Eine Dürenerin feiert den 110. Geburtstag

Von: Leandra Kubiak und Maria Bravo
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Geboren wurde sie in Hennef, vor rund neun Jahren zog sie zu ihrer Nichte nach Düren und dann ins Seniorenheim St. Ritastift. Heute wird Christine Hoscheid stolze 110 Jahre alt. Foto: Leandra Kubiak

Düren. Christine Hoscheid hält es mit den rheinischen Lebensweisheiten: Es ist wie es ist; es kommt wie es kommt. Gedanken darüber, wie alt sie wohl einmal werden würde, hat sie sich in ihrem Leben nicht viele gemacht. Vielleicht ist ihre Gelassenheit das Rezept für das hohe Alter, das sie bereits erreicht hat: Heute feiert die Seniorin ihren 110. Geburtstag und ist damit nicht nur die älteste Bürgerin der Stadt Düren, sondern vermutlich auch der Kreise Düren und Heinsberg und der Städteregion Aachen.

Geboren wurde Christine Hoscheid als ältestes Kind in ihrer Familie. Von den insgesamt vier Geschwistern ist sie die Einzige, die noch lebt. „Die wollten mich da oben bisher noch nicht haben“, sagt sie. Und Sehnsucht, nach „da oben“ zu kommen, hat sie noch keine. „Das wäre doch irgendwie auch komisch, wenn man sich wünscht, nicht mehr zu leben“, findet sie.

Man muss den Flur auf der ersten Etage im Seniorenheim St. Ritastift in Düren ganz bis zum Ende durchgehen, wenn man Christine Hoscheid besuchen will. In ihrem Zimmer, das nun seit neun Jahren ihr Zuhause ist, sitzt sie im Rollstuhl und wirkt zufrieden. Ihre blauen Augen strahlen.

Im Gespräch schweift sie immer mal wieder ab und erzählt von Erinnerungen aus der Kindheit; gelegentlich hilft ihr ihre Nichte Margret, die Tochter ihrer jüngsten Schwester, auf die Sprünge und erinnert sie an Situationen aus ihrem Leben.

Geboren wurde Hoscheid 1907 in Hennef im Rhein-Sieg-Kreis. Ihr Vater war Lokführer, die Mutter Haushälterin. Bis vor neun Jahren lebte sie in ihrem Elternhaus, im Rheinland ist sie heimisch. „Wir haben direkt an der Sieg gewohnt“, erzählt sie. „Morgens vor der Schule sind wir dann schon mal ins Wasser gesprungen, bevor wir los mussten.“ Ihre Kindheit war für sie eine der schönsten Zeiten ihres Lebens, sagt sie, wenn sie an die letzten 110 Jahre zurückdenkt.

Christine Hoscheid hat das Deutsche Kaiserreich, beide Weltkriege und die Spaltung und Wiedervereinigung des Landes erlebt und heute die digitalisierte Zeit. Es ist eine weite Spanne deutscher Geschichte, die hier in ein Menschenleben passt.

Ihr Bruder fiel im Zweiten Weltkrieg, der Vater kam bei einem Angriff auf die Stadt um. Fortan hat Hoscheid die eigene Mutter gepflegt; geheiratet hat sie nie. In der NS-Zeit wurde sie zur Arbeit in einer Wäscherei verpflichtet, geriet mehrfach mit dem Inhaber in Konflikt, doch ließ sich nicht klein machen.

Drei Mal stand sie wegen dieser Streitigkeiten vor dem Arbeitsgericht – und bekam jeweils Recht. Trotz allem macht es den Anschein, als ob sich die Rheinländerin von den dunkleren Seiten des Lebens nicht hätte unterkriegen lassen.

An Verwandtschaft ersten Grades ist ihr nicht mehr viel geblieben. Dafür ist der Kontakt zu Nichte Margret gut. Sie ist auch der Grund dafür, dass Christine Hoscheid vor rund neun Jahren nach Düren gezogen ist. Die Kinder und Enkel ihrer Geschwister seien für sie immer ein Ersatz für die eigenen Kinder gewesen, die sie nie hatte, sagt Hoscheid.

Mit der Gesundheit hat es im vergangenen Jahr etwas nachgelassen. Die Seniorin zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und sitzt seitdem im Rollstuhl. Ihre Zufriedenheit lässt sie sich davon nicht nehmen. Regelmäßig steht Gymnastik auf dem Programm – mit den Armen klappt das schließlich noch gut.

Ihren Ehrentag feiert Christine Hoscheid heute mit rund 30 Gästen im Seniorenheim St. Ritastift. Eine Musikgruppe wird ein Ständchen singen, und am Nachmittag will auch Bürgermeister Paul Larue der ältesten Bürgerin der Stadt seine Glückwünsche überbringen.

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