Eine Gürtellinie kennt Barbara Ruscher nicht

Von: Gudrun Klinkhammer
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Unterhält ihr Publikum und ist dabei alles andere als zimperlich: Die Kabarettistin Barbara Ruscher versetzte das Kulturzentrum Komm in Exstase. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. „Alle mal abhusten, ist Erkältungszeit.“ Die Kabarettistin Barbara Ruscher ist mit ihren Zuschauern schnell per Du und kurzgeschlossen. „Sie können mit mir reden, das ist kein Fernseher hier“, macht sie lächelnd klar.

„Wie heißt Du?“, fragt sie einen Mann in der vorderen Besucherreihe und streckt ihm sogleich mit mädchenhaften Charme die rechte Hand entgegen. Der Mann heißt Siegfried. Ruscher: „Das Programm heißt ‚Exstase ist nur eine Phase‘. Siggi, haste ‚ne Idee, was sich dahinter verbirgt?“

Mit derben Mitteln

Was dann am Dienstag im Kulturzentrum Komm während eines SWD-Kommedy-Abends folgte, war ein vitalisierender Angriff auf das Zwerchfell mit teilweise derben Mitteln. Gürtellinie gibt es bei der versierten Kabarettistin, Sängerin und Pianistin nicht. Die Übergänge im Taillenbereich sind völlig fließend, so dass man ihr den ein oder anderen Ausrutscher zwischen die Beine nicht übel nimmt.

Ruscher über Exstase an sich: „In Hannover ist Exstase schon, wenn man vor der Hochzeit seine Frau duzt.“ In Düren ist Exstase, wenn das Publikum über Ruscher-Witze tobt. Stoff für die Munition, die die Schauspielerin, die bekannt ist aus Sendungen wie „Otti’s Schlachthof“, „Ladies Night“ und „Zimmer frei“, auf ihre Zuschauer im Minuten-Rhythmus abfeuert, bieten die Themen des Alltags.

Bloggen im Mutterleib

Die Frühförderung der Kinder beispielsweise. Sören-Wotan aus Köln-Sülz, sechs Monate alt, kann schon „Dinkel“ und „Atomkraft - Nein Danke“ sagen. Die ganz klugen Kinder werden mit der FAZ gewickelt, „das sind dann echte Klugscheißer“. Gar bilingual können sie ihren Namen kacken.

Kultcharakter hat der Blog eines weiblichen Säuglings, der als „Digital Native“ schon im Mutterleib mit dem Bloggen beginnt. „Ich muss raus, packe mir noch ein Stück Mutterkuchen ein und sehe Licht am Ende des Tunnels.“ Die Geburt wird mit den Worten beschrieben: „Bin jetzt draußen. Alle weinen. Bin wohl hässlich.“ Mit betretener Miene, zwei Möhren als Trommelstöcke in den Händen und einem hohlen Kürbis vor sich auf dem Tisch trägt Ruscher ein Lied vor, in dem der Refrain „Vegan ist die neue Religion“ gebetsmühlenartig wiederholt wird.

Es gibt Salat von freilaufenden Ackerfurchen und es gibt den Hinweis, dass Veganer nicht sterben, sondern verwelken. Ruscher weiß, wie das rüberkommt: „Sie denken jetzt bestimmt, die hat sie nicht mehr alle, aber man muss heutzutage Humor haben.“

Nachhaltig auch die Polyester-Schwester Pamela, die Pullis für acht Euro trägt. Wenn die vom Zumba kommt, kann sie keiner mehr riechen. Und die Frau, die sich eine Bluse für fünf Euro zulegt und gleichzeitig acht Euro Parkgebühren bezahlt. Ruscher: „Da kannste nix sagen.“

Aufpassen muss der Zuschauer bei den Aufzählungen à la Ruscher, denn das letzte Wort ist meist der Witz. „Warum gibt es Regen, Graupel, Schnee und Carmen Nebel?“ stellt sie die Frage in den Raum. Warum isst der Mensch Fleisch, Pute, Huhn und Chippendale?

Ob Sado-Maso-Club, Horst Seehofer und die NSA, die dessen Unfug gar nicht hören will, oder auch die Massentierhaltung – Barbara Ruscher schafft es kabarettistisch klimpernd, den Menschen das Elend der Welt vorzuführen und sie damit auch noch in Exstase zu versetzen.

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