Eine Ausstellung zwischen Moderne, Krieg und Irrenhaus

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Die alte Forensik, das Haus 5, der Dürener Landesklinik war nicht nur das „Bewahrhaus für irre Verbrecher“, sondern ermöglichte auch liberale Ansätze in der Psychiatrie.

Düren. „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ ist ein ehrgeiziges Projekt des LVR-Dezernats Kultur und Umwelt mit verschiedenen Partnern. An elf Stätten in unserem Bundesland sollen Ausstellungen und Aktionen die Zeit vor bzw. um den I. Weltkrieg in Erinnerung rufen und auch völlig neue Perspektiven eröffnen. Mit Großstädten wie Düsseldorf, Essen, Köln, Bonn und Wuppertal ist auch Düren im Boot.

Das Psychiatriegeschichtliche Dokumentationszentrum Düren (PDZ) setzt sich in der Ausstellung „Moderne. Weltkrieg. Irrenhaus“ mit Widersprüchen und Fortschritten der Psychiatrie am Beginn des 20. Jahrhunderts auseinander. Das Haus 5 ist zentraler Veranstaltungsort. Obwohl es mit Gittern versehen ist und auf Besucher eher an die düsteren Phasen der Psychiatriegeschichte erinnert, steht es dennoch für eine weitreichende Liberalisierung im Rheinland während der Kaiserzeit. Mit dem Bezug des Bewahrhauses für „irre Verbrecher“ im Jahre 1900 war die Möglichkeit geschaffen, in den übrigen Häusern der Klinik eine offene Psychiatrie zu wagen, da man nun die Problemfälle in einem gesonderten Haus untergebracht hatte.

In Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Psychiatriegeschichte“ in Bonn (APG) ist geplant vom 1. Mai bis 6. August 2014 mit Fotoinstallationen, plastischen Objekten, Fotografien, Dokumenten und kinematographischen Falldarstellungen die Rolle der Psychiatrie darzustellen. Fortschritte und höchst problematische Aspekte psychiatrischen Handelns werden mit Sequenzen zur Baugeschichte, zum Leben und Alltag in der Anstalt und zur Behandlung im Schatten des Krieges aufgezeigt.

Erfreut sind die Initiatoren darüber, dass es zu einer Kooperation mit dem Leopold-Hoesch-Museum kommt: Dieses stellt – sowohl in Haus 5 als auch im Museum selbst – bildkünstlerische und literarische Werke des Expressionismus aus, die mit dem Thema Psychiatrie verbunden sind. Im Dialog mit Werken aus dem Museumsbestand werden Bilder aus der renommierten Heidelberger Sammlung Prinzhorn gezeigt, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von Patienten der Dürener Klinik geschaffen wurden.

Landesweit, beim LVR und auch in Düren, ist man fest davon überzeugt, mit den umfangreichen und in dieser Form nie erlebten Initiativen eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Bis man jedoch im Frühjahr nächsten Jahres die eiserne Eingangstür des Hauses 5 für Interessierte öffnen kann, ist es noch ein weiter Weg. Interessierte, so auch Geschichtskurse der Schu-len, Gewerkschaften und Geschichtsvereine, können sich vorab informieren bei Sigrid Brüll, Sekretariat der Pflegedirektion der LVR-Klinik Düren, Telefon 02421/ 402275.

Schirmherrin der Veranstaltungsreihe ist Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Hauptförderer sind die Landeszentrale für politische Bildung und die Kulturstiftung NRW.

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