Einblicke ins Schloss Merode: Führung mit Prinz Albert-Henri

Von: Sandra Kinkel
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Prinz Albert-Henri de Merode (Mitte) hat 20 Lesern unserer Zeitung am Dienstag das Schloss Merode gezeigt. Unter anderem hat er die Tür zum Kerker aufgeschlossen. Foto: Sandra Kinkel
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So sieht der Salon der Prinzenfamilie de Merode aus. Foto: Sandra Kinkel
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Prinz Albert-Henri de Merode (Mitte) hat 20 Lesern unserer Zeitung am Dienstag das Schloss Merode gezeigt. Unter anderem hat er die Tür zum Kerker aufgeschlossen. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Für Heinz Jordans aus Inden ist am Dienstagnachmittag ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. „Ich bin 1937 geboren und seit ich vier, fünf Jahre alt bin, hat mein Vater mir immer von dem Haus mit den 365 Fenstern erzählt. Seitdem war es mein Wunsch, einmal in dieses Haus zu kommen. Jetzt bin ich hier.“

Das „Haus mit den 365 Fenstern“ ist Schloss Merode. 20 Leser unserer Zeitung hatten am Dienstag im Rahmen einer „Aboplus“-Tour die Gelegenheit, einen Blick hinter die dicken Schlossmauern zu werfen. Prinz Albert-Henri de Merode führte die Gruppe durch sein interessantes Zuhause. Es war im Jahr 1174, als Kaiser Barbarossa viele seiner Gefolgsleute im gesamten Reich verteilte, und Vorfahren von Prinz Albert-Henri in Geich und Echtz stationiert wurden, um die wichtige Straße zwischen Aachen und Köln zu sichern.

„Damals“, erzählte der junge Prinz, der als Architekt arbeitet, „wurden fast alle Kaiser in Aachen gekrönt. Von ihrer Krönung mussten sie nach Köln, um dort im Dom zu beten. Fast alle Kaiser sind also seinerzeit durch Merode und Langerwehe gekommen.“ Lebten die de Merodes also anfangs in einem Hof in Echtz, haben sie später das Schloss Merode errichten lassen. In seinen heutigen Grundzügen existiert es seit dem 16. Jahrhundert.

Prinz Albert-Henri de Merode entpuppte sich als ein guter Erzähler und einer, der sich mit der Geschichte seiner Familie bestens auskennt. Und so erfuhren die Teilnehmer beispielsweise viel über den Zwist zwischen den de Merodes und dem Herzog von Jülich, dem die kleine, unabhängige Festung in Merode immer ein Dorn Auge war. Prinz Albert-Henri de Merode gewährte den Besuchern einen Einblick in den Marquisenturm, in dem der Feldmarschall de Merode, ein berühmter Ritter des „Ordens vom Goldenen Vlies“, residiert hat.

Besichtigt wurden zudem das Esszimmer der Familie und zwei Salons, außerdem ging es in die achteckige Schlosskappelle, in dem ein großes Bild des Kardinals de Merode bewundert werden konnte. Der Kirchenmann hat sich sehr für den Erhalt der römischen Katakomben und den Wiederaufbau der Heiligen Stadt nach den Vatikanischen Kriegen eingesetzt. „Bis zum Zweiten Weltkrieg“, erzählte Prinz Albert-Henri, „hieß die ‚Via Nationale‘ ‚Via Nationale de Merode‘. Das macht uns natürlich stolz.“

Es ging um die belgische Revolution, der dreifache Familienvater hat aber auch von einem seiner Lieblingsvetter, Emmanuel de Merode, erzählt, der seit 2008 Direktor des „Virunga“-Nationalparks im Kongo ist. „Man macht sich gar nicht bewusst, wo Mitglieder dieser Familie überall arbeiten“, hat es eine Leserin formuliert. „Es ist beeindruckend, wie Tradition und Familie verpflichten und wie sehr diese Verpflichtung wahrgenommen wird.“

Beim Rundgang konnten die Leser unserer Zeitung sehen, wie dick die Mauern des Schlosses sind. Und Prinz Albert-Henri präsentierte auch einen Raum, der nach dem verheerenden Brand im Jahr 2000 noch nicht wieder renoviert worden ist. „Wir haben damals versucht“, sagt der junge Adelige, „möglichst schnell das Dach und die Fassade zu reparieren, um das Schloss nach außen zu schützen.“

Nach dem Brand hätte sein Vater immer gesagt, dass die Renovierungsarbeiten mindestens 20 Jahre dauern würden. „Und wir haben noch Einiges zu tun.“ Zum Schluss der Tour öffnete der Prinz den Kanonenturm mit Waffenraum und Kerker. „Dieses Schloss“, sagt der Prinz, „war eine Festung und brauchte natürlich damals auch ein Gefängnis.“

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