Eine Gleichung mit vielen Unbekannten

Von: Stephan Vallata
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Schwierige Aufgabe: Um die verordneten Reformen umzusetzen, müssen die Gymnasien einen Kraftakt nach dem anderen vollbringen. Foto: imago

Düren. Zentralabitur, G8/G9, Kopfnoten, 90-Minuten-Schulstunden, Nachmittagsunterricht, Mensabau: Bedingt durch den politischen Reformeifer der vergangenen Jahre ist die Schullandschaft - vor allem die Sekundarstufe II - einem steten Wandel unterworfen.

Alles scheint irgendwie immer in Bewegung und beinahe nichts eine unverrückbare Konstante zu sein. In der Praxis bedeutet das: Lehrer, Schüler und auch Eltern mussten binnen kurzer Zeit einen Kraftakt nach dem anderen vollbringen, um den Vorgaben des Gesetzgebers genüge zu tun. Sehnt man sich da an der Bildungsfront nicht nach einer Gefechtspause?

„Muss das sein?”

„In den vergangenen Jahren ist so manche Aktion losgetreten worden, bei der wir uns gefragt haben: „Muss das sein”, sagt Franz Holtz, der Leiter des Rurtal-Gymnasiums. Es müsse nun vornehmlich darum gehen, „kontinuierlich fortzuführen, was wir im Ansatz versuchen umzusetzen”. Holtz hat den hohen logistischen Aufwand als steten Stolperstein ausgemacht, wobei er seine Schule mit Blick auf das Zentralabitur wieder in einem „ruhigeren Fahrwasser” wähnt, und auch G8 sei mittlerweile so weit gediehen, dass der Aufwand Früchte trage.

Dennoch müsse das Rurtal-Gymnasium zeitweise an der Belastungsgrenze arbeiten, hebt Holtz hervor. Seit dem 1. August besteht ein Ganztagesbetrieb, derzeit werden Kellerräume zu einem Selbstlernzentrum und eine Lehrerbibliothek umgebaut. „Wir sind Landesbeamte und müssen dem Staat gegenüber loyal sein”, resümiert Holtz. „Nur es geht nicht, dass man einfach einen Hebel umlegt, und alles funktioniert.”

Wolfgang Habrich, Leiter des St.-Angela-Gymnasiums sieht durchaus die „entlastende Funktion” für das Kollegium, die durch die Einführung des Zentralabiturs geschaffen wurde und spricht von einer „lebbaren Neuerung”. Nur will er sich keine Illusionen über die naturgemäße Beschaffenheit von Reformen machen: „Sie kommen immer schneller, als man gedacht hat, und sind nie so grundlegend vorbereitet, dass alle Eventualitäten berücksichtigt werden.” Er könne sich in seiner Laufbahn an keine Phase erinnern, in der es ein „ruhiges, entwickelndes Arbeiten” gegeben hat, spricht Habrich eine Konstante an, die gerade im Fehlen von konstanten Lehr- und Lernbedingungen besteht.

Warum das so ist? Habrich versucht eine Antwort: „Der Schulsektor ist ein Feld, von dem man glaubt, dort am meisten gestalten zu können.” Jeder Regierungswechsel führe zu schnellen Aktionen. „Das Gefühl, ein Spielball der Politik zu sein, ist weitverbreitet.” Der Schulleiter von St. Angela wünscht sich für die nächste Zukunft, dass die mit G8 begonnene Reform fortgeführt wird. Langzeitfolgen sei aber noch nicht abzusehen, da man sich erst im sechsten Jahr dieses Schulversuchs befinde und der Doppel-Abijahrgang erst 2013 anstehe.

Andreas Grüderich, Leiter der Burgau-Gymnasiums, hält den eingeschlagenen Reformweg für den richtigen. Mit einer Einschränkung: „Man hat uns erhebliche Zusatzaufgaben gegeben, die alle sinnvoll sind, aber damit man sie zum Wohle der Schüler bewältigen kann, sind zusätzliche Ressourcen immens wichtig.” Soll heißen: mehr Personal. Dann könne der gesamte Prozess auch „schneller und weniger schmerzhaft” ablaufen, glaubt Grüderich. Die Wirklichkeit sehe leider anders aus.

Beispiel Qualitätsentwicklung: Während die Leitung der Fachkonferenzen - ein wichtiges Instrument zu Evaluation der geleisteten Arbeit - in Bayern eine exponierte Position mit entsprechender Vergütung bedeute, laufe dies in NRW „so nebenher”, kritisiert Grüderich. „Das darf so nicht bleiben.” Durch den auf die Nachmittage ausgeweiteten Schulbetrieb ergebe sich nicht zuletzt für die Sekretariate eine Mehrbelastung, die aber ebenfalls nicht durch eine entsprechende Personaldecke aufgefangen werde.

Auch eine individuelle Förderung sei nur so zu stemmen. Grüderich hofft jetzt darauf, „dass die Landesregierung die richtigen Impulse setzt”. Mit Spannung sieht er schon dem doppelten Abiturjahrgang entgegen.
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