Düren - Eine kleine Geisterstadt in Bahnhofsnähe

Eine kleine Geisterstadt in Bahnhofsnähe

Von: Christoph Lammertz
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Wer vom Bahnhof aus über die Josef-Schregel-Straße Richtung Innenstadt geht, passiert auf den ersten Metern lauter leerstehende Ladenlokale. Die Straße ist kein würdiges Entree für die Stadt Düren. Foto: Lammertz

Düren. Die Szenerie wirkt beinahe gespenstisch. Wer sich vom Dürener Bahnhof über die Josef-Schregel-Straße Richtung Innenstadt bewegt, muss auf den ersten Metern den Eindruck haben, in einer Geisterstadt gelandet zu sein.

Ein ehemaliges Bürohaus der Bahn - seit Jahren leer. Eine frühere Spielhalle - dicht. Eine Imbissstube - verlassen. Eine Kneipe - geschlossen. Die Josef-Schregel-Straße ist kein würdiges Entree für die Stadt Düren. Sieben von gut 30 Ladenlokalen stehen leer. Kleine wie der Snackladen, in dem in den vergangenen Jahren Griechen und Asiaten vergeblich versuchten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Geblieben sind nur ihre Leuchtreklamen. Aber auch große Geschäftsräume wie das ehemalige Bettenhaus Thiemonds oder die frühere Heimat der Verbraucherzentrale an der Ecke zur Gutenbergstraße sind seit langem ungenutzt.

„Aufwertung der Josef-Schregel-Straße”: Im Wahlprogramm der CDU, die vermutlich mit der FDP in den kommenden fünf Jahren die Regierungsverantwortung trägt, findet sich dieser Punkt in der Rubrik „Stadtentwicklung”. Aber was kann die Politik, was kann eine Stadt überhaupt unternehmen, um eine Situation, wie sie in der Josef-Schregel-Straße entstanden ist, zu verbessern?

„Alleine sehr wenig”, räumt CDU-Fraktionschef Karl-Albert Eßer ein. Es gebe Landesprogramme zur Aufwertung von Vierteln und Straßenzügen, also Fördertöpfe, aus denen man gerne löffeln würde. Am wichtigsten sei aber die Zusammenarbeit mit den Immobilienbesitzern. „Wir sollten sie an einen Tisch bringen und mit ihnen über ihre Erwartungen und Ziele sprechen”, sagt Eßer.

Er ist überzeugt davon, dass „der schleichende Abbruch dieser Straße” nur mit einer Neukonzeption gestoppt werden kann. Und dabei werde der Einzelhandel vermutlich nicht die entscheidende Rolle spielen. Innenstadtnahes Wohnen, möglicherweise betreutes Wohnen für ältere Menschen, könnte laut Eßer ein Thema sein.

Dass in der Josef-Schregel-Straße die Zeit zurückzudrehen ist und dort noch einmal eine, wie Eßer es nennt, „gutbürgerliche Einkaufsstraße wie vor 30 Jahren” entsteht, hält der CDU-Mann für utopisch. „Die Billigläden, die das Bild dieser Straße prägen, sind auch ein Stück weit eine Antwort auf die Sozialstruktur der Stadt”, weiß Eßer.

Auch Citymanager Wilhelm Streb hat die Josef-Schregel-Straße seit langem im Blick. „Ein fertiges Konzept, um diese Straße aufzuwerten, haben wir nicht in der Schublade”, sagt Streb.

„Aber es tut sich was.” Die Stadt stehe in engem Kontakt mit den Immobilieneigentümern. Nachgedacht werde über die Gründung einer Interessen-Standort-Gemeinschaft, wie sie beispielsweise für eine Problemstraße in Düsseldorf gegründet wurde.

Über die dortigen Erfahrungen habe man sich bereits unterrichten lassen, sagt Streb. Kurzfristig werde sich die Leerstandssituation in der Josef-Schregel-Straße dadurch entschärfen, dass in die früher von der Verbraucherzentrale genutzten Räume eine Fahrschule einzieht, und zwei Privatleute in die leer stehenden Ladenlokale am bahnhofsnahen Ende der Straße investieren wollen. Langfristig sieht Streb aber wie Eßer die Notwendigkeit, über neue Nutzungsmöglichkeiten nachzudenken.

Denn seit der Hauptausgang des Bahnhofs nicht mehr zur Josef-Schregel-Straße führt, sei die Kundenfrequenz dort rapide gefallen, was dem Einzelhandel natürlich schwer zu schaffen mache.

Ein qualitativ hochwertiges Angebot sei im „leider immer noch sehr verbesserungsbedürftigen Bahnhofsumfeld” kaum noch an den Kunden zu bringen. Wohnen und Dienstleistung könnten deshalb auf lange Sicht die Alternativen zum Einzelhandel in der Josef-Schregel-Straße sein.
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