Einrichtungen auf dem Prüfstand: „Große Besorgnis und Unverständnis“

Von: kin
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Auch die Langerweher Europaschule soll gründlich auf den Prüfstand gestellt werden. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Die Ankündigung der CDU, nahezu alle Einrichtungen der Töpfergemeinde auf den Prüfstand zu stellen, hat Wellen geschlagen. Der Etat weist ein Defizit von rund 4,2 Millionen Euro aus. Das muss bis 2021 ausgeglichen sein.

Die Christdemokraten haben deswegen der Gemeinde Prüfaufträge für den Haushalt 2016 gestellt. Verkleinerung der Gesamtschule, Aufgabe der Trägerschaft des Töpfereimuseums, Abriss der Kulturhalle – alles soll unter die Lupe genommen werden.

Schule als Standortfaktor

„Von unseren Eltern und auch im Kollegium“, sagt Heinz Moll, Schulleiter der Europaschule, „ist diese Nachricht mit großer Besorgnis und auch mit Unverständnis aufgenommen worden“. Schulpflegschaftsvorsitzender Karl Wolter formuliert es so: „Der Ansatz, grundsätzlich alles auf den Prüfstand zu stellen, ist nicht grundverkehrt. Aber es muss den Politikern klar sein, dass man Schule nicht allein auf Zahlen reduzieren kann.“ Schule sei vielmehr als Ausbildungsstätte für Kinder und Jugendliche eine Investition in die Zukunft.

„Um eine optimale Ausbildung gewährleisten zu können, muss die Schule eine gewisse Größe haben. Nur dann kann es eine gymnasiale Oberstufe mit vielen Kursangeboten und eine Kooperation mit verschiedenen Firmen geben“, sagt Wolter. Darüber hinaus sei eine Schule in der Größenordnung der Europaschule mit 1400 Schülern auch ein Wirtschaftsfaktor: „Es gibt Lehrer, die in der Gemeinde wohnen, Eltern, die hier einkaufen.“ Und eine Schule, an der man alle möglichen Abschlüsse machen kann, sei auch ein Standortfaktor. Das locke junge Familien an. Wolter wird das Gespräch mit dem Schulamt und mit der Politik suchen: „Je nachdem, wie danach mein Eindruck ist, werde ich auch versuchen, die Eltern stärker zu mobilisieren.“

Auch im Töpfereimuseum tut sich etwas. Am Dienstag treffen sich die Dozenten, um über ein neues pädagogisches Programm zu diskutieren. Einer, der dann mit am Tisch sitzt, ist Heinz-Peter Böhr, der Kurse an der Töpferscheibe gibt. „Mein Eindruck ist schon, dass das Museum sehr gut angenommen wird“, sagt er. „Vor allem die Familiensonntage sind sehr beliebt.“ Am vergangenen Sonntag seien über 30 Leute zum Töpfern gekommen. „Eigentlich mehr, als wir Platz in unserer Werkstatt haben. Aber eine Museumsmitarbeiterin hat wunderbar reagiert, alle konnten mitmachen. Und am Ende waren die Leute glücklich.“

Böhr hat alle seine Kursteilnehmer angeschrieben und um eine kurze Einschätzung zum Museum gebeten. „Die Reaktionen sind durchweg positiv“, sagt er. „Das Museum darf auf keinen Fall verkauft werden.“ Böhr hält es für denkbar, an den Wochenenden eine Cafeteria einzurichten, um Geld zu verdienen. „Außerdem könnten wir auch therapeutisches Töpfern anbieten.“

Bert Graff, der sich seit vielen Jahren im Karneval engagiert, glaubt, dass in der Liste der Sparvorschläge der CDU einzig die Schließung der Kulturhalle ein sinnvolles Unterfangen sein könnte. „Der Zuspruch bei den Veranstaltungen ist in der Tat sehr gering“, sagt er. „Die Halle ist einfach zu groß.“ Grundsätzlich wünsche er sich, dass Politik und Verwaltung die Gemeindeeinrichtungen vernünftig unter die Lupe nehmen. „Die Zahlen müssen am Ende stimmen“, sagt er. „Nur dann können die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“

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