Eine deutsch-belgische Liebe

Von: fjs
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Er kam aus Belgien und blieb bei ihr in Düren: Renate und Jean Homerin feiern nach 60 Ehejahren Diamantene Hochzeit. Foto: Fred Schröder

Düren. Der Weg in die Ehe war mit Problemen gepflastert. Denn sie waren eines der ersten deutsch-belgischen Paare, die sich nach Kriegsende in Düren das Ja-Wort gaben. Aber die Schwierigkeiten haben die Verbindung nur stärker gemacht: Jean und Renate Homerin feiern am Montag, 21. August, ihre Diamantene Hochzeit.

„Es war nicht einfach, aber seit vielen, vielen Jahren sind wir in Düren etabliert“, zieht Jean Homerin Bilanz. Er trug 20 Jahre die Uniform des belgischen Militärs und war zehn Jahre Chef im damaligen Offizierscasino am Markt.

In der kleinen belgischen Stadt Pèruwelz nahe der französischen Grenze, etwa 20 Kilometer von Valenciennes, der Dürener Partnerstadt, entfernt, wurde Jean Homerin 1930 geboren. Schon als 16-jähriger Kadett wurde er 1946 in die belgische Armee aufgenommen und zwei Jahre später nach Deutschland versetzt. Nach Düren kam er 1949. „Ich hatte schnell einen guten Freund; den Metzger Jakob ‚Köbes‘ Althoven“, erinnert sich der 87-Jährige noch gerne. Und „Köbes“ war nicht ganz unschuldig daran, dass das Ehepaar Homerin jetzt Diamanthochzeit feiert.

Im Stadtrestaurant, dem Kellerlokal unter den Trümmern des im Krieg zerstörten Stadttheaters, sah Jean Homerin die sieben Jahre jüngere Renate Gülden erstmals. „Sie ging mir nicht mehr aus dem Sinn“, erinnert er sich. Und dann kam „Köbes“. Er musste das erste Treffen organisieren. „Nein, Liebe auf den ersten Blick war es aus meiner Sicht nicht“, sagt Renate Homerin heute. Am 21. August 1957 wurde geheiratet. Bis dahin war es für die beiden Eheleute nicht einfach. Gewisse Vorbehalte gab es auf beiden Seiten. „Die heiratet einen Ausländer“, musste sich Renate Gülden sagen lassen.

„Mit offenen Armen aufgenommen“

Jean Homerin hatte es bei der Vorstellung seiner Renate da trotz der Geschehnisse zweier Weltkriege in seiner Familie einfacher: „Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen“, betont Renate Homerin

So sollte sich alles zum Guten wenden. Tochter Pascale wurde geboren, schenkte den Eltern einen Enkel und der schickt sich an, im fernen Berlin die Homerins noch in diesem Jahr zu Urgroßeltern zu machen. „Wir sind auf die Leute zugegangen“, weiß Jean Homerin zu erzählen. Im „Hotel Germania“ fand er Kontakt zu Billardspielern und bei „Schorsch Stollenwerk“ traf er die Skatspieler.

In Stockheim und später am Eschfeld in Düren richtete man sich häuslich ein. Ehefrau Renate arbeitete zeitweise in einem Buchclub und nach 20 Jahren hängte Jean Homerin die Uniform an den Nagel und betätigte sich in der Finanzvermittlung.

Ehen von deutschen Frauen und belgischen Soldaten gehörten mittlerweile zur Tagesordnung. „Ich bin hier geblieben und bereue es nicht“, hat Jean Homerin in seinen Erinnerungen geschrieben, mit der er die Zeitgeschichte für Enkel und bald Urenkel festhält. Und wenn zur Diamanthochzeit die Tochter mit ihrer Familie aus Potsdam und Berlin anreist und sich andere Gäste einfinden, werden sie mit Freude die farbenfrohen Bilder sehen, die Renate Homerin gemalt hat.

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