Einer liest, und alle hören zu

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Warum wird jemand überhaupt Schriftsteller? Der Aachener Schriftsteller Hermann-Josef Schueren besuchte gestern das Gymnasium am Wirteltor, um Fragen wie diese zu Foto: Vallata

Düren. Die Kräuterbonbons aus Schweizer Herstellung werden es schon richten. Hermann-Josef Schueren lutscht darauf herum, wann immer es geht, weil seine Stimme schon ein bisschen angeschlagen ist.

Mundhalten geht jedenfalls gerade überhaupt nicht. Eine Doppelstunde hat er hinter, zwei noch vor sich. Und dann immer reden, reden, reden. Als Schriftsteller ist man es ja eher gewohnt, zu schreiben. Aber er hat es sich so ausgesucht. Im Blauen Saal des Gymnasiums am Wirteltor trägt er Schülern der achten Klasse aus seinen Romanen und Erzählbänden vor.

Schwieriger noch als Literatur zu verfassen, ist es, von der Literatur zu leben. Auch diese Wahrheit hält der Autor aus Aachen den Heranwachsenden nicht lange vor. „Was verdient ein Autor an einem Buch”, will er wissen. Die meisten Antworten decken sich nicht mit der Realität. Fünf bis zehn Prozent des Verkaufspreises seien es, eröffnet Schueren. „Da muss man mindestens 15.000 Exemplare verkaufen, dann geht es einigermaßen.” Lesungen seien eigentlich auch ganz gut bezahlt - „bis auf Schullesungen”, schränkt Schueren ein. Seine Mundwinkel zucken dabei ein wenig nach oben.

Warum will jemand überhaupt Schriftsteller werden, will Schueren wieder wissen. Er stellt hier die Fragen. Und meistens gibt er auch die Antworten: Ihn persönlich habe nie so sehr das Leben als Schriftsteller interessiert, sondern eher der Status als Künstler: „Als Künstler kann ich es mir erlauben, anzuziehen was ich will, und aufzustehen wann ich will.” Dieses Argument scheinen die jugendlichen Hörer zu akzeptieren.

Schueren liest den Achtklässlern aus einer Textsammlung vor, die „Rührmichichtan” heißt. In den kurzen Erzählungen thematisiert er zum Beispiel das Aufbegehren von Kindern gegen ihre Eltern oder auch Grenzüberschreitungen, die zum Kindesmissbrauch führen könnten. Das ist nicht immer leicht verdaulich, aber einfühlsam geschrieben und nie bedeutungslos. Auch Gedichte rezitiert er lautmalerisch - mal im Flüsterton, mal polternd. Die Jungen und Mädchen sollen kein Blatt vor den Mund nehmen. „Versucht jetzt mal, wirklich offen mit dem umzugehen, was ihr empfindet.”

Zum Schluss ermuntert er seine Hörerschaft zu einem kleinen Wettbewerb. Wer will, darf ihm eine selbstverfasste Kurzgeschichte zusenden. Schueren will die besten auswählen, vielleicht der Beginn einer großen Karriere als Schriftsteller.
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