Düren - Einsturzgefahr: Düren schließt 19 Turnhallen

Einsturzgefahr: Düren schließt 19 Turnhallen

Von: Jörg Abels und Stephan Johnen
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Die Sporthalle der Realschule Wernersstraße gehört zu den zwölf Hallen, die noch bis Ende Februar untersucht werden sollen. Das Gebäudemanagement befürchtet noch manche Überraschung. Foto: Stephan Johnen

Düren. Von jetzt auf gleich hat die Stadt Düren am Dienstag 19 städtische Turnhallen aus Sicherheitsgründen vorsorglich gesperrt. Sieben Monate nach dem Einsturz einer Turnhallendecke in Bochum zieht die Stadt die Reißleine.

Es handelt sich um Sporthallen aus den 60er bis 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in denen die Deckenkonstruktionen wie im Bochumer Fall genagelt wurden. Bereits im August hatte das NRW-Bauministerium alle Kommunen auf die mögliche Gefährdung hingewiesen, dass sich Deckenplatten im Laufe der Jahre lösen und herabstürzen können – verbunden mit dem Hinweis, bei unsachgemäßer Befestigung Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu treffen.

„Montag hatte ich die ersten Ergebnisse der von uns gestarteten Untersuchungen auf dem Tisch – und sie waren zum Teil niederschmetternd“, sagt Helmut Harperscheidt, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Düren, auf DZ-Anfrage. Von acht Hallen, in denen eine mit Bochum vergleichbare Deckenkonstruktion installiert ist, seien drei „kritisch“, bei vier anderen könne nach der Schließung kurzfristig mit einer Nachverschraubung der Decken begonnen werden. Für zwölf weitere Hallen mit ähnlichen Deckenkonstruktionen stehe eine Prüfung noch aus. Aufgrund der bereits zutage getretenen Mängel habe Harperscheidt das Thema am Dienstagmorgen „umgehend im Verwaltungsvorstand angesprochen“. Vorsorglich seien daraufhin 19 Hallen gesperrt worden.

„Wir haben seit August an der Überprüfung gearbeitet“, betont Harperscheidt. Alle 42 städtischen Sporthallen seien in Augenschein genommen worden, in 24 Fällen wurde deutlich, dass die Decken von einem Sachverständigen überprüft werden mussten. „Das braucht seine Zeit“, begründet Stadtsprecher Helmut Göddertz die späte Reaktion der Stadt. Zum Teil hätten Hallen eingerüstet und Deckenvertäfelungen abgebaut werden müssen, um die Konstruktion überprüfen zu können.

In der Niederauer Schulturnhalle, der Halle der Südschule, der Hauptschule Burgauer Allee und der kleinen Turnhalle des Gymnasiums am Wirteltor könne kurzfristig mit einer Nachverschraubung der Decken begonnen werden, teilt die Stadt mit. Sie sollen schon in wenigen Tagen wieder freigegeben werden. Bei den Turnhallen der Mutter-Teresa- und Paul-Gerhardt-Schule sowie der kleinen Turnhalle des Rurtal-Gymnasiums ist eine längerfristige Sperrung nötig. „In diesen Fällen müssen die Decken komplett erneuert werden“, erklärt Harperscheidt. Diese drei Fälle seien die kritischen. Er rechnet für eine einfache Halle mit Kosten von bis zu 65 000 Euro.

Vorsichtsmaßnahme

In zwölf weiteren Fällen kann die Stadt nicht ausschließen, dass unsachgemäß befestigte Deckenplatten eine Gefahr darstellen können. Daher wurden die Turnhallen der Grundschulen Derichsweiler, Arnoldsweiler, Peschschule, Grüngürtel, Rölsdorf, St. Bonifatius, Birgel und Hoven, die Turnhalle des Grundschulverbundes LeNi in Lendersdorf sowie die Hallen der Hauptschule Birkesdorf, der Realschule Wernersstraße und der Realschule Bretzelnweg vorsichtshalber geschlossen, um die Eltern zu beruhigen, wie Baudezernent Paul Zündorf betont.

„Hier stehen die Untersuchungen noch aus. Wir werden diese bis Ende Februar abschließen und die Hallen, in denen es nichts zu beanstanden gibt, so schnell wie möglich wieder freigeben“, kündigt Harperscheidt an. Angesichts der bisherigen „Überraschungen“ könne er aber nicht ausschließen, dass noch manche Decke repariert oder sogar erneuert werden muss. „Schlimmstenfalls reden wir über Kosten von einer Million Euro“, sagt er. Die Frage, wie lange in diesem Fall Hallen geschlossen bleiben müssen, könne er ohne alle Untersuchungsergebnisse nicht beantworten.

Nach Auskunft der Stadt hat das Schulverwaltungsamt die betroffenen Schulen und Vereine, die die Hallen nachmittags und abends für ihre Kurse und zum Training nutzen, informiert. „Wir wollen versuchen, Alternativen für alle Nutzer zu finden“, bittet Harperscheidt um Verständnis – und auch etwas Geduld.

Was jetzt auf die Schulen und Vereine zukommt, verdeutlicht Heinz Hermann Eschen, Leiter der Realschule Wernersstraße: „Der Anruf der Stadt erreichte uns um 12.45 Uhr. Wir konnten nicht mehr alle Lehrer und Schüler informieren“, sagt er. Allein 36 Stunden Schulsport müssten nun pro Woche alternativ gestaltet werden, die Turnhalle sei zudem von 16.30 bis 22 Uhr werktags von Vereinen belegt. „Das gilt für alle betroffenen Schulen“, sagt er. Vorsichtshalber stand Dienstagabend schon der Hausmeister vor der Halle, um Vereinsmitglieder über die Schließung zu informieren.

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