Ein Tante-Emma-Laden auf Rädern

Von: Sarah Maria Berners
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Wenn die Kunden es nicht mehr können, bringt der Verkäufer die Waren sogar ins Haus: Für Katharina Heiß ist dieser Service wichtig.
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„Nicht mehr wegzudenken“: Eier kauft Joseph Schröder aus Mariaweiler fast jeden Donnerstag im rollenden Supermarkt von Bernd Pancke. „Für uns alte Menschen ist das eine Erleichterung“, sagt er. Foto: Berners

Mariaweiler/Langerwehe. „Geschäfte gibt es hier ja keine mehr“, sagt Joseph Schröder aus Mariaweiler. Wie jede Woche kommt er mit seinem Korb zum „Heiko“-Wagen, kauft Eier und ein paar andere Lebensmittel. „Für uns alte Menschen ist der rollende Supermarkt eine Erleichterung. Wir müssen nur ein paar Schritte vor die Türe gehen.“

Jeden Donnerstag gegen 8 Uhr startet Bernd Pancke mit dem Tante-Emma-Laden auf Rädern seine Tour durch Mariaweiler. Eine laute Klingel kündigt seine Ankunft an. An Bord hat der Verkäufer rund 200 Produkte plus die Sachen, die in der Woche im Angebot sind. Die meisten Waren im Wagen sind Lebensmittel, aber auch Pferdebalsam und Grußkarten sind mit an Bord. Regale, Körbe, Kühl- und Gefriertruhen füllen den Kleinlaster.

„Für die Senioren ist es sehr wichtig, selbstbestimmt einkaufen zu können und nicht ganz abhängig zu sein“, sagt Pancke. Viele wollten nicht zu häufig die Kinder oder die Enkel um Hilfe bitten, andere hätten gar keine Angehörigen in ihrer Nähe. Aber am rollenden Supermarkt geht es um mehr, als um den Einkauf. „An diesem Wagen werden manchmal Lachtränen aus den Augen gewischt, an anderen Tagen wird geweint, weil ein Angehöriger gestorben ist“, schildert der Verkäufer. An der Ladentheke wird diskutiert und geklönt, es geht um Politik und Alltagssorgen.

Der rollende Supermarkt bringt Abwechslung, vor allem für jene, die einen großen Teil des Tages alleine verbringen. Genug Zeit bringt Bernd Pancke daher immer mit. Er mag seinen Beruf gerade wegen dieses engen Kontaktes zu den Kunden.

Pancke ist erst seit einem Jahr mit dem rollenden Supermarkt unterwegs. Zuvor hat er als Tischler gearbeitet. Sein Arbeitstag beginnt am frühen Morgen in Prüm: Um 6 Uhr wird der Laster beladen. Seine Donnerstagsroute führt ihn nach Mariaweiler. Er fährt an einem Dürener Altenheim vorbei, von da geht es über Echtz durch die Gemeinde Langerwehe und von dort nach Derichsweiler und Gürzenich.

Rund 400 Kunden beliefert Bernd Pancke zwischen Südeifel und Kerpen pro Woche. Die meisten Routen führen über Land. „Denn dort schließen immer mehr kleine Läden, aber auch in Randbezirken von Köln sind wir mittlerweile unterwegs.“ Nur wenige Kunden machen am „Heiko“-Wagen einen Großeinkauf. Aber sie kaufen dort die Dinge, die frisch sein müssen. Obst, Gemüse, Fleisch, Eier und Milchprodukte beispielsweise.

Nicht alle Kunden hören die laute Klingel des Verkaufwagens sofort. Dann holt der Verkäufer die Kunden an der Haustüre ab. „Einige meiner Kunden, die nicht mehr so gut hören, hängen als Zeichen, dass sie einkaufen möchten, einen Beutel an die Türklinke“, erklärt Pancke. Andere stellen einen Korb auf die Fußmatte.

Hella Plass kauft häufig am Wagen ein. „Außerdem fahre ich regelmäßig mit dem Einkaufsbus der Bewohnerinitiative Mariaweiler zum Supermarkt“, erzählt sie.

Für andere ist der Supermarktbesuch zu beschwerlich. „Ich könnte gar nicht mehr so gut durch einen Supermarkt gehen“, sagt Katharina Heiß. Sie kauft beim rollenden Supermarkt ein, seit es das Angebot in Mariaweiler gibt: „Der Einkauf direkt vor der Haustüre ist für mich einfach praktisch.“ Die beiden Körbe trägt der Verkäufer der Seniorin bis in die Küche. Pancke kennt seine Kunden. Manche Körbe könnte er ohne Zettel und Bestellung packen.

Ist ein Kunde krank, geht Pancke samt Liste und Korb zum Wagen und erledigt den Einkauf. „Man baut ein inniges Vertrauensverhältnis auf“, sagt er. Die Kunden, viele kämen aus der Kriegsgeneration, würden eben diese Tante-Emma-Atmosphäre sehr schätzen.

Rita Parting senkt den Altersschnitt der Kunden erheblich. Obwohl sie noch jung ist, kauft sie einige Produkte ganz bewusst im rollenden Supermarkt. Vorbeugend sozusagen. „Wenn wir älter und vielleicht nicht mehr so mobil sind, sind wir sicher froh, dass es so ein Angebot gibt“, sagt sie. Dass es an der Wagentheke etwas teurer ist als im Supermarkt, ist für die Stammkunden in Ordnung. „Es wird ja auch bis zur Haustür gebracht“, sagen sie. Aber Pancke weiß, dass die Altersarmut manchen Senioren zu schaffen macht. Auch das ist ein Thema, das am rollenden Supermarkt manchmal diskutiert wird.

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