Eine Idee aus Düren: Die Weste, die Leben retten kann

Von: Jörg Abels
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Beim Kampf gegen die Flammen gehen viele Feuerwehrmänner bis an die körperliche Grenze. Mit der Entwicklung des Düreners könnte die Einsatzleitung jederzeit die Vitalfunktionen überwachen und einschreiten, bevor der Kamerad erschöpfungsbedingt in Gefahr gerät. Foto: imago/Jochen Tack

Düren. Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an: Viele Menschen, die in eine Notsituation geraten, könnten gerettet werden, wenn ihnen nur schnell genug geholfen würde. Das musste ein Bekannter von Benedikt Janssen in der eigenen Familien erleben.

Die Großmutter stürzte im Garten, verletzte sich schwer an der Hüfte, war nicht in der Lage, Hilfe zu holen. Erst nach zwei Tagen wurde die völlig unterkühlte Frau gefunden, verstarb aber wenig später an einer Lungenentzündung.

Für den Dürener Studenten an der FH Aachen war dies so etwas wie ein Schlüsselereignis. Mit Jan Kempken vom Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik entwickelte der 27- jährige Dürener eine Weste, die im Notfall Leben retten kann. Sie wird aktiviert, wenn der Herzschlag oder die Atemfrequenz des Trägers unter oder über einen bestimmten Schwellenwert fällt oder steigt. Eine Kontrolleinheit versendet dann automatisch eine SMS mit den letzten gemessenen Positions- und Vitalfunktionsdaten.

Informationen, die direkt an die Leitstelle des Rettungsdienstes weitergegeben werden können, so dass der Notarzt bereits eine erste Ferndiagnose stellen kann. „Außerdem kann eine zusätzliche Computersoftware die zuletzt empfangenen GPS-Koordinaten und Vitalfunktionen auch auswerten und damit eine genaue Rekonstruktion des Weges erstellen, den die zu rettende Person zurückgelegt hat”, erklärt der Dürener, der auch Heizelemente in die damit wintertaugliche Weste integriert hat, die die den Träger im Notfall vor Unterkühlung schützen sollen.

Wenn Benedikt Janssen über mögliche Anwendungsgebiete spricht, denkt er in erster Linie an Seniorenheime. Mit der Weste könnten beispielsweise auch vorerkrankte Senioren ohne Begleitung einen Spaziergang wagen, da die Pfleger jederzeit wissen, wo sich die Person aufhält und wie es ihr körperlich geht.

Zwei Preise haben Benedikt Janssen und Jan Kempken mit ihrer Lebensretterweste bereits errungen, einen nationalen und vor wenigen Tagen einen internationalen in Peking. Längst ist auch die Wirtschaft auf die beiden Studenten aufmerksam geworden. Im Rahmen seiner Abschlussarbeit passt der 27-jährige Dürener das Konzept der Weste, das ohne Heizelemente problemlos auch auf einen Gurt übertragen werden könnte, für einen weiteren Einsatzmöglichkeit an: die Feuerwehr. „Die Einsatzleitung könnte mit unserer Entwicklung die Vitalfunktionen aller Kräfte überwachen”, erklärt Janssen. Und wäre damit in der Lage, beispielsweise unter Atemschutz im Erstangriff gegen die Flammen vorgehende Kameraden zurückzurufen, sollten sich erste Anzeichen körperlicher Erschöpfung bemerkbar machen.

Zwei Firmen unterstützen die Weiterentwicklung finanziell. „Bis Ende des Jahres wollen wir einen fertigen Prototypen präsentieren”, kündigt der Dürener an. Parallel wird derzeit sondiert, ob es für ein solches Produkt auch einen Markt geben könnte. Sollte das Produkt im kommenden Jahr in die Fertigung gehen, ist Janssen überzeugt, dass auch die Lebensretterweste auf den Markt kommen wird.
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