Eine Zeitreise durch die Goldenen Bücher der Stadt

Von: Anne Welkener
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Der Lieblingseintrag von Sabine Briscot-Junkersdorf, Leiterin der Abteilung Repräsentation im Rathaus, ist von Johannes Rau, dessen Besuch sie noch heute in guter Erinnerung hat. Foto: Welkener
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Uwe Seeler signierte im dritten Goldenen Buch der Stadt. Foto: Welkener
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Das noch leere fünfte Goldene Buch (rechts) und seine Vorgänger. Das erste ging verloren. Foto: Welkener

Düren. Vier große, in Leder gebundene Bücher liegen auf dem Tisch und der ganz eigene Geruch von altem Papier liegt in der Luft. Ihrem Namen werden die Goldenen Bücher der Stadt Düren mit ihrem braunen Einband zwar nicht gerecht, aber wie so häufig kommt es auf die inneren Werte an und die sind ein Stück Stadtgeschichte.

Hier steht Bundestagspräsident Norbert Lammert auf der einen und Comedian Paul Panzer auf der darauffolgenden Seite. Dürener Volleyballteams, Ehrenamtler und Besucher aus den Partnerstädten haben sich genauso verewigt wie nationale und internationale Politiker, Geistliche, Künstler und weit gereiste Gäste. Die Niederlande, Frankreich und Belgien sind mit Repräsentanten oft vertreten, einige Seiten sind aber auch mit chinesischen Schriftzeichen gefüllt oder erinnern an Besucher aus Ägypten, Israel, Litauen, den USA, Kuba, Indien, Griechenland, Nicaragua, Aserbaidschan und Peru.

Wer die Bücher der Reihe nach durchblättert, begibt sich auf eine Zeitreise, die vom Jahr 1948 bis in die Gegenwart reicht. Ein noch älteres Goldenes Buch, in das sich 1930 als erster der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg eintrug, ging bei der Zerstörung der Stadt am 16. November 1944 verloren. Im zweiten Buch, das in den Jahren 1948 bis 1993 benutzt wurde, sind neben vielen anderen die Unterschriften von Konrad Adenauer, Walter Scheel und Johannes Rau zu sehen.

Von 1994 bis 2003 besuchten unter anderem Schauspielerin Ellen Schwiers, das Pop-Duo Modern Talking und Fußballnationalspieler Uwe Seeler die Stadt. Das aktuelle Goldene Buch hat den ersten Eintrag im September 2003 bekommen und umfasst die Signaturen von Armin Laschet, Wolfgang Niedecken, Paul Kuhn und Hannelore Kraft.

Während Kalligraph Peter König ehrenamtlich jeden Eintrag vorbereitet, indem er Gast, Anlass und Datum in schönster Schrift auf die Seiten schreibt, nehmen sich die Besucher nur selten Zeit, mehr als ihren Namenszug zu hinterlassen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Besonders bewegende Sätze schrieben im Juni 2003 die Nachfahren einiger Holocaust-Überlebender, die Düren besuchten, weil hier Familienangehörige gewohnt hatten. Jonathan Herrman aus Sydney hinterließ einen Dank für die warmherzige Aufnahme und Gastfreundschaft in Düren und beendete seinen mehrzeiligen Gruß mit dem Satz: „Knowledge destroys intolerance“ (Wissen zerstört Intoleranz).

Ein Jahr später, im November 2004, schrieb Henryk Baranowski, der Intendant des Schlesischen Theaters Kattowitz, in großen geschwungenen Lettern ein Goethe-Zitat: „Was glänzt, ist für den Augenblick geboren. Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.“ Weiter ergänzte Baranowski, dass er hoffe, mit den gemeinsamen Beziehungen und Gesprächen mit den Dürenern das Echte und Neue zu schaffen.

Hintergrund zu seinem Besuch war, dass das alte Theater Düren, das im Krieg zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut wurde, vom gleichen Architekten entworfen worden war wie das Theater Kattowitz. Eine Delegation aus Düren war deshalb dorthin gereist, um sich das Gebäude selbst anzusehen, woraus ein interessierter Austausch zwischen den Kunstschaffenden beider Orte entstand.

Zum Schmunzeln regt der Eintrag von Charles Einstein, dem Urenkel des Nobelpreisträgers Albert Einstein, an. Er war am 27. Januar 1998 in Düren – aus welchem Anlass, geht aus dem Buch nicht hervor – und verewigte sich wie folgt: „Ein ‚bescheidenes‘ Grüsschen von einem kleinen Schweizer. Alles Gute an Düren!“ Unterschrieben ist die Seite mit „Charly Einstein + Vera + Pepito (der Hund)“.

Nachdenklich stimmt dieser Tage hingegen der Eintrag vom 23. November 1987. Der türkische Generalkonsul Nurettin Nurkan schrieb auf Englisch, dass er den Besuch in Düren in Erinnerung behalten möchte und dass die Türkei und Deutschland die gleichen allgemeinen Werte und demokratischen Prinzipien hätten.

Mittlerweile gibt es im Rathaus vier Goldene Bücher, die sich grundsätzlich sehr ähnlich sehen, aber in Details wie der Art des Leders oder der Ausarbeitung des Stadtwappens unterscheiden. Während die älteren Exemplare im Archiv verwart werden, liegt das aktuelle Buch sicher im Safe der Abteilung Repräsentation.

Deren Leiterin ist Sabine Briscot-Junkersdorf, der die Goldenen Bücher spürbar am Herzen liegen. Besonders gern denkt sie an den Besuch von Johannes Rau zurück. „Das hatte etwas Erhebendes“, erinnert sie sich an ihre ersten Jahre im Dürener Rathaus zurück. Aber auch heute noch sei jeder Eintrag ins Goldene Buch etwas besonderes für sie, so Briscot-Junkersdorf.

Im aktuellen Goldenen Buch sind noch einige Seiten frei, aber sein Nachfolger wartet schon auf seinen Einsatz. Angefertigt wurde es – wie zwei Bücher zuvor – in Handarbeit von Mitarbeitern der Rurtalwerkstätten. Es ist ein bisschen größer, aber nicht ganz so dick wie das vorangegangene und in hochwertiges Rindsleder gebunden. Sobald das aktuelle Buch voll ist – spätestens nach dem Ehrenamtstag im nächsten Jahr – soll es zum Einsatz kommen. Man darf gespannt sein, welche Persönlichkeiten sich dann auf den noch blanken Seiten verewigen werden.

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