Eine Reise in die Vergangenheit

Von: kin
Letzte Aktualisierung:
8651384.jpg
Das Bismarck-Denkmal hat Gerald Powell auch 1945 schon in Düren gesehen.

Langerwehe/Düren. Für Gerald Powell (90) aus Texas in den USA war es eine Reise in die Vergangenheit. Eine sehr emotionale Reise. Der Veteran, der als 20-jähriger Sanitäter mit dem „329th Medical Bataillon“ der 104. US Division in Düren und Merode war, wollte seiner Frau, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn seine Einsatzorte im Zweiten Weltkrieg zeigen.

Zwei Tage lang hat der rüstige Senior im Rahmen einer Europareise die Region besucht, Albert Trostorf aus Merode hat den Amerikanern die Gegend gezeigt.

„Gerald Powells Tochter hat per E-Mail Kontakt mit mir aufgenommen. Mein Name ist bei den Kriegsveteranen in Amerika bekannt, weil ich mich seit 37 Jahren mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs auseinandersetze“, sagt Trostorf. Rund 20 Mal zeigt er jedes Jahr amerikanischen Kriegsveteranen die Kriegsschauplätze der Region.

Gerald Powell besuchte zuerst den Eschweiler Stadtteil Weisweiler. Dort, wo einst die Brikettfabrik gestanden hat und heute ein weitläufiges Industriegebiet ist. Dort hätte das Leben des jungen Sanitäters fast ein jähes Ende gefunden. Powell berichtete: „Ich hatte einen Verwundeten aus Merken zurückgebracht. Wir lagen in der Brikettfabrik. Plötzlich hörten wir Flugzeuge näherkommen. Es waren unserer eigenen Bomber. Sie warfen ihre Bomben auf unsere Position ab. Diese trafen die Fabrik und richteten unheimliche Verwüstungen an. Viele Kameraden fielen dem ‚Friendly Fire‘ zum Opfer, darunter ein sehr guter Freund von mir.“

Ende November, so der Veteran weiter, sei der Vormarsch seiner Division weiter in Richtung Rur gegangen. „Die Dörfer Lamersdorf und Lucherberg wurden erobert. Wir Sanitäter mussten uns pausenlos um die verwundeten Kameraden kümmern.“

Auch die Kirche von Merken hat Gerald Powell besucht. „Daran kann ich mich noch gut erinnern“, sagt der Veteran sichtlich berührt. „In Lucherberg waren unsere Verluste besonders hoch. Hinter Lucherberg lag die Ortschaft Merken, direkt an der Rur. Hier kam es zu schweren Gefechten rund um die Kirche. Unten im Kirchturm stand eine deutsches Geschütz, welches unseren Leuten schwer zu schaffen machte. Von der Kirche ist nur der Turm erhalten geblieben. In Merken blieben wir bis Mitte Februar 1945. Danach ging es weiter. Mit einem Schlauchboot überquerten wir die Rur und griffen dann Huchem-Stammeln an.“

Ende Februar 1945 seien sie dann in den Ruinen von Düren angekommen. „Die Stadt war total zerstört. Der viele Dreck und Schutt waren für mich als junger Mann nur sehr schwer zu verkraften. Das tut heute noch weh, wenn ich daran denke. Die Erinnerungen an den Krieg sind sehr schlimm.“ In Düren hat Gerald Powell auch die übergroße Statue des Reichskanzlers Otto von Bismarck gesehen. „Es hat mich damals beeindruckt, dass diese markante Statue das Bombardement überstanden hatte. Ich nahm meine Kamera und machte ein Foto von der Statue.“ Und genau dieses Foto hatte Gerald Powell bei seinem Besuch an der Rur fast 70 Jahre später auch wieder dabei.

„Düren ist nicht mehr wiederzuerkennen. Ich konnte mich daran erinnern, dass die Bismarckstatue damals inmitten eines Kreisverkehrs auf einer Straßenkreuzung gestanden hat. Im Gegensatz zu mir ist der Bismarck in den vergangenen 70 Jahren keinen Tag älter geworden.“ Die Reise nach Deutschland, so Gerald Powell, sei für ihn sehr ergreifend gewesen. „Diese Rückkehr an die Orte, an denen ich im Krieg so schlimme Dinge gesehen und erlebt habe, werde ich nicht vergessen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert