quadratmeter Verkaufsfläche). Der Bürgermeister bremst allerdings die Erwartungen: „Nicht nur in Sachen Einzelhandel ist die Nähe zur Kreisstadt Düren Fluch und Segen zugleich.“ Segen – weil es die Merzenicher Bürger nicht weit bis ins Mittelzentrum haben; Fluch – weil sich ansiedlungswillige Geschäftsleute sehr gründlich überlegen, wo sie sich mit Blick auf die zu erwartende Zahl der Kunden niederlassen.

In einer anderen Hinsicht ist die Nähe zu Düren hingegen ein Segen: weiterführende Schulen. In dieser Beziehung gibt im benachbarten Düren ein reichhaltiges Angebot. Einen großen Teil des eigenen Bedarfs deckt die Gemeinde Merzenich aber auch mit der Gesamtschule, die sie zusammen mit Niederzier betreibt. Die beiden Grundschulen in Merzenich und Golzheim haben 273 und 102 Schüler. Damit ist ihr Bestand auf mittlere Sicht nicht gefährdet. Die Bürgerwaldschule, eine Förderschule, die zusammen mit der Stadt Düren und Niederzier betrieben wird, ist freilich gefährdet. Hier wurden zuletzt nur acht Kinder eingeschult. Merzenich verfügt über fünf gemeindliche Kindergärten. Ein kirchlicher kommt noch hinzu. Der Bedarf an Plätzen für die U3-Betreuung ist gedeckt. Auch die ärztliche Versorgung kann sich sehen lassen: In Merzenich gibt es sechs praktische Ärzte, in Golzheim einen. Drei Zahnärzte arbeiten in Merzenich, Fachärzte fehlen. Es gibt zwei Apotheken. In finanzieller Hinsicht steht Merzenich immer noch sehr gut da: Viele Jahre lang war die Gemeinde völlig schuldenfrei. Erst in diesem Jahr hat man sich gezwungen gesehen, einen Zwei-Millionen-Kredit aufzunehmen.

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