Eine Dürenerin kommentiert die EM-Spiele im ZDF

Von: Burkhard Giesen
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Der Arbeitsplatz von Claudia Neumann in einem Stadion. Morgen wird die Dürenerin für das ZDF den Live-Kommentar zum Spiel Italien gegen Schweden sprechen. Foto: Peter Kneffel/ZDF

Düren. Spaghetti. Und zwar ganz eindeutig. Wenn Claudia Neumann die Wahl zwischen Köttbullar und Spaghetti hat, muss sie nicht lange überlegen, was sie lieber mag. Fußballkenner werden es wissen: Claudia Neumann ist Sportjournalistin und wird am Freitag ab 15 Uhr live für das ZDF das Europameisterschaftsspiel Italien gegen Schweden aus Toulouse kommentieren.

Für die gebürtige Dürenerin ist es der zweite Einsatz bei der EM in Frankreich. Am Samstag ging sie bereits mit der Partie Wales gegen die Slowakei auf den Sender. Das Medien-Echo war gewaltig, denn die Stimme aus dem Off kam bisher immer von einem Mann. „Claudia Neumann schreibt TV-Geschichte“, titelte im Anschluss „Die Welt“ und befand, dass auch nach 90 Minuten weiblichen Kommentars sich der Fußball nicht in seinen Grundfesten verändert habe.

Der Ball ist also immer noch rund und muss noch immer ins Eckige. „Ich kommentiere nicht anders als Männer. Die Frage, warum es diesen Hype gibt, müssen Sie eher den Männern stellen“, geht die 52-jährige Journalistin gelassen mit dem Medien-Echo um. Kein Wunder, schließlich ist sie Medien-Profi, war zuvor schon bei Frauen-Weltmeisterschaften im Einsatz. „Vor 20 Jahren haben sich nicht so viele Frauen und Mädchen für Fußball interessiert“, sagt sie. Ergo gab es auch nicht so viele Sportjournalistinnen wie heute.

Claudia Neumann hat nur noch wenige Erinnerungen an ihre Heimatstadt. „Mein Vater war als Pilot in Nörvenich stationiert. Wir haben damals in Düren gelebt, sind dann aber sehr schnell nach Lissabon umgezogen.“ Es folgte das Abitur und ein Magisterstudium in den Fächern Germanistik, Pädagogik und Sport in Bonn. Danach hat sie für RTL und später SAT.1 gearbeitet. Seit 17 Jahren ist sie für das ZDF tätig, hat als Redakteurin und Reporterin die Tour de France, Tennis-Weltmeisterschaften und die Olympischen Spiele in Sydney und Peking betreut, war aber auch bei EM- und WM-Endrunden im Einsatz.

Ihren ersten Live-Kommentar hat sie bei der Frauen-Fußball-WM in Deutschland 2011 gesprochen. Für sie ist das ein „ganz normaler Werdegang“. Jetzt kommentiert sie eben Männer-Spiele. Es ist einfach nur die nächste Etappe in ihrem Werdegang. Auf diese Etappe bereitet sie sich akribisch Spiel für Spiel vor. „Ich schaue mir natürlich die vorangegangenen Spiele der Mannschaften an, recherchiere alles zum Team, zur Spielanlage, wie sich die Spieler bewegen.

Ich hatte auch das Glück, die Mannschaften persönlich zu sehen, was gerade bei einem Team mit eher unbekannteren Spielern wie dem der Slowakei ein Vorteil ist“, erklärt Claudia Neumann ihren Job. „Natürlich gibt es ein paar Unterschiede. Der leicht boulevardeske Stil bei den privaten Fernsehsendern, der etwas sachlichere bei den öffentlich-rechtlichen.

Aber bei allem darf der journalistische Moment nicht zu kurz kommen. Die wichtigste Regel für mich ist: Man muss authentisch sein. Ich kann nicht etwas spannend reden, was langweilig ist. Das merkt der Zuschauer sofort“, weiß Claudia Neumann. Und: Sie fiebert bei einem Spiel genauso mit wie der Zuschauer vor dem Fernseher. Das wird morgen wieder der Fall sein, wenn Italien gegen Schweden spielt. „Die italienische Mannschaft hat mich überrascht. Es war ziemlich beeindruckend, wie viele Emotionen die transportiert haben.“

Schlechte Nachricht für alle Italien-Fans: Trotz Begeisterung für das Team und der Vorliebe für Spaghetti hat die Mannschaft keine Chance auf den Titel, glaubt man der Dürenerin. „Wer Europameister wird? Deutschland natürlich!“, legt sie sich fest. Nach Düren würde sie übrigens auch gerne noch mal kommen: „Da müsste mich nur jemand mal einladen.“ Vielleicht zu einem Fußball-Fachgespräch und einer Portion Spaghetti.

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