Kreuzau - Eine ganz pragmatische Kurskorrektur

Eine ganz pragmatische Kurskorrektur

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Patentiert: Irmgard Mathieu hat ein rein biologisches Haarwuchsmittel Foto: S. Vallata

Kreuzau. Da muss Irmgard Mathieu aber mal kräftig lachen. Lachen tut sie sowieso ganz gerne. Wenn sie so an die vergangenen drei Jahre denkt, war ihr beileibe nicht immer danach zumute.

„Eine hammerharte Zeit” sei das gewesen, sagt sie. Und nebenbei ein ziemlicher Papieraufwand, der schon ein paar Aktenordner füllt. Wenn Irmgard Mathieu ganz an den Anfang der Geschichte zurückgeht, dann findet sie das Ganze trotzdem irgendwie lustig.

Mit ihrem mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner hat die 57-jährige Außendienstmitarbeiterin ein Haarwuchsmittel aus rein biologischen Inhaltsstoffen erfunden. Dass es sich um ein Haarwuchsmittel handelt, hat sich erst später herausgestellt. Denn eigentlich sollte ja eine Gesichtslotion dabei herauskommen. Im Laufe einiger Tests am lebenden Objekt stellte sich dann jedoch heraus - sozusagen als Ironie des Schicksals -, dass keine hautstraffende Wirkung eintrat, sondern den weiblichen Probandinnen ansehnliche Damenbärte wuchsen.

Was sich jetzt im ersten Moment wie eine kleine Katastrophe anhört, nutzte Irmgard Mathieu zu einer pragmatischen Kurskorrektur: Aus der Gesichtslotion wurde kurzerhand ein Haarwuchsmittel. „Wenn es so funktioniert, müsste es doch eigentlich auch anders funktionieren”, hat sich die gelernte Einzelhandelskauffrau gedacht. Mittlerweile ist sie nicht nur Miterfinderin, sondern auch Existenzgründerin. „Hairico” heißt die GmbH, die sie gegründet hat. Das Haarwuchsmittel, eine Tinktur zum Einreiben in die Kopfhaut, ist patentiert, die Vermarktung über das Internet und der Direktverkauf können also beginnen. Viel Hilfe, sagt Irmgard Mathieu, habe sie dabei von der Wirtschaftsförderungsagentur Agit mit Sitz in Aachen bekommen (siehe auch „Drei Fragen an”). Über die Bundesinitiative Signo, deren Partner die Agit ist, konnte „Hairico” bei der Patentanmeldung finanziell gefördert werden. Signo steht für den Schutz von Ideen für gewerbliche Nutzung.

Eine Art Wundermittel sei die Tinktur natürlich nicht, warnt Irmgard Mathieu vor unseriösen Angeboten. Denn: „Wo nichts mehr ist, kann auch nicht mehr wachsen.” Damit die Tinktur wirken kann, muss demnach die Haarwurzel noch vorhanden sein. Und dies sei bei Stoffwechselerkrankungen, Stress oder den Wechseljahren oftmals der Fall. Irmgard Mathieu hat das Mittel bei verschiedenen Instituten nach der europäischen Kosmetik-Verordnung testen lassen und ist von der Wirkkraft überzeugt. Für die Gesundheit ungefährlich sei es aber auf jeden Fall.

Dass die geschäftstüchtige Frau nicht verraten möchte, was ihre Erfindung so besonders macht, lässt sich nachvollziehen. „Wie es hergestellt wird, ist das Geheimnis der Firma.” Mehr möchte Irmgard Mathieu lieber nicht dazu sagen. Nur soviel noch: Zu den Inhaltsstoffen zählen Zitrone und Knoblauch. Außer Ethanol zur Konservierung gebe es keine weiteren chemischen Zusätze. Anwendung in der eigenen Familie wird es vorerst trotzdem nicht finden: „Wir haben alle sehr viel Haar.”

Jetzt möchte Irmgard Mathieu beruflich noch einmal voll durchstarten. Im Keller ihres Einfamilienhauses hat sie sich mit Hilfe ihres Mannes ein Büro eingerichtet, nebenan wird die Tinktur bisher noch per Hand angerührt und abgefüllt. Ein Investor aus der Türkei habe bereits Interesse angemeldet, das Produkt auch international zu vermarkten, sagt die Geschäftsfrau. Die ein oder andere Nachtschicht mit einer Menge Papierkram nimmt sie dafür gerne in Kauf. Denn schließlich soll die kuriose Geschichte noch zu einem versöhnlichen Ende geführt werden. Da ist Irmgard Mathieu guter Dinge. Und dann lacht sie erstmal kräftig.
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