Eine Chance auf Ausbildung trotz Behinderung

Von: Sarah Maria Berners
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Dank einer speziellen Ausstattung des Arbeitsplatzes kann Thomas Bachtenkirch bei der AfB seine Ausbildung zum Fachpraktiker für IT-System absolvieren. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. „Die Ausbildung ist für mich sehr wichtig und sie ist eine tolle Alternative zur Arbeit in der Werkstatt für Behinderte. Ich habe hier sehr anspruchsvolle Aufgaben“, sagt Thomas Bachtenkirch. Er ist einer von sieben Auszubildenden mit Behinderung, die beim Dienstleister „Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung“ (AfB) in Düren eine Ausbildung zum Fachpraktiker für IT-Systeme machen.

Vor zwei Jahren hat das Ausbildungsprogramm „Werkstatt - Ausbildung - Beruf“ (WAB) begonnen. Mittlerweile haben alle Dürener Auszubildenden, die zwischen 22 und 37 Jahren alt sind, die Zwischenprüfung bestanden. Im Mai stehen schon die Abschlussprüfungen an. Die Auszubildenden haben unterschiedliche Handicaps, einige haben körperliche Behinderungen, andere psychische Beeinträchtigungen, auch ein Autist ist unter ihnen. „Trotz dieser Beeinträchtigungen, haben die jungen Männer viele Talente“, sagt Monika Braun, die für die sozial-psychologische Betreuung zuständig ist.

Die AfB-Prokuristin weiß aber auch, dass der Weg in und durch die Ausbildung kein leichter ist. Für einige sind das tägliche Aufstehen und der Weg zur Arbeit bereits die ersten Herausforderungen. „Bei uns läuft es nicht wie in der freien Wirtschaft“, erklärt Monika Braun und sie beschreibt: „Hier ermöglichen wir eine behutsame Integration mit einer arbeitsbegleitenden sozialpädagogischen Betreuung.“ AfB ist keine Behindertenwerkstatt, kein Unternehmen auf dem freien Markt. AfB bewegt sich irgendwo dazwischen. Der Landschaftsverband Rheinland bezahlt die Hälfte aller Kosten der Ausbildung und der Ausstattung der Arbeitsplätze.

Die Ausbildung wird von der IHK anerkannt. Die angehenden Fachpraktiker lernen Rechner zu reparieren, Displays zu tauschen, bei Anwenderproblemen zu helfen sowie Geräte ab- und aufzubauen. Außerdem kümmern sie sich um die Datenlöschung und machen Rechner fit für den Weiterverkauf. Dafür kooperiert AfB mit großen Firmen vor Ort und international operierenden Konzernen.

Auch den schulischen Teil der Ausbildung absolvieren die angehenden Fachpraktiker in Düren. „Die Arbeit hier macht mir Spaß und sie ist sehr abwechslungsreich“, sagt David Meures, der sich derzeit intensiv mit der zertifizierten Datenlöschung befasst. Auch er hatte vor zwei Jahren nach neuen Aufgaben gesucht und die Behindertenwerkstatt verlassen.

„Werkstätten für Behinderte und AfB stehen aber nicht in Konkurrenz zueinander“, erklärt Niederlassungsleiter Dominik Lenke. „Die Angebote ergänzen sich vielmehr. So soll den individuellen Ansprüchen Rechnung getragen werden.“ Männer wie Thomas Bachtenkirch und David Meures sollten trotz ihrer Behinderung eine Wahl haben, welche Arbeit sie machen wollen.

Die jeweilige Behinderung wird in der Ausbildung berücksichtigt. „Ein Auszubildender mit einer Sehbehinderung kann sich natürlich nicht um die Einstellung der Monitore kümmern“, beschreibt Braun. Dafür habe er andere Stärken. Alle Auszubildenden in Düren werden bei AfB übernommen. Im nächsten Durchgang will der Dienstleister einen weiteren Schritt der Inklusion gehen und die Auszubildenden in den ersten Arbeitsmarkt, in die freie Wirtschaft, vermitteln.

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