Einblicke in den Leihverkehr: Wenn Millionenwerte auf Reisen gehen

Von: Sarah Maria Berners
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„Zirkus – Vor der Vorstellung“: Ein bisschen sieht die Szenerie nach Operationssaal aus. Das Bild von der russischen Expressionistin Marianne Werefkin wird von Mario Wiemer und Rudolf Hittdorf in Düren sorgsam verpackt und in die Schirn Kunsthalle Frankfurt gebracht. Foto: smb

Düren. „Ob ein Kinderbild oder das Bild eines berühmten Künstlers – für mich sind alle Bilder gleich viel wert und werden gleich sorgsam behandelt“, sagt Mario Wiemer. Sein Job ist es, Kunstwerke zu verpacken und sicher von A nach B zu transportieren.

Es ist eine kostbare Fracht, die er mit seinem Kollegen Rudolf Hittdorf durch die Landen kutschiert. Immer wieder holt er auch im Leopold-Hoesch-Museum Werke ab, damit diese in anderen Museen gezeigt werden können.

Die Handgriffe bei den beiden Männern sitzen: Es dauert gut 15 Minuten – und das Bild „Zirkus – vor der Vorstellung“ der russischen Expressionistin Marianne Werefkin ist in Papier und Folie verpackt, in einer speziellen Klimakiste geschützt verstaut und auf dem Lkw festgezurrt. Natürlich gut versichert.

Jedes Jahr gehen etwa 20 Werke aus der Sammlung des Dürener Museums auf Reise. Sogar nach Tunesien und in den Iran hat das Museum in jüngster Zeit Bilder verliehen.

„Wenn wir ein Bild verleihen, ist vorher alles abgeklopft: Wie sind die Klimabedingungen am Ausstellungsort? Muss ein Bild vor UV-Licht geschützt werden? Wie steht es um die Sicherheitsvorkehrungen? Das sind Fragen, die wir vorab klären“, erläutert Tina Roßbroich, die Verwalterin der Sammlung. Stimmen diese Vorkehrungen nicht, bleibt das Bild im Depot. Dort muss es auch bleiben, wenn es nicht in der Lage ist zu reisen. Zum Beispiel, weil der Zustand nicht gut genug ist, es restauriert werden müsste.

„Wir wissen, dass wir die Werke in professionelle Hände von Wissenschaftlern und Restauratoren geben. Und trotzdem sind wir immer wieder froh, wenn ein Bild unversehrt zurückkommt“, sagt Roßbroich lächelnd. Häufig begleitet sie die Transporte der Bilder und übergibt die Leihgaben persönlich in andere Hände. In der Transportkiste befindet sich stets auch ein Zustandsprotokoll des Werkes. Sollte ein Bild Schaden nehmen, lässt sich so genau verfolgen, an welcher Stelle das passiert ist.

„Der Leihverkehr ist eine gigantische Logistik“, erklärt Museumsleiterin Dr. Renate Goldmann. Eine Kette, die mit einem Brief beginnt, in dem ein Museum ein Ausstellungskonzept vorstellt und um eine Leihgabe bittet.

„Leihgebühren werden individuelle ausgehandelt“, erklärt Goldmann. Sie könnten mit Geld beglichen werden, aber auch damit, dass ein Bild einen neuen Rahmen bekommt. Auch die Bedingungen für den Transport und die Verpackung des Bildes legt der Leihgeber fest.

„Bei den Bildern, die wir in den Iran und nach Tunesien verliehen haben, bestand schon ein gewisses Risiko“, sagt die Museumsdirektorin. Eines, das das Museum aber eingegangen ist, denn: „Kunstwerke sind dafür gemacht, um gezeigt zu werden, um zu reisen. Es ist unsere Aufgabe, Verständnis für Kunst und Kultur zu wecken.“ Teil davon sei es, dass die Werke eben nicht im Depot hängen, wo sie niemand sehen könne.

Je nachdem wo ein Bild ausgestellt wurde, hat das Ausleihen noch einen anderen Effekt auf das Werk: „Es kann den Wert eines Exponates steigern“, weiß Renate Goldmann. Besonders freut es die Museumsdirektorin, wenn Werke aus Düren an prominenten Stellen in den Katalogen großer Ausstellungshäuser – zum Beispiel des Guggenheim-Museums in New York – platziert sind. Nach Übersee reisen die Bilder übrigens per Containerschiff oder Luftfracht – natürlich gut verpackt.

„Vor 30 Jahren haben wir einfach eine Decke um die Bilder geschlagen. Heute gibt es sogenannte Air-Bag-Kisten und solche, die fast alle Schwingungen abfedern“, erklärt Logistik-Experte Mario Wiemer und streift sich die weißen Handschuhe ab. Es geht weiter, zum nächsten kostbaren Frachtstück.

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