Eine Ärztin, die am NS-Regime nicht zerbrach

Von: Carmen Welsch
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„Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause“: Der Dürener Autor und Kinderarzt Dr. Lorenz Peter Johannsen befasst sich in seinem neuen Buch mit der Jüdin Erna Eckstein-Schlossmann. Foto: Welsch

Düren. Im Rahmen der Reihe „Theologisches Forum“ präsentierte Dr. Lorenz Peter Johannsen sein neuestes Buch „Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause“ im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Nach der Biografie über den jüdischen Dürener Kinderarzt Dr. Karl Leven und einem Buch über jüdische Pädiater im Vorstand der Vereinigung rheinisch-westfälischer Kinderärzte hat Johannsen sein drittes Buch jetzt über die Medizinerin Erna Eckstein Schlossmann herausgebracht.

Das Buch setzt sich aus Aufzeichnungen zusammen, die erstmals in einer Auswahl veröffentlicht wurden, und kennzeichnet das Bild einer tatkräftigen Frau, die weder am NS-Regime noch am frühen Tod ihres Mannes zerbrach. Die Quellen des Autors sind unter anderem das Archiv der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und das Privatarchiv des Sohnes von Erna Eckstein-Schlossmann.

Erna Eckstein-Schlossmann, geboren im Jahr 1895, wurde christlich getauft und erfuhr erst im Alter von 17 Jahren von ihrer jüdischen Herkunft. Die Kinderärztin heiratete 1935 ihren Ehemann Albert Eckstein und bekam mit ihm drei Kinder. Ihr Sohn Herbert ging später, genau wie sein Vater und Großvater, dem Beruf des Kinderarztes nach. 1935, als die Judenverfolgung in Deutschland zunahm, wanderte die Familie nach Ankara aus. Dort wurde sie aufgrund des Ansehens, das sie sich in dieser Zeit verschaffte, zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt.

1950 kehrte die Familie Eckstein nach Deutschland zurück, wo Albert Eckstein, der als Direktor in der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf arbeitete, neun Jahre später an einem allergischen Schock verstarb. Erna Eckstein-Schlossmann kehrte daraufhin in die Türkei zurück und arbeitete für eine Weile als Verwaltungschefin in einem Krankenhaus. Später lebte sie in England, wo sie im Alter von 102 Jahren verstarb.

Johannsen will mit seinem Buch die Spuren der Familie Eckstein festhalten. Zwei Jahre lang hat er sich mit einer Person befasst, die er nur einmal aus der Ferne auf einem Ärztekongress gesehen hat. Ein schwieriges Unterfangen: „Es entsteht natürlich im Laufe der Jahre Empathie. Es ist auf jeden Fall wichtig die Balance zu wahren zwischen Empathie und der ausreichenden Distanz, um das Ganze historisch bearbeiten zu können.“

Der Autor schafft es mit seinem Buch die Person Erna Eckstein-Schlossmann authentisch darzustellen, auch wenn er nach zwei Jahren Recherche zugibt, dass „einige Fragen immer offen bleiben werden, wenn man sich an Dokumenten orientiert“.

Der Kinderarzt Karl Leven hat Johannsens Interesse geweckt, sich in Büchern näher mit der Geschichte jüdischer Menschen zu befassen. „Ich habe gesehen, dass er auch als Kinderarzt tätig war und da lebte, wo ich wohne. Ich merkte, dass wir viel gemeinsam haben und begann daraufhin mit meinen Recherchen“, erklärt Dr. Lorenz Peter Johannsen. Sein erstes Buch war Levens Biografie, eine Passion war geweckt.

Das Hardcover-Buch umfasst 336 Seiten mit 13 Abbildungen. Es kostet 24,90 Euro.

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