Ein treuer Ministrant in guten wie in schlechten Zeiten

Von: Christoph Hahn
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Seit 75 Jahren Ministrant: Auc
Seit 75 Jahren Ministrant: Auch mit 83 Lenzen dient Bernd Jußen (hier mit Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz) in der Dürener Annakirche noch immer die Messe. Foto: Hahn

Düren. Wer große Worte mag, kann sagen: Bernd Jußen (83) ist ein Stück lebender Geschichte. Denn als er als Messdiener in der Dürener Annakirche die ersten Schritt tat, war anno 1936 das stolze Gotteshaus noch unzerstört und der heutige Bau noch gar nicht entworfen worden.

Heute, nach den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges, erhebt sich in der Innenstadt eine andere, neue Kirche. Und in der ist Jußen noch immer aktiv - noch immer als Ministrant.

Lektor und Kommunionhelfer

Für seine Treue im Dienst wird der rüstige fünffache Vater und 13-fache Opa jetzt geehrt: Bei der Sonntagsmesse zum Ersten Advent am 27. November (10 Uhr) steht er im Mittelpunkt. Alle, die die Gemeinde tragen, wollen ihm im Rahmen der Eucharistie für 75 Jahre Dienst am Altar danken.

Das Alter kann Jußen nicht behindern - ganz im Gegenteil: Jeden Montag, Mittwoch und Freitag um 9 Uhr dient der Senior die Messe. Aber nicht nur das: Auch als Lektor und Kommunionhelfer steht der Dürener parat. Denn die Aktivität im geweihten Raum sieht Jußen als Herzenssache an, auch und gerade wenn er seine Gefühle und Erfahrungen relativ schmucklos ausdrückt: „Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ich das mal nicht mehr tue”, formuliert er seine „Berufsphilosophie”. Und der Jubilar, der von 1956 bis 1991 „seine” Annakirche als hauptberuflicher Küster betreut hat, ergänzt: „Einen Messdiener muss man an der Haltung erkennen.” Um sein Engagement macht Jußen ansonsten wenig Worte und sagt nur lapidar: „Ich war immer da. Das war für mich selbstverständlich.”

Der rüstige Mann, der längst das Rentenalter erreicht hat und dennoch nicht ruhen will, 1936, im damals noch unzerstörten Düren, mit dem Ministrieren angefangen hat, war alles ganz anders als heut. erinnert er sich: „Das waren noch ganz andere Zeiten.” Die erste Messe begann zu dieser Zeit früh morgens um 6 Uhr. Und da der kleine Bernd damals noch an der heutigen Euskirchener Straße wohnte, scheuchte die Mutter ihn und seinen beim Bombenhagel auf Düren umgekommenen Zwillingsbruder schon kurz nach 5 Uhr aus dem Bett.

Seither hat Jußen das Messdiener-Handwerker nie mehr losgelassen, nicht, als er am Neuen Friedhof als Flakhelfer stationiert war, und auch nicht, als 1945 ihn ein Pater im Kriegsgefangenlager Sinzig am Rhein als Ministrant rekrutierte. Bernd Jußen sieht sein Tun spürbar als Berufung an - in guten und erst recht in schlechten Zeiten.
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