Düren - Eine Jazz-Perle im Keller des ehemaligen Fabrikgebäudes

Eine Jazz-Perle im Keller des ehemaligen Fabrikgebäudes

Von: han
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Faszinierten das Publikum in der Kulturfabrik mit unglaublicher Wandlungsfähigkeit: Trompeter Matthias Schriefl und seine ebenfalls erstklassigen musikalischen Mitstreiter. Foto: Schmitz

Düren. Ein Bayer blies den Besuchern in der Kulturfabrik Becker & Funk die Töne - so gut an der Trompete, dass sogar dem Präsidenten des arg gebeutelten GFC Düren 09, Henner Schmidt, die Sorgenfalten aus dem Gesicht wichen, weil er als Mitveranstalter der Reihe Planet Jazz über den Auftritt des Matthias Schriefl Trio ebenso begeistert war wie das Publikum.

Es war eine „musikalische Collage”, die das Trio bot, welches später mit dem hervorragenden Kölner Jazzpianisten Martin Sasse zum Quartett wurde.

Im Blickpunkt aber Trompeter Matthias Schriefl, der schier „Unmögliches” seinem Instrument entlockte. Bekanntes wurde verfremdet, Vertrautes zu provozierenden Melodienfolgen. Ein eigenwilliges, virtuoses Spiel, so humorvoll frech und herausfordernd wie seine Zwischenmoderationen.

Da glaubt man sich beim New Orleans Jazz, schon wechseln die Tempi und Rhythmen, der Charakter des Stücks verändert sich, eine poppige Variante des Bebops erklingt, Punk-Klänge ziehen sich durch das Spiel, Rock-Modifikationen treffen die Ohren, fast ausbruchsartig findet man sich im Modern Jazz wieder, um dann in den Soul Jazz über zu gleiten.

Eine Montage verschiedener Jazz-Stile bietet der gebürtige Allgäuer, der zurzeit in Köln lebt. „Bayerisch” gebieterische Töne mit schrillen Passagen wechseln zu sanften Balladen. Sein Auftritt ist Überraschung pur, man muss auf alles gefasst sein. Er veralbert den Jazz nicht, aber er geht auch nicht gerade respektvoll mit ihm um - und dies macht sein Spiel um so faszinierender.

Eine Jazz-Perle im Keller des ehemaligen Fabrikgebäudes, die glänzen kann, weil sie mit Alex Morsey einen exzellenten Bassisten und mit Jonas Burgwinkel einen erstklassigen Schlagzeuger zur Seite hat, die mit atemberaubenden Soli sich auch selbst in den Vordergrund spielen können. Ernst wurde Schriefl, wenn er in die Jazz-Geschichte eintauchte und Stücke von Nat Adderly oder Clifford Brown interpretierte. Da kam Achtung, fast Demut auf, vor allem als er den Lebensweg von Tom Harrell schilderte, der an Schizophrenie leidet und trotzdem ein fantastischer Trompeter ist.
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