Düren - Einen Nachmittag lang wird der große Ringofen wieder umlagert

Einen Nachmittag lang wird der große Ringofen wieder umlagert

Von: Stephan Johnen
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Der ehemalige Produktionsleiter Edgar Nühs erklärte unseren Lesern, welche Schritte dafür nötig waren. Foto: Stephan Johnen
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Tausende Gläser wurden einst täglich rund um den Ofen produziert.

Düren. Der Anfang der 1950er Jahre gebaute Ringofen der ehemaligen Glashütte „Peill + Putzler“ war einst der größte Europas. Heute zerfällt er. Der Zahn der Zeit hat in den vergangenen 20 Jahren mächtig an der Hütte genagt, durch das Dach fallen Sonnenstrahlen, Vögel haben offensichtlich rund um den stillgelegten Ofen gebrütet. Edgar Nühs, einst Hüttenmeister, weihte unsere Leser in die Produktion von mundgeblasenen Gläsern ein.

Produkte der Dürener Glashütte waren für ihr Design und ihre Qualität berühmt, dennoch ist die Produktion mundgeblasenen Glases an der Rur mittlerweile Geschichte. Doch Edgar Nühs, letzter Hüttenmeister am Ringofen, ließ für 22 Leser unserer Zeitung im Rahmen einer Abo-plus-Tour die Geschichte für einen Nachmittag lebendig werden und die einst hektische Betriebsamkeit in der Glashütte zumindest in der Vorstellung wieder aufleben.

„Hier ging es zu wie auf einem Ameisenhaufen“, sagt der 79-Jährige, der in den 50er Jahren bei „Peill + Putzler“ anfing und bis zur Schließung des Werks in Düren arbeitete. 14 Häfen hatte der Ofen, also 14 „Löcher“, in denen nachts die Glasmasse aus Sand, Soda und Kalk geschmolzen wurde. Am frühen Morgen rückten dann die Glasbläser und Glasdreher und ihre Zuarbeiter an. Etwa 130 Mann arbeiteten rund um den Ofen. Ein fünfköpfiges Team schaffte rund 43 bis 45 Gläser pro Stunde, also etwa 380 bis 420 pro Arbeitstag. „Das war Akkordarbeit, bei der es auf Erfahrung und Fingerfertigkeit ankam“, berichtete Edgar Nühs.

Den Weg von der Glasmasse bis zum fertigen Glas konnte er mit Hilfe von Original-Werkstücken Schritt für Schritt nachzeichnen, doch vor allem seine lebhaften Schilderungen und Beschreibungen ließen erahnen, wie die Produktion damals rund um den 1200 Grad heißen Ofen lief. „Die Werkzeuge haben sich in den vergangenen 2000 Jahren kaum verändert“, sagt Nühs. Vermutlich war der Anspruch an die Qualität der Produkte in Düren besonders hoch. Etwa 25 Prozent einer Tagesproduktion galten als Ausschuss, ein kleiner Teil davon wurde als B-Ware noch verkauft.

Der Ringofen lässt erahnen, welche Rolle das Unternehmen mit seinen insgesamt acht Öfen einmal als Arbeitgeber in der Region gespielt hat. 1903 wurde die Glashütte während einer Hochphase wirtschaftlicher Expansion von Leopold Peill unter dem Namen „Peill und Sohn“ gegründet. Nach dem Zusammenschluss mit den Gebrüdern Putzler aus Penzig an der Neiße erfolgte 1952 die Umbenennung in „Peill + Putzler Glashüttenwerke“. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 1500 Menschen an der Glashüttenstraße im Dürener Norden.

„Peill war bekannt für seine Trinkwaren, Putzler für Lampen“, berichtet Edgar Nühs. Die Glasproduktion wurde in den 50er Jahren auch in Düren auf Beleuchtungsglas ausgeweitet, weltweite Reputation erlangte das Unternehmen mit den Entwürfen des Bauhaus-Künstlers Wilhelm Wagenfeld. Anfang der 1990er Jahre jedoch drängte Konkurrenz auf den Markt, das mundgeblasene Hohlglas wurde vielen Konsumenten zu teuer, Maschinen übernahmen weltweit die Produktion. Mitte der 90er Jahre wurde die Glasherstellung in Düren eingestellt.

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