Eine Scheune mit gut erhaltenen Kirmesraritäten

Von: Jörg Abels
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Wenn Hansi Gormanns auf die fein säuberlich sortierten und gut erhaltenen Einzelteile des wahrscheinlich rund um 1890 erbauten Karussells blickt, bekommt er glänzende Augen. Foto: Jörg Abels

Düren. Für einen unbedarften Außenstehenden sind es wohl nicht mehr als paar Metall- und Holzteile, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Für Hansi Gormanns aber ist es mehr. Der 62-jährige Schausteller bekommt glänzende Augen, wenn er auf die fein säuberlich aufgereihten und sortierten „Puzzlestücke“ blickt.

Den gut zwölf Meter langen Holzmast, den ersten Motor, der noch mit einer Salzlösung gesteuert wird, und den ursprünglichen Pferdeantrieb ablöste, und das Getriebe. Gormanns steht vor den Einzelteilen eines alten Pferdekarussells.

„Ich schätze Baujahr 1890, denn die verarbeiteten Messingteile sind genietet. Geschweißt wurde erst ab dem 20. Jahrhundert“, erklärt der 62-Jährige. Ein Pferdekarussell, wie es nur noch ganz wenige in Deutschland geben dürfte. Davon ist Gormanns überzeugt. Er glaubt sogar, dass sein jüngster Fund angesichts seiner Größe einzigartig ist. Und nicht nur das. „Das Fahrgeschäft ist bis auf die Pferde komplett erhalten“, freut sich Gormanns. Sicher, die Metallteile haben im Laufe der Jahre Patina angesetzt, die auf Leinwand gemalten Motive sind verblasst, und das eine oder andere Holzelement wirkt brüchig. Nichts aber, was nicht repariert werden könnte. Davon ist Gormanns überzeugt. Zwei Jahre hat der 62-Jährige für die Restauration veranschlagt. Dann soll das Schätzchen wieder im ursprünglichen Glanz erstrahlen.

Seit Hansi Gormanns die Reise kreuz und quer durch die Republik seinen Kindern überlassen hat, hat der Chef der alteingesessen Schaustellerfamilie – früheste Dokumente reichen bis ins Jahr 1861 zurück – sein Herz an historische Fahrgeschäften verloren, die er in den Hallen der früheren Zuckerfabrik an der Paradiesstraße in Düren mit den Angestellten des Familienunternehmens restauriert und auf Vordermann bringt. Aktuell werkelt das Team noch an einem Karussell, das in den frühen Jahren der ehemaligen DDR gebaut wurde.

Auf die Spur des alten Pferdekarussell hat ihn eine Anzeige im Schausteller-Fachmagazin „Comet“ geführt. Der heute 77-jährige Sohn eines bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstorbenen Kollegen wollte das in einer alten Scheune eingelagerte Vermächtnis seines Vaters in guten Händen wissen. Gormanns nahm Kontakt auf und fuhr nach Hofheim im Taunus, unweit von Frankfurt am Main. Als er das Tor der Scheune öffnete, wollte er seinen Augen kaum trauen.

Auf drei Etagen verstreut lagen nicht nur die Einzelteile des Karussells, sondern auch die einer großen, überdachten Schiffschaukel. Auch zwei der früher schaustellertypischen Kirmesorgeln fand er, daneben einen Wohnwagen aus dem Jahr 1912. Alles gut erhalten und absolut trocken gelagert. „Das war unser Glück.“ Zwei Transporterladungen hat Gormanns mittlerweile bereits nach Düren gebracht, zwei weitere sollen folgen.

Und dann beginnt die Kleinarbeit. Während das Pferdekarussell nur Ausstellungsstück werden und einmal neben der Orgel, um die sich eine Fachfirma kümmern wird, im Eingangsbereich des Gormannschen‘ Familien- und Freizeitpark in Eschweiler stehen soll, will Hansi Gormanns die 1929 von der Kölner Firma Achtendonk erbaute Schiffschaukel nach der Restauration auch wieder auf Reisen schicken.

Denn anders als beim Karussell ist bei der Schiffschaukel auch noch das Originalbaubuch vorhanden. Und das Besondere, erklärt Gormanns: „Geschaukelt werden kann in diesem Geschäft sogar bis zu einem Winkel von 120 Grad.Schade nur, dass ich die Geschäfte nicht früher gefunden habe, dann hätte ich sie vielleicht schon zum Annakirmes-Jubiläum präsentieren können“, sagt der 62-Jährige.

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