Düren - Eine erfolgreiche Karriere voller Experimentierfreudigkeit

Eine erfolgreiche Karriere voller Experimentierfreudigkeit

Von: Stephan Johnen
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Karrikaturist, Künstler und D
Karrikaturist, Künstler und Designer: Der Dürener Architekt Benno Sommer feiert am 18. Februar seinen 90. Geburtstag. Foto: Johnen

Düren. Benno Sommer hat den Grundstein für seine Karriere gelegt, als die Welt noch weitgehend in Trümmern lag. „Es war ein Studium, das sich anbot”, räumt der Dürener ein, dass er als junger Mann nicht recht wusste, welchen Beruf er ergreifen soll. Seine künstlerische Begabung führte ihn zur Architektur.

Als 25-Jähriger schrieb er sich 1947 an der RWTH Aachen ein, Geld verdiente er als Karrikaturist bei der Aachener Volkszeitung. Drei Jahre später sorgte seine Diplomarbeit für Schlagzeilen, gab Sommer seinen Einstand als ein Architekt des Dürener Wiederaufbaus.

Als am 17. November 1950 das im Krieg zerstörte Kino „Germania-Lichtspiele” wieder seine Pforten öffnete, feierte die Presse Sommer als „jungen Architekten, der einmal in die erste Reihe der Theaterarchitekten einrücken dürfte”. „Ich bin nachts schweißgebadet aufgewacht, weil ich dachte, das Kino bricht zusammen”, erinnert sich der Architekt, der am 18. Februar seinen 90. Geburtstag feiert, an seinen ersten Bau.

Doch während „Schwarzwaldmädel” über die Leinwand flimmerte und Hans Richter als einer von 900 Premierengästen im Publikum saß, hielt die Statik. Das „Germania” wurde zur Visitenkarte, 14 weitere Kinobauten innerhalb kürzester Zeit von Köln bis Brüssel folgten.

Experimentierfreudig wie Sommer war, blieb es nicht bei Lichtspielhäusern: Es folgten Wohnhäuser, Geschäfte, allein 36 Arztpraxen in Düren und Industriebauten. Die damals größte Freitreppe der Stadt (belgisches Casino, heute „Café Extrablatt”) und die größte Glasfassade („Gunkel”) sowie der Turm auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik von „Zimmermann & Jansen” sind herausragende Beispiele dieser Schaffensphase. Der Architekt hatte seine Aufgabe gefunden: Zukunft gestalten. Große Teile der Stadt tragen seine Handschrift.

Dem Ideal des Bauhauses folgend, Ästhetik und Funktionalität zu verbinden, interessierte sich der Architekt stets für die Bedürfnisse der Bauherren, für die Arbeitsabläufe in Praxen und Geschäften. Architektur war für Sommer mehr als eine schöne Hülle: Sie darf durchaus optisch herausragen - solange sie dem Menschen dient.

Mit dem Erfolg ging Sommer auf Reisen, sammelte Ideen, ließ zur „Freude” seiner Familie das eigene Haus stets zum Sandkasten für architektonische Experimente werden. Er entwarf auch selbst die Inneneinrichtung. Aus den USA brachte er die Idee eines Ärztehauses mit, die er an der Philippstraße umsetzte. An der Eiswiese plante er die ersten Eigentumswohnungen der Stadt.

„Ich habe Glück gehabt”

Nicht immer waren potenzielle Bauherren so experimentierfreudig wie der Architekt: Es hat ihn nicht daran gehindert, die Zukunft zu gestalten, notfalls auf eigenes Risiko. „Ich habe Glück gehabt. Vieles war Zufall”, blickt Sommer auf seine Karriere zurück.

Die Mutter ging damals putzen, damit der junge Mann sein Abitur machen konnte. Er fuhr er mit dem Moped zu den Baustellen, bis ihm ein Bauherr ein Auto schenkte. Es war eine Zeit, die viele Chancen eröffnete. Sommer hat sie genutzt.

Über aktuelle Stadtentwicklung möchte er lieber nicht reden. Bereits 1981 warf er dem damaligen Baudirektor „schwerwiegende Fehler bei der Stadtplanung vor”. Sein Kritikpunkt: Es gibt gar keine Stadtplanung, keine öffentliche Diskussion darüber. „Ich habe nie einen richtigen Plan gesehen”, sagt er.

Diese Debatte wird heute noch von anderen Akteuren geführt. Die Gedanken von Benno Sommer kreisen um ein anderes Thema. In seinem Arbeitszimmer liegen die Zeichnungen für ein neues Projekt: ein Passivenergiehaus, das kein aktives Heiz- und Belüftungssystem braucht.

Benno Sommer feiert in der kommenden Woche seinen 90. Geburtstag. Nach wie vor ist es die Zukunft, die den Architekten interessiert. Er möchte sie mitgestalten.
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