Ein Symbol des Aufbruchs wird zur Waffe

Von: Stephan Johnen
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So sah es an dieser Stelle vor 100 Jahren aus: Archäologin Petra Tutlies präsentierte auf dem Acker ein Bild des Hangars. Foto: Stephan Johnen
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Teile der alten Versorgungsleitungen sind heute noch erhalten. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die Archäologen hatten fest damit gerechnet, etwas zu finden. Schließlich gibt es Luftbildaufnahmen, die auf Reste von Fundamenten schließen lassen. Doch die alten Bier- und Schnapsflaschen haben Petra Tutlies, Leiterin der Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege, dann doch überrascht.

„Anhand der verwendeten Flaschentypen und Formen lässt sich bestimmen, dass diese Funde aus den 80er Jahren stammen“, sagt die Wissenschaftlerin. Die Datierung der nicht gerade antiken Trinkgefäße passe exakt zu Erdarbeiten, bei denen die Fundamente des Luftschiff-Hangars aus dem Jahr 1914 aus einem Acker bei Distelrath weitgehend entfernt worden sind.

„Es muss eine harte Arbeit gewesen sein, die durstig gemacht hat“, sagt Tutlies augenzwinkernd. Und Archäologen wissen: Wenn Menschen Löcher zuschütten, wandert mancher Unrat mit hinein. Das ist seit Tausenden von Jahren so. Im Vorfeld des Aktionstages „Der andere Luftkrieg“ am Sonntag haben die Archäologen und Ehrenamtlichen der Außenstelle Nideggen Teile des ehemaligen Luftschiffhafens Düren freigelegt.

Stücke der Eckpfeiler, Versorgungsleitungen – es sind Spuren der einst 180 Meter langen, 70 Meter breiten und 30 Meter hohen Halle. Vor 100 Jahren stand auf dem Acker in der Nähe des Neuen Friedhofs ein Hangar samt Munitions- und Kohlenbunker, Mannschaftsunterkünften, Werkstatt und Flugabwehrgeschützen. Das Militär hatte im ersten Kriegsjahr mit dem Bau begonnen.

Von Düren aus starteten Aufklärungs- und Angriffsflüge. Noch vor Kriegsende wurde der Hafen geschlossen, die Einzelteile des Hangars zum Bau von Flugzeughallen auf Norderney eingesetzt. „Die Deutschen hatten als einziges Land stark auf Luftschiffe gesetzt“, erklärt Archäologin Dr. Wiebke Hoppe vom Landschaftsverband. Doch den Flugzeugen gehörte die militärische Zukunft.

Im Rahmen des Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ hat der Landschaftsverband an vielen Stellen Relikte des Ersten Weltkriegs gesucht und gefunden, sie wieder zugänglich gemacht. „Wir wollen mehr aus diesen Quellen erfahren“, betont Petra Tutlies. Und die Menschen sollen mehr über diese Orte erfahren.

„Der Erste Weltkrieg war beinahe vergessen, überlagert vom Zweiten“, findet Dr. Thomas Schleper, der das Verbundprojekt leitet. Das Interesse jedoch habe stark zugenommen. Zeppeline seien in der Zeit vor 1914 ein Symbol des Aufbruchs, des Optimismus‘ gewesen. Während des Krieges wurden sie zur Terrorwaffe. „Der Erste Weltkrieg war der erste industrialisierte Krieg“, bilanziert Schleper. Aus dem einst friedlichen Luftschiffen wurden Waffensysteme.

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