Eine Künstlerin wagt mehr und mehr

Von: Bruno Elberfeld
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Gemeinsam eröffneten Malerin Gerda Tengler und Bürgermeister Peter Cremer die Ausstellung „Gesehenes und Phantasiertes“ im Haus des Gastes. Foto: Bruno Elberfeld

Heimbach. Schon viele Male hat Gerda Tengler im Heimbacher Haus des Gastes ausgestellt. „Ich liebe dieses Haus“, bekennt die Malerin, die mit ihrem Mann in Dormagen und in Hasenfeld wohnt. Und deshalb müsse sie immer wieder kommen, sich die Kunstwerke anderer anschauen oder auch eigene ausstellen.

Dem Besucher fallen auf den ersten Blick die großen Gemälde rechts an der Kopfseite des Ausstellungsraumes auf. Es sind Köpfe, Mitglieder ihrer Familie, recht bunt, durch Linien in ihre Grenzen verwiesen.

Gerda Tengler beschreitet mit diesen großen Porträts einen neuen Weg. Neu, weil die Köpfe überdimensional und mit bunten Acrylfarben expressiv auf Leinwand gebracht sind. Als Gegenstück hat sie um die Ecke das Ganzkörperporträt ihrer Mutter hängen, vor vielen Jahren gemalt, groß, Öl auf Leinwand, ganz Realität, der guten Stube Mitte des vergangenen Jahrhunderts durchaus würdig.

Schaut man sich weiter im Ausstellungsraum um, begegnen einem die unterschiedlichsten Farben, Gouache, Aquarell, aber auch Zeichnungen, denn vor dem Malen steht in vielen Fällen die Zeichnung.

Gerda Tengler, so drückt sie es aus, hat sich in den vergangenen Jahren mit zunehmendem Alter „frei geschwommen“. Der Satz „Ich wage mehr, schaue nicht mehr nach rechts oder links, was wohl meine Kritiker sagen könnten“, zaubert ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Körper ohne Augen

Viele ihrer Motive findet sie auf ihren Reisen im In- und Ausland. Da ist ein Platz in Riva am nördlichen Gardasee. Den Zauber des Orients hat sie in Indonesien und Sri Lanka erspürt. Köpfe – im Gebet versenkt – mahnen zur Stille. Flüchtlingsbilder aus Afrika lassen den Betrachter innehalten. Sie zeigen die Armut und die Trockenheit und Familien auf der Flucht. Die Bilder schrecken bewusst nicht ab, denn die Künstlerin möchte, dass die Besucher ihre Gedanken denken, nicht in Schockstarre verfallen.

Sehr beeindruckend sind die Bilder, die Gerda Tengler und ihrem Mann immer wieder in der Umgebung von Heimbach begegnen: In einem Wald abgestorbener Bäume liegen da umgestürzte Bäume mit großen Baumwurzeln. „Unter den Wurzeln“, so Tenglers Gedanke, „gibt es tausendfältiges Leben in Form kleiner Organismen.“ Und diesen winzigen Bewohnern hat sie Körper nackter Frauen, ohne Münder, ohne Augen gegeben.

Die Laudatio hielt Bürgermeister Peter Cremer, der kurz die Vita Tenglers beleuchtete und die Frage stellte, ob Menschen die Kunst brauchen? Gerda Tengler, so Cremer, zeige, dass dem Menschen ohne Kunst etwas fehle, denn wer könne schon so perfekt wie die Malerin zu Gedanken anregen, die eigene Fantasie beflügeln und jeden ein Bild von der Welt entstehen lassen?

Die Bilder sind zu sehen bis 31. Juli, täglich von 10-12 Uhr und von 14-17 Uhr.

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