Eine ganz persönliche Schöpfungsgeschichte

Von: Stephan Johnen
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Lässt die Betrachter seiner W
Lässt die Betrachter seiner Werke einen Blick in den Spiegel des Lebens werfen: Pater Laurentius Englisch OFM. Foto: Johnen

Kleinhau/Vossenack. Entgegen anders lautender Gerüchte sucht Pater Laurentius Englisch OFM nicht jedes Mal nach einem Weihwasserbecken, wenn er in die Straßenbahn steigt. Und dennoch kann und will er nicht leugnen, dass der Glaube in seinen Kunstwerken eine zentrale Rolle einnimmt.

„Ich bin von Berufs wegen versaut”, hat er einmal auf die Frage eines Ausstellungsbesuchers geantwortet, ob er auch etwas male, das nicht religiös sei.

Unterstützung vom Kardinal

Zentrales Thema der Werke, von denen eine Auswahl nun im Rathaus der Gemeinde Hürtgenwald zu sehen ist, ist die Schöpfung. Genauer: die Verantwortung, die der Mensch als Teil der Schöpfung hat, um diese zu bewahren. Ein weiteres Anliegen: Der Mensch soll seine innere Freiheit finden, sich behaupten, und sich seiner Verantwortung bewusst sein.

Die Ausstellung des 72-Jährigen im Rathaus ist die konsequente Fortsetzung eines Projektes, das vor zehn Jahren im Rahmen der Kreiskulturtage aus der Taufe gehoben wurde. Damals war der Franziskanerpater noch als Pädagoge am Franziskus-Gymnasium Vossenack tätig. „Meine Sachen sind doch alle öffentlich”, sagte der Künstler zunächst, als Robert Hellwig und die Mitglieder des Kultur- und Kunstvereins Höhen-Art ihm damals ihr Anliegen vortrugen, eine Ausstellung zu organisieren und einen Kunstband herauszugeben.

„Es fiel mir aber nicht schwer zuzusagen”, blickt Laurentius heute augenzwinkernd auf das Jahr 2001 zurück. Das Buch sprengte damals schnell den Rahmen des Geplanten; zehn Jahre später geschah dies bei Band 2, der in Kleinhau vorgestellt wurde, erneut. Pater Laurentius ist zwar mittlerweile im Ruhestand, künstlerisch allerdings im Unruhestand par excellence. Frei nach dem Motto „Da müsste man noch einmal etwas machen”, setzten sich der Franziskaner, dessen Skulpturen und Bildzyklen in vielen europäischen Sakralbauten zu finden sind, und der Kulturverein zusammen.

Es entstand ein mehr als 300 Seiten starkes Buch, das sich entgegen der Anfangsplanung glatt verdoppelt hat. „Von einem nicht vorgesehenen Umfang” spricht Robert Hellwig - und ohne zahlreiche Spenden - auch von Privatleuten aus der Gemeinde - hätte das Buch kaum gedruckt werden können. Unterstützung kam übrigens auch aus Köln. Joachim Kardinal Meisner spendete nicht nur seinen Segen für den Buchdruck.

„Die eigenwillige Machart seiner symbolischen Werke macht es dem Betrachter nicht leicht, obwohl die realistischen Versatzstücke grundsätzlich leicht lesbar sind”, gab Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke eine Einführung in das Werk. Laurentius Bildwelt stifte Wechselbeziehungen zwischen traditionellen christlichen Symbolen und zeitgenössischen Bildformen.

„Die Wirklichkeit ist oft fordernd, anstrengend und frustrierend. Aber sie ist auch eine Wirklichkeit der Fülle der Schöpfung, die jeden Tag als Option zu Freude, Erfüllung und Neuanfang erlebt werden kann.” Auch davon künden die Werke.„Schöpfung ist nicht irgendwann einmal geschehen und nun abgeschlossen”, sagt der kunstschaffende Priester und Pädagoge. „Schöpfung geschieht ständig. Jeder Mensch kann schöpferisch tätig sein. Auf seine Weise ist jeder auch ein Prophet.”

Pater Laurentius greift Symbole und Motive auf, die nach seiner Ansicht zunehmend „aus dem Gedächtnis der Menschheit genommen werden”. Der Mensch an sich sei dabei nur „ein Furz”, findet Laurentius. „Wir sind eine eigenartige Konstruktion aus hinfälligem Material.” Auch wenn sie satt sind und alles haben, seien Menschen unersättlich. An dieser Stelle setzt vermutlich eine der Botschaften des Künstlers an: Es ist nicht schlimm, schwach zu sein. Solange Menschen es schaffen, wirklich Mensch zu werden. Die geschundene Schöpfung, ein weiteres zentrales Thema, zeigt, dass der Mensch offenbar noch einen weiten Weg vor sich hat, ehe er dieses Ziel erreicht.

„Kunst - Spiegel des Lebens”, der zweite Band

Die Ausstellung „Kunst - Spiegel des Lebens” ist bis zum 16. Oktober im Rathaus der Gemeinde Hürtgenwald zu sehen. Die Ausstellung ist montags bis freitags während der Besuchszeiten des Rathauses geöffnet, aber auch samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Auf Initiative des Kunst- und Kulturvereins Höhen-Art wurde der zweite Band des Buches „Kunst - Spiegel des Lebens” abgeschlossen. Er widmet sich dem künstlerischen Schaffen Pater Laurentius von 2001 bis 2011. Robert Hellwig stellte das opulente Werk, das in einer Auflage von 1500 Stück gedruckt wurde, vor. Das Buch kostet 28 Euro und ist erhältlich im Franziskus-Gymnasium Vossenack und im Rathaus der Gemeinde Hürtgenwald in Kleinhau.

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