Eine Oper nicht für, sondern mit Kindern

Von: Naima Wolfsperger
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In der Oper wird gesungen: Ein Teil des Chors übt mit Matthias Kleinert von der „Jungen Oper Detmold“ die musikalische Begleitung der Schauspieler. Die Arien werden aber von den Profis übernommen. Foto: nai
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Keine Liebesszene: Die kleine Elisa ist noch ein wenig verlegen, während Lara Herrmann die verliebte Prinzessin Pamina Nummer 3 spielt. Foto: nai
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Tamino Nummer 2 (Leon Grappatin) sieht Pamina zum ersten Mal. Foto: nai

Vossenack. Wütend, traurig, erstaunt, fröhlich – und dann sollen sie verliebt gucken. Die Schüler der Grundschule Vossenack kichern. Sie werden von Profis geschult, und die Stimm- und Atemübungen zum Aufwärmen unterscheiden sich kaum von jenen, die die großen Sänger machen, bevor sie die Bühnen der Welt betreten.

Was die Kleinen da für ihre Aufführung am Freitag in der Aula im Franziskus-Gymnasium einstudieren, ist vielleicht die bekannteste Kinderoper der Welt: „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Und dennoch ist die Aufführung in Schulen eine Seltenheit.

Theaterstücke, Zirkus und sogar Musicals gehören regelrecht zum Standardrepertoire der kulturellen Bildung an Schulen. Opern von Kindern aufführen zu lassen, die nicht in diesem Bereich ausgebildet sind, das sei ein einzigartiges Projekt in Deutschland, sagt Stefan Lindemann.

Der 50-Jährige arbeitet bei der „Jungen Oper Detmold“, einer Projektgruppe, die von der Grundschule Vossenack/Bergstein für eben diese Aufführung engagiert wurde. Lindemann und sein Kollege Matthias Kleinert (34) unterrichten seit zwei Jahren Kinder in Opern, und das an Schulen in ganz Deutschland.

„Mit Grundschülern beschränken wir uns auf ‚Die Zauberflöte‘, ‚Bastien und Bastienne‘ von Mozart oder auf ‚Abu Hassan‘ von Carl Maria von Weber“, sagt Lindemann. Er ist für den Schauspielunterricht zuständig. Kleinert schult die Kinder, die den Chorgesang für das Stück darbieten. Auch hierbei ist Emotion gefragt, denn die Gesichter der kleinen Sänger sollen dem Gefühl, das im Gesang beschrieben wird, noch stärkeren Ausdruck verleihen.

„Musik kommt oft zu kurz“

Das einzige, was die Schüler nicht lernen müssen, sind die Arien. Die werden von den Profis übernommen. „Das wäre dann auch einfach zu viel verlangt“, sagt Lena Mölders, eine der Lehrerinnen. „Eine Oper mit Grundschülern aufzuführen ist sicherlich schon ungewöhnlich genug.“

Die Idee sei bei einer der Lehrerkonferenzen aufgekommen. Schulleiterin Ursula Welzel habe von den Projekten der „Jungen Oper Detmold“ gehört, die sich zum Ziel gemacht hat, die Oper nicht für, sondern mit Kindern zu erleben. „Musik kommt oft zu kurz an den Schulen. Gerade Klassik und Oper“, erklärt Lena Mölders, warum man sich an der Grundschule ganz bewusst für eine musikalische Aufführung entschieden hat.

Für die Oper arbeiten die Lehrer und Schüler beider Schulstandorte zusammen. „Allgemein versuchen wir bei kulturellen Projekten die Gemeinschaft zu fördern“, sagt Mölders. „Jede Klasse hat in etwa die gleiche Anzahl an Sprech- und an Singrollen zur Verfügung. Die Kinder haben die Rollen weitgehend selbstständig untereinander aufgeteilt.“

Dann mussten die Kleinen wochenlang auswendig lernen und wurden schließlich in Klassen- und Standort übergreifende Gruppen aufgeteilt. So bekommt jeder die Chance, im Mittelpunkt zu stehen, denn die einzelnen Figuren werden von verschiedenen Kindern gespielt.

Deshalb ist die kleine Elisa Lüttgen auch Tamino Nummer 4. Und Tamino Nummer 4 kann sich ein verlegenes Lächeln noch nicht ganz verkneifen, obwohl sie den Prinzen in seiner ersten Prüfungsszene spielt. Eigentlich ist Tamino der Verzweiflung nahe, in diesem herzzerreißenden Moment, als Pamina neben ihm sitzt und er, um sich ihrer verdient zu machen und die Regeln des Herrschers Sarastro zu befolgen, schweigt.

Humorvoll aber bestimmt erklärt Stefan Lindemann die Bedeutung der Szene. Er verzieht sein Gesicht vor Trauer – die Kinder lachen. Dann machen sich aber die Grimassenübungen aus dem Aufwärmtraining bezahlt.

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