Düren - Eine Lehrstunde für das starke Geschlecht

Eine Lehrstunde für das starke Geschlecht

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Der Mann wurde zum Objekt ihrer Kabarett-Begierde: Lioba Albus hatte kein Mitleid mit den „Ärmsten der Armen”. Foto: Schmitz

Düren. Sie hatte sich aufgetakelt, weil sie ins „Mode-Mekka” Düren kam. Als „Botschafterin des guten Geschmacks” wollte die Kabarettistin Lioba Albus mit ihrem alternativen Ich, Mia Mittelkötter, im Komm angesehen werden.

Ausverkauft war der Saal und auf der Bühne eine Frau, die mit ihrem Programm „Hitzewallungen” Kabarett für Frauen machte und von Beginn an keinen Zweifel ließ, wem an diesem Abend die Stunde geschlagen hatte: dem Mann. Ein Wesen mit einem „Wanderhirn”, das nicht dort ist, wo man es vermutet, sondern durch die Schwerkraft nach „unten” gezogen wurde, der „typische Berlusconi-Effekt”. Und dieser Körperteil, „den der Mann zum Denken benutzt”, musste so manchen Wortschwall über sich ergehen lassen, vor den ihn auch kein Suspensorium geschützt hätte.

Drastisch ging es zu, manchmal bissig und biestig. Sie nahm kein Blatt vor den Mund, stichelte handfest gegen das andere Geschlecht, nahm die „schäbige Expansion” auf die Schippe, wenn Männer an Leibesumfang zunehmen, träumte von schlanken, knackigen Kerlen und ließ durch Mias Gatten Gustav angesichts seines „Gerstensaftspoilers” Einfältiges verkünden:” Was brauchst du ein Sixpack, wenn ich mir ein Fässchen leisten kann”. Trostvoll für die wenigen Männer im Komm-Keller, die von der Bühne „lustvoll” gefragt wurden, ob sie „mit mussten oder mit wollten”.

Ein Kabarettabend zwischen fein und gemein. Lioba Albus erzählte von Erlebnissen in der Sauna, nahm das Publikum mit zum hoffnungsvollen, heißen Salsa-Abend mit den „Latrin-Lovers”, um wieder „Feuer zu fangen”, schilderte das Debakel mit dem deutschen Spargeltarzan, dessen „Hüftdrehungen einem Schleudertrauma” glichen.

Aber auch Lebenstipps wurden von der Sauerländerin „in aller Kürze breit getreten”. Liebesfilme anschauen, riet sie, da lernen die Frauen „die Dinge kennen, welche das normale Leben für sie nicht ausgepackt hat”. „Schlammcatchen” ansehen, „zur Vorbereitung auf den eigenen Kerl, um die innere Glut zu wecken”, weil dann der Blick auf den Angetrauten den Schluss zuließe, „es hätte noch schlimmer kommen können”.

Ob mit oder ohne Perücke, dann blond mit burschikosem Haarschnitt: taff war sie immer, ein mimisches Talent, mit spitzem Witz. Im scheinbar harmlosen Plauderton las sie auch den Frauen die Leviten. Warnte alle, die noch immer „vom Prinzen auf weißem Pferd träumen”. Heute seien dies jene „mit den weißen Haaren, die versuchen ihren Herbst mit jungem Frühling in Schwung zu bringen”. Die eigenartigen Anwandlungen der Frauen beim eigenen Aussehen, das ständige in den Spiegel sehen, nahm sie aufs Korn. Ein Mann guckt mit Mitte 20 einmal in den Spiegel und das müsse für den Rest des Lebens halten. Frauen betrachteten ständig ihre Haut. Mias Trost: „Je faltiger die Haut, desto größer die Bewegungsfreiheit”. Ihr eigenes Ego poliere sie auf, in dem sie Liebesromane in der Ich-Form lese. Einsam, folgerte die Wortgewaltige, sei man erst dann, wenn man „im Pelzmantel gewandet, sich in den Streichelzoo einschleicht, um etwas abzubekommen.”

Lioba Albus schlüpfrig-bösen Witze, ihr ironischer Blick auf alles Männliche: Beißendes Kabarett wurde geboten in einem Lustspiel zwischen Wollen und Können. Das überwiegend weibliche Publikum nahm ihr nichts übel, hatte spürbaren Spaß, wenn es in die Vollen ging. Eine Lehrstunde für das starke Geschlecht.
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