Ein Urgestein des Dürener Wochenmarktes geht

Von: Anne Welkener
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Der Hürtgenwalder Franz Förster hat heute in Aachen-Brand seinen letzten Arbeitstag. Das Verhältnis zu den anderen Verkäufern beschreibt er als kollegial: „Da herrscht schon Konkurrenz, aber wir sitzen im gleichen Boot. Bei uns Marktbeschickern lebt einer vom anderen.“ Foto: Welkener
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Das Ehepaar Förster hat bei Wind und Wetter verkauft. Einzig, wenn es kälter als -6 Grad Celsius war, ging das nicht. Dann wären die Eier geplatzt. Foto: Förster

Hürtgenwald/Düren. In der Stadt der Märkte ist er ein Gesicht des Marktes – und das seit mehr als fünf Jahrzehnten: Eiermann Franz Förster aus Hürtgenwald geht mit 82 Jahren in den Ruhestand. „Leider, leider“, wie er selbst sagt.

Das Marktleben, die Kunden und Kollegen werden ihm fehlen, aber seine Gesundheit lässt die anstrengenden Tage am Verkaufsstand, vor allem das schwere Tragen, nicht mehr zu.

Dass er mal zu einer festen Größe auf dem Dürener Markt wird, hätte er nie geahnt, als er noch als Maschinenschlosser bei RWE tätig war. „Damals habe ich an Maschinen gearbeitet, die 100 bis 150 Millionen Watt pro Stunde erzeugt haben“, erinnert er sich. Der selbst gebaute Hühnerstall war zu der Zeit noch ein Hobby.

Als sich ihm aber die Möglichkeit bot, für eine Firma als Geflügelberater zu arbeiten, wechselte Förster kurzerhand die Branche. „Die drei Tage pro Woche als Berater haben mir so viel Geld gebracht wie eine Woche bei RWE. An den restlichen Tagen habe ich dann auf meiner Farm gearbeitet“, erzählt Förster.

Zunächst belieferte er mit den Eiern nur Geschäfte. Weil aber die Preise für ihn nicht stimmten, hat er lieber selbst verkauft. Und das seit 1963 auf dem Dürener Markt. Anfangs noch auf dem Ahrweilerplatz, später auf dem Marktplatz. Aber der Eierverkäufer war nicht nur 54 Jahre auf dem Dürener Markt, sondern auch 50 Jahre und vier Monate auf den Märkten in Aachen vertreten.

Als in der Kaiserstadt nach dem Krieg erstmals wieder ein Wochenmarkt eröffnet werden sollte, besuchte der Stadtrat den Dürener Markt und fragte Förster und einige Kollegen, ob sie auch dort verkaufen wollten.

Aktiv als Ehrenvorsitzender

Förster, der gebürtig aus Aachen stammt, folgte gern dem Ruf aus der Heimat und half seitdem bei der Gründung jedes Marktes in den Aachener Stadtteilen mit. Anfangs war es nur einer, mittlerweile sind es 14. Für 30 Jahre hatte er den Posten des Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der Aachener Marktbeschicker inne, später war er auch noch als Ehrenvorsitzender aktiv.

Förster schlug die Brücke zwischen der Stadt Aachen und den Marktbeschickern und setzte sich für deren Interessen ein – wenn nötig auch bei der EU in Brüssel. Dem Dürener Wochenmarkt hielt er aber weiterhin die Treue.

Jeden Samstag bot er hier Eier feil – bis in die 90er Jahre als Selbsterzeuger, anschließend noch als Händler von Eiern aus der Nähe von Bonn. Unter der Woche war er auf den Märkten in den Aachener Stadtteilen, Sonntag und Montag waren frei. Neun Märkte an fünf Tagen waren es zu Spitzenzeiten. Das ging nur mit der Unterstützung von Ehefrau Irmgard.

Die war von der Aktion anfangs gar nicht begeistert. „Glaub nich, dat ich je mit aufn Markt jehe“, hatte sie resolut gesagt – aber ihre Meinung schnell geändert. Als gesundheitliche Gründe sie vor einem Jahr zum Aufhören zwangen, war die Enttäuschung groß. „Man vermisst es dann schon, wenn man zu Hause sitzt“, sagt sie heute.

Ein Jahr lang hat Franz Förster dann noch alleine vier Märkte bedient. Nun zieht auch er wehmütig einen Schlussstrich. Langweilig wird es ihm zu Hause aber nicht. Das Paar hat nach 62 Ehejahren drei Kinder, drei Enkel und zwei Urenkel, 2000 Quadratmeter Garten wollen gepflegt werden und die anhängliche Caroline, eine norwegische Waldkatze, die der Sohn selbst gezüchtet hat, freut sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit. Dass sie jetzt im Alter nicht mehr so gut können, wie sie gern würden, nehmen die Försters dabei mit Humor. Mit einem verschmitzten Grinsen sagt Franz Förster: „Wir sind noch übriggeblieben von früher.“

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